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Medizin

Aids-Kongress: Weitere „Heilungen“ von HIV-Infizierten

Freitag, 27. Juli 2012

IAS Steve Shapiro

Washington – Eine sehr frühe antiretrovirale Behandlung kann möglicherweise ebenso wie eine Stammzelltherapie die HIV-Infektion durchbrechen. Zum Abschluss des 19. Weltaidskonferenz in Washington wurden Einzelheiten zur französischen Visconti-Kohorte und zu zwei erfolgreichen Stammzelltherapien vorgestellt.

Der „Berlin Patient“, ein US-Amerikaner, der im Jahr 2000 wegen einer Leukämieerkrankung an der Berliner Charité eine Stammzelltherapie erhalten hatte, ist möglicherweise nicht der einzige Mensch, der langfristig von einer HIV-Infektion befreit wurde. Am Brigham and Women's Hospital in Boston sind nach Auskunft des dortigen Infektiologen Daniel Kuritzkes ebenfalls zwei Patienten ohne Virusnachweis.

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Ein Patient habe vor vier Jahren, der andere vor zwei Jahren eine Stammzelltherapie erhalten. Nach der Therapie hätten die aus den Stammzellen gebildeten CD4-Zellen die infizierten CD4-Zellen verdrängt. Bei beiden Patienten seien – trotz sorgfältigen Untersuchungen mit den neuesten Methoden – keine HI-Viren mehr im Körper nachweisbar. Auch die Antikörperkonzentrationen hätten abgenommen, ein Hinweis, dass das Immunsystem nicht mehr mit „frischen“ Viren konfrontiert wird.

Beide Patienten werden jedoch weiterhin mit antiretroviralen Medikamenten behandelt, so dass ein wichtiges Glied in der Beweiskette einer Heilung fehlt. Im Unterschied zu dem Berliner hatten die beiden Bostoner Patienten keine Stammzellen mit einer genetischen Resistenz (CCR5-Rezeptorstatus negativ) erhalten.

Die antiretrovirale Therapie, die auch während der kritischen Phase Stammzelltherapie fortgesetzt wurde, hat bei ihnen aber möglicherweise verhindert, dass die Infektion vom alten auf das neue Immunsystem übergreifen konnte. Die Mediziner kündigten an, dass sie in Kürze einen weiteren Patienten behandeln wollen. Für die überwiegende Zahl der HIV-Infizierten dürfte die Stammzelltherapie dennoch kein gangbarer Weg sein. Dazu ist die Therapie zu riskant im Vergleich zur lebenslangen Einnahme der heute gut verträglichen antiretroviralen Medikamente.

Bei der Visconti-Kohorte handelt es sich um 10 französische Patienten, die von der Agence Nationale de Recherche sur le Sida et les hépatites virales (ANRS) betreut werden. Bei den Patienten wurde die Infektion bereits in der akuten Phase der Erkrankung (innerhalb der ersten zehn Wochen nach Eintreten der Symptome einer akuten Virämie) entdeckt.

Die damals frühzeitige Therapie hat, so die derzeitige Hypothese, die Bildung eines HIV-Reservoirs weitgehend vermindert. Die Patienten haben die Therapie später abgesetzt und haben seit median mehr als sechs Jahren sehr geringe Viruskonzentrationen im Blut, wie sie auch bei den HIV-Controller auftreten. Dies sind Patienten, bei denen die Replikation aus genetischen Gründen sehr schwach ausgeprägt ist und nicht zur Immunschwäche fortschreitet.

Streng genommen handelt es sich aber auch bei der Visconti-Kohorte nicht um eine Heilung. Die positiven Erfahrungen sind aber neben den Erfolgen der Stammzelltherapie der wichtigste Grund für den vorherrschenden Optimismus der HIV-Experten. Er hatte zur Gründung der Global Scientific Strategy Towards an HIV Cure geführt, die für die Mehrheit den Wege zu einer Heilung der HIV-Infektion öffnen soll, der derzeit nur sehr wenigen Patienten offen steht. Wie immer bei wissenschaftlichen Projekten, ist nicht sicher, dass das Ziel auch erreicht wird. © rme/aerzteblatt.de

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