NewsPolitikIGeL: Keine strengeren Vorgaben geplant
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

IGeL: Keine strengeren Vorgaben geplant

Donnerstag, 26. Juli 2012

Berlin –­ Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) führen derzeit nicht dazu, dass die vertragsärztliche Tätigkeit von Ärztinnen und Ärzten beeinträchtigt wird. Das hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag festgestellt. Wenn es zutreffe, dass sich die Einnahmen aus IGeL auf rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr beliefen, dann entspreche dies auch nur etwa 4,5 Prozent der Ausgaben für die gesamte vertragsärztliche Versorgung.

Ergänzend wird darauf verwiesen, dass das geplante Patientenrechtegesetz bestimmte Vorgaben zu IGeL enthalten werde, so die Verpflichtung, Patienten schriftlich und konkret darüber zu informieren, wenn sie selbst für Behandlungskosten aufkommen müssen. „Allerdings liegt es grundsätzlich weiterhin am Patienten selbst, als mündigem Vertragspartner entsprechende Angebote genau zu prüfen“, so das Ministerium.

Unterstützung fänden Versicherte dabei unter anderem bei der Unabhängigen Patienten­beratung. Das BMG weist zudem darauf hin, dass die Kontrolle über einen ange­messenen Umgang mit IGeL-Angeboten Aufgabe von Lan­des­ärz­te­kam­mern, Kassen­ärztlichen Vereinigungen und den Landesaufsichtsbehörden sei. Der Bund könne nicht aufsichtsrechtlich tätig werden.

Gestellt hatten die Kleine Anfrage Abgeordnete von Bündnis 90/ Die Grünen. Deren gesundheitspolitische Sprecherin, Birgitt Bender, kritisierte die Antworten als „verharmlosend“.  Sie sieht einen „sichtbaren Trend zur Kommerzialisierung der Arzt-Patient-Beziehung“.

Anzeige

Nach Ansicht der Grünen werden die berufs- und vertragsärztlichen Pflichten beim Angebot von IGeL häufig missachtet. Nach ihren Erkenntnissen kommt ein Großteil ohne schriftliche Vereinbarung zustande, ein kleiner Teil ohne Rechnung. Wenn die dafür zuständigen Organisationen und Behörden nicht reagierten, bestehe politischer Handlungsbedarf.

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium hat allerdings klargestellt, dass es diesen derzeit nicht sieht. So wird es keine zusätzliche Protokollpflicht geben, Nutzen und Risiken angebotener IGeL aufzulisten. Auch plant die Bundesregierung keine Meldepflicht von Privatbehandlungen gegenüber Kassenärztlichen Vereinigungen.

Die Grünen hatten darauf hingewiesen, dass Selbstzahlerleistungen bisher nicht umfassend erfasst und bewertet werden. Ihrer Ansicht nach sind Patienten in der Regel nicht in der Lage zu beurteilen, ob die Leistungen der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung für sie ausreichend sind oder ein bestimmtes IGeL-Angebot von Nutzen wäre.

Der Hinweis auf Beratung in der Antwort auf die Kleine Anfrage, beispielsweise durch die Unabhängige Patientenberatung, sei „höchst praxisfern“, bemängelte Bender, da IGeL in der Regel spontan angeboten und unmittelbar in Anspruch genommen würden. © Rie/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #98372
Thelber
am Dienstag, 7. August 2012, 22:03

Die Grünen können aber beruteilen ...

.... ob die Leistungen der Gesetzlichen Kranken Kassen ausreichend sind ?

Ja, das kann doch jeder !! Ausreichend eben !! nicht gerade Mangelhaft oder gar ungenügend, nein ausreichend ! Aber bitte eben auch nicht Befriedigend oder gut oder gar sehr gut !! Und wer gut will und von der GKV eben "nur" ausreichend bekommt, der darf doch sicher ein paar €uro aus eigener Tasche für das "gut" auf bezahlen - nicht wahr ???
LNS

Nachrichten zum Thema

30. August 2019
Berlin – Tendenziell negativ – so bewertet der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) die Optische Kohärenztomografie (OCT), die Augenärzte als Individuelle
IGeL-Monitor zur Glaukom-Früherkennung entfacht Streit
26. Februar 2019
Berlin – Mehr als jedem vierten Versicherten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (28,9 Prozent) ist in den vergangenen zwölf Monaten eine ärztliche Leistung als Privatleistung – als sogenannte
Jedem vierten Versicherten werden Privatleistungen angeboten
22. August 2018
Essen – Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Wissenschaftler des IGeL-Monitors wollten jetzt wissen, ob der M2-PK-Stuhltest Todesfälle durch Darmkrebs verhindern kann,
IGeL-Monitor sieht keine Nutzenbelege für Früherkennung von Darmkrebs mittels M2-PK-Stuhltest
3. Mai 2018
Berlin – Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) hat kritisiert, dass manche Ärzte ihren Patienten Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) anbieten, die den
IGeL-Leistungen laut MDS nicht in Einklang mit medizinischen Empfehlungen
21. Februar 2018
Essen – Wissenschaftler des IGel-Monitors sehen auf Basis der derzeitigen Studienlage keinen Nutzen oder Schaden einer Lichttherapie bei Akne. Eine Lichttherapiesitzung kostet als Selbstzahlerleistung
IGel-Monitor sieht weder Nutzen noch Schaden von Lichttherapie bei Akne
19. Dezember 2017
Essen – Die Wissenschaftler des IGel-Monitors schätzen den Nutzen einer Laserbehandlung bei Krampfadern mit „unklar“ ein. Nach einer Analyse der wissenschaftlichen Literatur zum Thema kommen sie zu
Nutzen der Laserbehandlung von Krampfadern auf „unklar“ herabgestuft
5. Dezember 2017
Essen – Welchen Nutzen oder Schaden Menschen erwarten können, wenn sie ihre geistige Leistungsfähigkeit mit einem Hirnleistungs-Check abklären lassen, wollten die Wissenschaftler des IGeL-Monitors
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER