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Medizin

Cardio-CT beschleunigt Herzinfarktiagnostik kostenneutral

Donnerstag, 26. Juli 2012

Boston – Die Koronarangiografie mit Kontrastmittel in der Computertomografie (Cardio-CT) hat in einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2012; 367: 299-308) die Diagnostik des akuten Koronarsyndroms beschleu­nigt, ohne die Kosten wesentlich zu erhöhen. Einziger Nachteil war ein erhöhtes Strahlenrisiko für die Patienten.

Moderne 64-Schicht-Computertomografen können den Herzmuskel mit einer hohen Auflösung abbilden. Nach der Gabe eines Kontrastmittels lassen sich Blockaden der Koronarien darstellen. Da das Cardio-CT nicht invasiv ist, eignet es sich für die Ausschlussdiagnostik bei Patienten mit pektanginösen Beschwerden. Es gibt jedoch Bedenken, dass das Cardio-CT Herzinfarkte nicht zuverlässig ausschließen kann. Auch die hohen Kosten werden kritisiert.

Die Bedenken waren Gegenstand der Rule Out Myocardial Infarction/Ischemia Using Computer-Assisted Tomography oder ROMICAT-II-Studie, die das US-National Heart, Lung and Blood Institute an neun Kliniken des Landes durchführen ließ. Alle Kliniken verfügten über einen 64-Schicht-CT (einige hatten sogar ein 128-Schicht-CT).

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Udo Hoffmann vom Massachusetts General Hospital in Boston und Mitarbeiter randomisierten 1.000 Patienten mit pektanginösen Beschwerden, bei denen die Infarktzeichen im EKG unsicher waren und die Troponin-Werten nicht eindeutig auf einen Herzinfarkt hinwiesen. Die Hälfte der Studienteilnehmer durchlief die Standarddiagnostik, die sich in der Regel auf die Verlaufsbeobachtung der Infarktparameter stützt. In unklaren Fällen schließen sich funktionelle Tests an.

Dies hat zur Folge, dass die Patienten, bei denen kein Infarkt vorlag, unter der Standarddiagnostik erst nach median 26,3 Stunden entlassen wurden. Die Cardio-CT verkürzte die Zeit auf median 8,6 Stunden. 42 Prozent der Patienten wurden nach der Cardio-CT direkt nach Hause geschickt, nur 12 Prozent nach der Standarddiagnostik. Bei den etwa 8 Prozent der Patienten mit einem Herzinfarkt, hat das Cardio-CT die Behandlungszeit erwartungsgemäß nicht verkürzt, da hier weitere therapeutische Maßnahme wie ein Herzkatheter die Behandlungsdauer bestimmen.

Die Verkürzung der Ausschlussdiagnostik führte in keinem Fall dazu, dass ein akutes Koronarsyndrom übersehen wurde, versichert Hoffmann, der alle Studienteilnehmer 72 Stunden nach dem Aufnahme telefonisch kontaktieren ließ. Bei der weiteren telefonischen Rückfrage nach 28 Tagen zeigte sich, dass zwei Patienten erneut ein akutes Koronarsyndrom erlitten hatten. Nach der Standarddiagnostik erlitten jedoch acht Patienten ein kardiovaskuläres Ereignis, so dass auch dieses Ergebnis die Sicherheit des Cardio-CT nicht infrage stellt.

Die schnellere Entlassung und der häufigere Verzicht auf weitere funktionelle Tests wie Szintigrafie (SPECT), Belastungs-EKG und Stress-Echokardiografie erklären, warum die Behandlungskosten trotz der Mehrausgaben für das Cardio-CT nicht wesentlich anstiegen (4.289 beziehungsweise 4.060 US-Dollar).

Der einzige Nachteil für die Patienten war die erhöhte Strahlenbelastung durch die Computertomografie. Sie lag im Mittel bei 11,3 mSv, konnte aber bei den Patienten, die mit einem 128-Schicht-CT untersucht wurden, auf 6,2 mSv gesenkt werde. Hoffmann rechnet deshalb damit, dass der technische Fortschritt langfristig die Strahlenbelastung senken wird. © rme/aerzteblatt.de

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