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Ärzteschaft

„Die Verunsicherung unter den Psychiatern ist groß“

Freitag, 27. Juli 2012

Köln – Psychisch Kranke, die unter Betreuung stehen, dürfen nicht mehr gegen ihren Willen behandelt werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Demnach kann ein gesetzlicher Betreuer auch dann keine medikamentöse Therapie erzwingen, wenn der Betroffene bereits gegen seinen Willen in einer geschlossenen Abteilung untergebracht ist. Der BGH gab seine bisherige Rechtsprechung auf, nach der ein Betreuer die Behandlung durchsetzen konnte.  Az.: XII ZB 99/12 und XII ZB 130/12

5 Fragen an Prof. Dr. med. Peter Falkai,  Präsident der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde

Welche Auswirkungen hat das Urteil auf die Arbeit von Psychiatern?

Zunächst einmal muss man sagen: Etwa 90 Prozent unserer Patienten kommen freiwillig. Von denen, die gegen ihren Willen stationär aufgenommen werden, hat etwa die Hälfte einen gesetzlichen Betreuer. Das dürften bundesweit rund 45.000 Patienten jedes Jahr sein. Bei ihnen wird unsere Arbeit durch das Urteil erheblich erschwert. Die Verunsicherung unter den Psychiatern ist groß, aber auch das Unverständnis. Das BGH sagt: Ihr dürft die Leute zwar unterbringen, aber ihr dürft sie nicht behandeln. Die Patienten, die unter Betreuung stehen, sind oft chronisch psychisch krank. Wenn so ein Patient mit einer akuten Verschlechterung kommt, dann braucht er schnell Hilfe. Jetzt dürfen sie ihm aber kein Neuroleptikum verabreichen, wenn er das ablehnt. Ehrlich gesagt: Wenn ich mal eine solche Erkrankung haben sollte, dann hoffe ich, dass man mich behandelt.

Was ändert sich bei psychisch Kranken, die nicht unter Betreuung stehen?

Die BGH-Entscheidung bezieht sich auf Patienten, die nach Betreuungsrecht untergebracht sind. Patienten ohne gesetzlichen Betreuer werden nach PsychKG untergebracht. Das ist also eine andere rechtliche Grundlage, die von diesem Urteil nicht berührt wird, aber von kürzlich zurückliegenden Urteilen.

Kam das BGH-Urteil für Sie überraschend?

Nein, es war zu erwarten. Für den Bereich der forensischen Psychiatrie hatte es ja bereits eine entsprechende Entscheidung gegeben. Der Klage eines Patienten im Maßregelvollzug gegen eine Zwangsbehandlung mit Neuroleptika war stattgegeben worden. Insofern war auch für die Psychiatrie allgemein eine Veränderung der Gesetzesgrundlage zu erwarten.

Was raten Sie den Ärzten, um sich abzusichern?

Man muss den Einzelfall genau prüfen. Das heißt: Wenn ein betreuungsrechtlich untergebrachter Patient die Behandlung ablehnt, muss man klären, ob eine freie Willensentscheidung vorliegt. Wenn Sie ein Delir haben, zum Beispiel bei einem Alkoholentzug, dann müssen Sie behandelt werden. Keine Frage. Grundsätzlich sollten die Kliniken hausintern klare Empfehlungen erarbeiten. In Zweifelsfällen würde ich den Ärzten raten, das zuständige Gericht zu kontaktieren und das Vorgehen gut zu dokumentieren.

Was fordern Sie vom Gesetzgeber?

Das Ganze muss jetzt schnell und sauber rechtlich geregelt werden – nicht mit juristischen Formeln, sondern praxisnah. Außerdem muss die Politik auch zur Kenntniss nehmen, dass der Aufwand in den Kliniken steigt. Wenn man die Patientenautonomie stärker beachten will – was ich nachdrücklich unterstütze – muss man auch entsprechend mehr Personal finanzieren.

© BH/aerzteblatt.de

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Avatar #659968
ukamp
am Montag, 17. Dezember 2012, 19:48

Zwangsmedikation

Ich kann es immer nicht verstehen, mit welcher Arroganz sich so genannte Fachleute hinstellen und die größten Dummheiten von sich geben: Zitat v. Prof.Dr. med. Peter Falkai "Das BGH sagt: Ihr dürft die Leute zwar unterbringen, aber ihr dürft sie nicht behandeln."
Dr. Falkyai setzt also psychiatrische Behandlung mit Zwangsmedikation gleich und er bestätigt damit nachdrücklich den sich immer wieder aufdrängenden Verdacht, dass Psychiater (zumindest Psychiater seiner Couleur) es nicht verdienen, Therapeuten genannt zu werden.
Am Ende seiner Ausführungnen bestätigt Herr Dr. Falkai dann auch noch, dass Patienten in psychiatrischen Kliniken ihre Selbständigkeit verlieren: "Wenn man die Patientenautonomie stärker beachten will – was ich nachdrücklich unterstütze – muss man auch entsprechend mehr Personal finanzieren"
Mehr Personal ist zwar wünschenswert, aber was nützen der Psychiatrie und den Patienten mehr Ärzte vom Schlage eines Dr. Falkai?
Nein, was gebraucht wird ist mehr als eine Psychiatriereform, wir benötigen eine Psychiatrierevolution. Ich verstehe darunter folgendes: für diesen schwersten, belastensten und anspruchsvollsten therapeutischen Bereich in der Medizin müssen die besten Fachleute (aus Medizin, Pflege und anderen Sozialberufen), die beste Ausstattung (therapeutisches Milieu) und die meisten Gelder zur Verfügung gestellt werden.
Ich kann nur hoffen, dass irgendwann das, was mkohlhaas und tagtäglich andere seiner Leidensgenossen in deutschen Psychiatrien erleiden müssen, als "dunkler Fleck" der Medizin des 20./21. Jh, der Vergangenheit angehört.
Avatar #103574
mkohlhaas
am Freitag, 31. August 2012, 03:33

Was soll den daran Heilbehandlung sein ??

Siehe

http://psychiatrienogo.wordpress.com/2012/08/29/712/

Vielleicht kann sich ja mal jemand der sowas befürwortet äussern
Avatar #646070
Winston Smith
am Mittwoch, 1. August 2012, 20:30

Widerstand ist nicht zwecklos

Es regt sich Widerstand in den Reihen der Psychiatrie-Überlebenden:

http://www.meinungsverbrechen.de/?p=269

Einen Peter Falkai nehmen manche Journalisten schon gar nicht mehr ernst, wie ich aus Insiderkreisen erfahren habe.
Avatar #645735
chinamed
am Mittwoch, 1. August 2012, 10:43

Zwangsbehandlung in der Diktatur

Zitat oben im Blog: "Den Vorwurf, der sich aus Hinweisen auf den Faschismus und den Kommunismus ergibt, kann ich nicht nachvollziehen."
Dazu das FAZ-Zitat:
"Der nordrussische Blogger Maxim Jefimow, der wegen seines Artikels „Karelien hat die Popen satt“ psychiatrisch zwangsbehandelt werden sollte, entwischte durch die Ukraine nach Polen."
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/der-prozess-gegen-pussy-riot-sehen-oppositionelle-aus-wie-besessene-11839017.html
Damit zeigt sich erneut: In einer Diktatur ist die psychiatrische Zwangsbehandlung nach wie vor ein beliebtes Mittel um unbequeme Meinung auszuschalten.
Wollen sich die Psychiater allen Ernstes erneut in die Rolle des Handlangers von politischen Auseinandersetzungen hineinziehen lassen?
Haben sie im Dritten Reich und der DDR nicht bereits genug Schuld auf sich geladen, ohne bis heute zu diesem schreienden Unrecht zu stehen oder sich als Täter zu entschuldigen?
Ist jemals einer dieser psychiatrischen Handlanger von Diktatoren für sein kriminelles Treiben bestraft worden?
Hier sollten alle Alarmglocken klingeln, wenn von Seite des Psychiaterverbandes erneut für den angeblich "guten Zweck" der Zwangsbehandlung in der Bundesrepublik eingetreten wird.
Ich hoffe, dass die Änderung der Rechtsprechung in Deutschland endlich zu einem Umdenken führen wird. Den vielen Opfern von psychiatrischen Zwangsbehandlungen in Deutschland sollte eine Wiedergutmachung zugesprochen werden.
Die psychiatrische Zwangsbehandlung sollte endlich als das behandelt werden, was sie schon immer war: eine Körperverletzung ohne Zustimmung und oft gegen den erklärten Willen des Patienten.
Avatar #98372
Thelber
am Montag, 30. Juli 2012, 23:33

An der Formulierung und am Satzbau ....

... kann man vieles erkennen. Prosit !
Avatar #103574
mkohlhaas
am Sonntag, 29. Juli 2012, 17:41

Und hier noch ein ganz besonderes Bonbon


http://www.meinungsverbrechen.de/wp-content/uploads/2011/09/Dissimu.png

Wenn der Diagnostizierte keine Symptome zeigt dann dissimuliert er halt.
Da kann es einen Mensch der mit Verstand begabt, ist nur noch schütteln.

Avatar #103574
mkohlhaas
am Sonntag, 29. Juli 2012, 17:26

Nachtrag

@razap
Zu mehr Personal:
als ich das letzte mal in einer Klinik jemand besuchte:
- ein Mensch Lag auf dem Boden
- mehrere Menschen liefen im von Akathisie getrieben im Kreis
- Das Personal kickerte bzw saß beim Kaffee

Am nächsten Tag lag der Patient immer noch oder schon wieder auf dem Boden
- mehrere Menschen liefen im von Akathisie getrieben im Kreis
- Mensch saß wippend auf einer Bank, abgefüllt bis zur Oberkante, um ihn kümmert sich eine Patienten.
vom Personal weiterhin keine Spur

Es bedarf nicht immer mehr Personal.

Ich weiß auch, dass es Unterschiede in den Kliniken gibt.

Leider gibt es der Leuchttürme nicht viele so, dass ich dieser an einer Hand abzählen kann, der Betonköpfe aber um so mehr.


zu psychisch Behinderte

Die meisten Menschen um nicht alle zu sagen sind nicht psychisch behindert sondern chronisch von den Nervengiften die man ihnen zuführt vergiftet.
Ich kenne die Wirkung von dem Dreckszeug aus eigener Erfahrung,
Mit Neuroleptika nicht in der Lage der Vorlesung zu folgen, ohne Neuroleptika beste Klausur bei einer Durchfallquote von ca. 80 % (Mathematik)
Ich kenne auch Menschen die dieses Dreckszeug nach Jahrzehnten abgesetzt haben und jetzt nach eigenen Angaben endlich wieder leben und nicht vor sich hinvegetieren.
Ich empfehle hier immer einen Selbstversuch.

Hierzu schreibt Prof. Karl Leonhard in seinem Werk
“Aufteilung der endogenen Psychosen und ihre differenzierte Ätiologie“

Zitat Anfang
“Ich sehe heute leider sehr viele zykloide Patienten, die durch Dauermedikation in einem toxisch-krankhaften Zustand gehalten werden, währen sei ohne die Medikation völlig gesund wären. Der Schaden wird dadurch noch verschlimmert, daß nach längerer Dauermedikation, wie ALBERT (1986) feststellt, eine Gewöhnung derart eintritt, daß auch bei phasischen Psychosen eine Entziehung zum Rückfall führt.”

Zitat Ende
(Zitiert aus Leonhard, Karl: Aufteilung der endogenen Psychosen und ihre differenzierte Ätiologie, 8.Auflage, Stuttgart: Thieme 2003 S. 3)

Avatar #103574
mkohlhaas
am Sonntag, 29. Juli 2012, 17:07

Stellungnahme des BPE

Die Stellungnahme Vorstandes des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener e.V. zu dem Urteil des BGH

http://www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de/Presseerkl%C3%A4rung%20BPE%20zu%20BGH%207-2012.pdf

Avatar #103574
mkohlhaas
am Sonntag, 29. Juli 2012, 13:16

Beantragung von Betreuungen und Diagnostik in der Psychiatrie

Und hier noch ein Bonbons für alle die nicht wissen wie in der Psychiatrie diagnostiziert wird und auf welcher Basis Betreuungen beantragt werden.
Meine Erfahrung hat mir gezeigt dass diese keine Einzelfälle sind sondern die Regel

http://psychiatrienogo.wordpress.com/2012/04/11/wunderheilung-in-der-stiftung-tannenhof-remscheid/

Vielleicht kann sich ja mal einer der Psychiater äußern wie so etwas zustande kommt. Aber ohne den Spruch "Fehler passieren immer" o.ä.



Avatar #103574
mkohlhaas
am Samstag, 28. Juli 2012, 18:28

Einzige Saubere Lösung

@razap

Die einzige saubere Lösung wäre:

Analog wie bei der Organspende, alle Bundesbürger anszuschreiben und aufzuklären, mit der Bitte einen “Zwangsbehandlungspass” auszufüllen und mitzuführen.
Und nur dann, und nur dann, wenn darin angekreuzt ist
“Ich möchte psychiatrisch zwangsbehandelt werden”
Dann kann man denjenigen zwangsbehandeln ansonsten hat man den Menschen in Ruhe zu lassen.

Im Übrigen:
Das Argument mit der Waffe ist vollkommen daneben, wir reden hier nicht über strafbare Handlungen.

Ich habe vor vielen Jahren im Zivildienst in der individuellen Schwerebehindertenbetreuung gearbeitet.
Wir hatten einen Klienten der hat sich regelmäsig betrunken.
Der Zivi hat den Alkohol gekauft.
Der Zivi hat ihn eingeschänkt und hat ihm ein Röhrchen reingesteckt damit er ihn trinken konnte.
Und der Zivi hat danach die Kotze weggemacht.
Das ist Assistenz !!!

Ich rede nicht über das Gesundheitsheitssystem sondern über die Psychiatrie deren Profession es ist, auf Grundlage von esoterischer Kaffeesatzleserei, nichts anderes ist ein Diagnosesystem das die nicht valide ist ,
Siehe:
http://www.springerlink.com/content/e307uv11x5hq7u40/
http://www.springerlink.com/content/n7h03268452078u5/

den Menschen im Gehirnstoffwechsel herumzupfuschen, was jeglicher Hirnforschung widerspricht (siehe u.a. Vortrag von Prof. Niels Birbaumer auf dem DGPPN Kongress 2011) und die ich kenne, als Betroffener, Angehöriger und als Diplom-Psychologe der sein Studium mit sehr gut abgeschlossen hat, und
der obwohl er alle Veranstaltungen in Klinischer Psychologie besucht hat, sich mit der Begründung, für so einen Blödsinn habe ich keinen Speicherplatz, nicht hat prüfen lassen.


Johannes Georg Bischoff

Avatar #54011
razap
am Samstag, 28. Juli 2012, 16:02

Grenzen der Argumentation

1) Meine Meinung wird mit chinamed gut wiedergegeben. Mehr Personal, mehr Betreuung, mehr Platz, dann braucht es auch weniger Medikamente.

zu mkohlhaas:
a) Es gibt immer mehrere Sichtweisen, und jeder Patient ist anders. Es gibt mißbräuchliche Betreuer, und es gibt Betreuer, die sich sehr viel Zeit und Herzblut in ihren Auftrag stecken. Dasselbe gilt für Ärzte. Ich möchte nicht, dass alle Menschen, die psychisch Behinderte betreuen und behandeln, über einen Kamm geschert werden. Damit wird vielen engagierten Menschen unrecht getan.

b) Ich finde, der ausführlichen §§-Argumentation ist nur eines hinzuzufügen:
"Da wo die Freiheit des anderen beschnitten wird, endet die eigene Freiheit."
Wenn der Betreute sich wünscht, der Betreuer soll ihm eine Waffe besorgen, weil er selbst das nicht kann, dann ist zwar das Gesetz §1896, $1901, §1901a usw. angewendet, aber sicherlich nicht im Sinne des Gesetzgebers, und auch nicht im Sinne der meisten Betreuten. Dasselbe gilt für Medikamente.

c) Ich finde, für solche §-Weitwurf-Texte und allgemeine Anschuldigungen an unser Gesundheitssystem sollte dieses Forum nicht missbraucht werden.

d) Ich finde es gut, wenn noch mehr darauf geachtet wird, dass in bestimmten Situationen die Wahl der Mittel genau abgewägt wird. Ein Verhalten, das seltsam ist, muss nicht zwingend behandelt werden. Ein Eigenbrötler braucht nicht zwingend eine Betreuung.
Ich halte viel davon, die geltenden Grundnormen unserer Gesellschaft immer wieder zu prüfen und am EInzelfall auch sich selbst zu prüfen. Das gilt auch für Kranke....dann braucht es all die §§ nicht.



Avatar #103574
mkohlhaas
am Samstag, 28. Juli 2012, 14:55

Schon der erste Satz ist falsch

Der ganze Artikel beginnt schon falsch!
Man "steht nicht unter Betreuung"
sondern
es wird Nach § 1896 BGB Betreuer Betreuer bestellt für Angelegenheiten die man selbst nicht erledigen kann,
und hat Nach § 1901 BGB den wünschen des Betreuten zu entsprechen.
Nach Nach § 1901a BGB hat er dem Willen des Betreuten Geltung zu verschaffen.

UN Behindertenrechtskonvention

Artikel 12
Gleiche Anerkennung vor dem Recht
(1) Die Vertragsstaaten bekräftigen, dass Menschen mit Behinderungen das Recht haben, überall als Rechtssubjekt anerkannt zu werden.

(2) Die Vertragsstaaten anerkennen, dass Menschen mit Behinderungen in allen
Lebensbereichen gleichberechtigt mit anderen Rechts- und Handlungsfähigkeit genießen.



Artikel 15
Freiheit von Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung
oder Strafe
(1) Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender
Behandlung oder Strafe unterworfen werden. Insbesondere darf niemand ohne seine
freiwillige Zustimmung medizinischen oder wissenschaftlichen Versuchen unterworfen
werden.
(2) Die Vertragsstaaten treffen alle wirksamen gesetzgeberischen, verwaltungsmäßigen,
gerichtlichen oder sonstigen Maßnahmen, um auf der Grundlage der Gleichberechtigung zu
verhindern, dass Menschen mit Behinderungen der Folter oder grausamer, unmenschlicher
oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.


Artikel 17
Schutz der Unversehrtheit der Person
Jeder Mensch mit Behinderungen hat gleichberechtigt mit anderen das Recht auf
Achtung seiner körperlichen und seelischen Unversehrtheit.

Im Übrigen verlangt die UN-Behindertenrechtskonvention ASSISTENZ und nicht Bevormundung
Artikel 19
Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft
verpflichtet sind, in besonderen Wohnformen zu leben;
b) Menschen mit Behinderungen Zugang zu einer Reihe von gemeindenahen
Unterstützungsdiensten zu Hause und in Einrichtungen sowie zu sonstigen gemeindenahen
Unterstützungsdiensten haben, einschließlich der persönlichen Assistenz, die zur
Unterstützung des Lebens in der Gemeinschaft und der Einbeziehung in die Gemeinschaft
sowie zur Verhinderung von Isolation und Absonderung von der Gemeinschaft notwendig ist;

Die Verhaftung im längst abgeschafften Vormundschaftrecht ist offensichtlich noch sehr weit verbreitet. Das nächste mal bitte genauer recherchieren und exakter formulieren
Avatar #103574
mkohlhaas
am Samstag, 28. Juli 2012, 13:16

Selbstversuch

Dem Herrn Präsident sei mal ein Selbstversuch geraten mit Neuroleptika, mit denen er so gern behandelt werden würde. Danach kann er dann in der gleichen Klinik seine dadurch enstandene Traumatisierung behandeln lassen, wie er es in der TAZ vorgeschlagen hat.
Siehe http://www.taz.de/Urteil-zu-Zwangsmedikation/!97592/

Es stellen sich allerdings bei der bisherigen Praxis viele Fragen.
Hat man denn die gegebenen Nervengifte bisher nicht benannt und dokumentiert ? (siehe TAZ)
Hat es vorher keine klaren Richtlinien gegeben an die man sich gehalten hat ?
Was versteht der Präsident hier unter Praxisnah ?
Es geht hier um das Recht auf körperliche Unversehrtheit !!!

Im Übrigen Ist im 1901a BGB alles geregelt. Den scheint die meisten Psychiater entweder nicht zu wissen oder zu Ignorieren.

Des Weiteren ist der gesetzliche Betreuer eine Unterstützung des Patienten und nicht sein Vormund !!! Die UN-Behinderkonvention verlangt Assistenz.
Der Herr Präsident ist wohl, wie viele Mitglieder seiner Organisation noch im alten, längst abgeschafften Vormundschaftsrecht verhaftet.

Unter welchen dubiosen Umständen Betreuungsanträge gestellt werden, siehe

http://psychiatrienogo.wordpress.com/2012/04/11/wunderheilung-in-der-stiftung-tannenhof-remscheid/




Avatar #103574
mkohlhaas
am Samstag, 28. Juli 2012, 13:00

Lage so eindeutig wie noch nie

Was heißt hier die Verunsicherung bei den Psychiatern ist groß, man hat jahrelang Menschen gegen Ihren Willen mit Nervengiften gefoltert und sie zu Wracks gemacht.
Dem hat der BGH endlich einen Riegel vorgeschoben.
Es gibt jetzt absolut keine Unsicherheit mehr.
Zwangsbehandlung wird jetzt endlich als das verfolgt, was es schon immer war
Gefährliche Körperverletzung
durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen,
mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs (wenn gespritzt wird)
mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung

Avatar #114378
jkuhn
am Samstag, 28. Juli 2012, 07:42

@ chinamed

Ich habe einige Psychiatrien von innen gesehen. Ich denke, dass die Psychiater fundiert und gewissenhaft Therapien im Sinne ihrer Patienten planen. Die Zwangsbehandlung ist und bleibt ein problematisches Feld, weil einwilligungsunfähige Patienten Willensäußerungen abgeben. Hierzu müssen Lösungsstrategien entwickelt werden, die für beide Seiten vertretbar sind. Den Vorwurf, der sich aus Hinweisen auf den Faschismus und den Kommunismus ergibt, kann ich nicht nachvollziehen.
Avatar #645735
chinamed
am Freitag, 27. Juli 2012, 17:33

Die Patientenvertretung

hat sich zum Thema Zwangsbehandlung klar positioniert: Viele Patienten genehmigen die Zwangsbehandlung auch nicht nachträglich, wenn sie wieder bei besserer Gesundheit sind. Die Zwangsbehandlung verbietet sich bereit aus der faschistischen Vergangenheit Deutschlands, wo jeder Systemkritiker als krank definiert und zwangsbehandelt werden konnte. Das gleich galt im Kommunismus.
Das sollten die Kollegen der Psychiatrie bitte als erstes erninnern, wenn sie der Meinung sind, dass die Zwangsbehandlung zum angeblichen Wohle des Patienten erfolgt. Was in seinem Sinne ist, muss ihm selbst überlassen bleiben, auch wenn alle Psychiater das anders sehen sollten. Ansonsten hat mich arg gewundert, dass das System der Zwangsbehandlung so lange praktiziert werden konnte. Ich habe mich bereits vor vielen Jahren dagegen gewendet und betroffene Patienten unerstützt, soweit mir das möglich war. Auch ich weiß, dass diese Krankheiten oft nicht heilbar sind, mit Neuroleptika eben auch nicht. Das wissen die Patienten von ihren Leidensgenossen dann früher oder später auch. Dann fragen sie sich zu recht, ob mit der kurzzeitigen Besserung nicht eine langfristige Verschlechterung Ihrer Krankheit erkauft wird und lehnen die Zwangsbehandlung ab.
LNS

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