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Medizin

STIKO systematisiert Nachimpfungen

Montag, 30. Juli 2012

dapd

Berlin – Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Impfempfehlungen überarbeitet. Die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr sind minimal. Das Epidemiologische Bulletin 30/2012 enthält jedoch erstmals detaillierte Empfehlungen zu Nachimpfungen.

Veränderungen bei den Impfempfehlungen gibt es beim Schutz vor Meningokokken und Mumpsviren. Die Empfehlungen zur Meningokokken-Impfung konnten vereinfacht werden, da die bevorzugten 4-valenten Konjugatimpfstoffe inzwischen bereits ab dem Alter von 1 oder 2 Jahren zugelassen sind. Dadurch entfallen einige umständliche Empfehlungen für die Altersgruppen 2 bis 10 Jahre. Nur für Kinder, die bereits im ersten Lebensjahr einen Schutz benötigen, bleiben komplexe Empfehlungen notwendig.

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Beim Mumps zieht die STIKO die Konsequenzen aus den jüngsten Mumps-Epidemien an Grundschulen, bei denen überraschenderweise auch Lehrer und Eltern erkrankt waren. Für alle nach 1970 Geborenen mit unklarem Impfstatus oder unzureichender Impfung gibt es jetzt eine Empfehlung für alle Berufstätigen, die eventuell mit erkrankten Kindern zusammentreffen könnten. Außerdem wird allen Menschen mit Impflücken im Fall einer Epidemie zu einer sofortigen postexpositionellen Impfprophylaxe geraten, auch um der weiteren Ausbreitung einen Riegel vorzuschieben.

Für die Vielzahl von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit unvollständigem oder unbekanntem Impfstatus gibt es jetzt klare Pläne für Nachholimpfungen. Die Tabellen differenzieren nach dem Alter und dem Abstand zur vorangegangenen Impfdosis. Bei Impfungen mit mehreren Impfterminen zählt jede Impfdosis, solange der Mindestabstand eingehalten wurde.

So können auch für viele Jahre unterbrochene Grundimmunisierungen beispielsweise gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis oder Hepatitis B fortgesetzt werden. Die Impfserie muss nicht neu begonnen werden. Anders ist dies, wenn der empfohlene Mindestabstand (meist 6 Monate) unterschritten wurde. Dann sind zusätzliche Impfungen notwendig.

Viele Patienten wissen nicht, ob und wann sie das letzte Mal geimpft wurden. Für den Fall, dass kein Impfpass vorhanden ist oder vorherige Impfungen im Ausland erfolgten, wird im Zweifelsfall zum Nachimpfen geraten. Ein Risiko durch „Überimpfen“ sieht die STIKO nicht. Nur in Ausnahmefällen könne es nach wiederholter Gabe von Totimpfstoffen zu lokalen Unverträglichkeitsreaktion mit schmerzhafter Schwellung und Rötung der betroffenen Extremität kommen. Dieses Arthus-Phänomen sei aber selbstlimitiert.

Die STIKO rät häufig zur Verwendung von Kombinationsimpfstoffen. Diese seien zur Verringerung der notwendigen Injektionen auch dann sinnvoll, wenn einzelne Komponenten nicht erforderlich sind. Andererseits können Kombinationsimpfstoffe „nicht gefühlte“ Lücken schließen. Sie existieren bei vielen Erwachsenen beim Impfschutz gegen Diphtherie und Keuchhusten. Bei einer anstehenden Tetanus-Auffrischimpfung rät die STIKO deshalb zum Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis. Dies werde bei unfall- oder verletzungsbedingten Tetanus-Impfungen noch nicht ausreichend berücksichtigt, heißt es in der Pressemitteilung.

Die STIKO erinnert auch daran, dass nach 1970 geborene Erwachsene, die in der Kindheit nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft worden sind oder deren Impfstatus unbekannt ist, eine einmalige Masern-Impfung vorzugsweise mit einem Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff erhalten sollten.

Der Idee, einen fraglichen Impfschutz durch eine „serologische Titerbestimmung“ zu überprüfen, erteilt die STIKO eine Absage. Die Labortests würden hier häufig keine ausreichende Sensitivität und Spezifität aufweisen und für manche Krankheiten wie Pertussis gebe es gar keinen geeigneten Surrogatmarker.

Ausführliche Informationen hat das Robert Koch-Institut unter www.stiko.de, unter www.stiko.de/en gibt es ein ausführliches Informationsangebot in englischer Sprache. Der aktuelle Impfkalender kann in 15 Sprachen als ODF heruntergeladen werden. © rme/aerzteblatt.de

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