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Medizin

Neuer Therapieansatz für Retinitis pigmentosa

Montag, 30. Juli 2012

Tübingen – Eine neue Gentherapie könnte der Ansatz für eine Behandlung der Retinitis pigmentosa sein. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Stylianos Michalakis von der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Biologin Regine Mühlfriedel von der Augenklinik des Universitätsklinikums Tübingen in der Zeitschrift Human Molecular Genetics (doi: 10.1093/hmg/dds290).

Die Retinitis pigmentosa beginnt meist im Jugendalter mit Nachtblindheit. Im weiteren Krankheitsverlauf engt sich das Gesichtsfeld ein, oft werden die Betroffenen blind. Ursache ist die Degeneration der Fotorezeptoren der Netzhaut: zunächst der Stäbchen, die dem Sehen bei geringer Helligkeit dienen und anschließend der sehr licht­empfind­lichen Zapfen, die für die Farbwahrnehmung notwendig sind.

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„Die sogenannten CNG-Kationenkanäle in der Plasmamembran der Stäbchen spielen eine entscheidende Rolle für die Wahrnehmung von Licht“ erklärt Mühlfriedel. Aufgebaut sind die Kanäle aus vier Untereinheiten, eine davon ist das große Transmembranprotein CNGB1. Mäuse, bei denen das CNGB1-Gen deaktiviert wurde, zeigen einen ähnlichen Krankheitsverlauf wie menschliche Patienten und werden im Alter von etwa einem Jahr blind.

Durch den Einsatz sogenannter AAV-Gentransfervektoren gelang es den Wissen­schaft­lern, ein therapeutisches Gen in die Retina von Mäusen mit defektem CNGB1-Gen einzuschleusen. Das aktivierte die Produktion von CNGB1 und die Stäbchen reagierten wieder auf Lichtreize. „Besonders wichtig ist, dass das Gehirn der therapierten Mäuse die neuen Informationen auch korrekt verarbeitet, was wir mit einem Sehtest nachweisen konnten“, betont Michalakis.

Auch ein Jahr nach Therapiebeginn war der positive Effekt im behandelten Teil der Netzhaut noch deutlich nachzuweisen. „Die Ergebnisse der Münchener und Tübinger Gemeinschaftsarbeit sind daher ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Entwicklung und klinischen Anwendung einer Gentherapie degenerativer Netzhauterkrankungen auch beim Menschen“, hieß es aus den beiden Hochschulen. © hil/aerzteblatt.de

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