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Ärzteschaft

IGeL: Debatte um Verkaufsseminare

Montag, 30. Juli 2012

dpa

Berlin – Die politische Diskussion um Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) geht weiter. Die Bundesregierung prüft einem Bericht der Berliner Zeitung zufolge, ob sie Verkaufsseminare für Ärzte über eine nachgeordnete Behörde weiter fördern soll, wenn diese auch IGeL-Schulungen umfassen. Die Berliner Zeitung hatte berichtet, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle fördere auf der Grundlage von Richtlinien des Bundeswirtschaftsministeriums „unternehmerisches Know-How in kleinen und mittelständischen Unternehmen und den freien Berufen“. Den geltenden Regeln zufolge könnten auch Maßnahmen der Verkaufsoptimierung gefördert werden, deshalb auch Schulungen zum Verkauf von IGeL.  

Der Zeitungsartikel bezieht sich auf die Antwort auf eine Schriftliche Frage der gesundheitspolitischen Sprecherin von Bündnis 90/ Die Grünen im Bundestag, Birgitt Bender. Im Juni waren darin die Hintergründe der Förderung erläutert worden. Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Bernhard Heitzer, hatte darauf verwiesen, dass eine Förderung entsprechender Angebote „Ärzte nicht von ihren berufs- und sozialrechtlichen Pflichten gegenüber ihren Patientinnen und Patienten“ enthebe.

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Verstöße dagegen hätten die ärztlichen Körperschaften zu ahnden, die Überwachung dieser Aufgabe obliege den Aufsichtsbehörden der Länder. Ähnlich hatte vor kurzem das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen zu IGeL argumentiert.

Ein Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erklärte auf Anfrage, aus der Teilnahme an Verkaufsseminaren könne man nicht ohne weiteres schließen, dass im Anschluss vermehrt Individuelle Gesundheitsleistungen angeboten und abgerechnet würden. Die KBV appelliere zudem seit langem an Vertragsärztinnen und –ärzte, sorgfältig mit IGeL umzugehen. Er verwies in diesem Zusammenhang auf einen unlängst überarbeiteten IGeL-Ratgeber, der sowohl auf der Homepage der KBV wie auf der der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) herunterzuladen ist. Darin wird erläutert, was IGeL sind und worauf Patienten achten sollten.

Ärztinnen und Ärzte, die IGeL anbieten, könnten den Ratgeber ebenfalls als Leitfaden nutzen, betonte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery. Er trage mit dazu bei, bei Beratung und Aufklärung Missverständnisse zu vermeiden, und informiere über rechtliche Anforderungen.

Montgomery äußerte sich ablehnend zu den Verkaufstrainings: „Ärzte sind keine Kaufleute, und deshalb brauchen wir auch keine Verkaufsseminare für Individuelle Gesundheitsleistungen“, sagte er. „Alle wesentlichen Informationen für Patienten wie Ärzte sind in dem IGeL-Ratgeber von BÄK, KBV und zahlreichen weiteren Ärzteverbänden zusammengefasst und in Form von Checklisten aufbereitet.“

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, sagte den Zeitungen der WAZ-Gruppe vom Dienstag, die staatliche Förderung von Verkaufs­seminaren für Ärzte sei ein „völlig falsches Signal“. „So etwas belastet das Arzt-/Patienten­verhältnis unnötig", sagte Spahn. Auch Birgit Bender (Bündnis 90/ Die Grünen) forderte in der Berliner Zeitung vom Montag, derartige Verkaufsseminare von einer Förderung auszuschließen. Solche Beratungen unterstützten eine einseitige, tendenziöse „Aufklärung” der Patienten und zerstören das Arzt-Patient-Verhältnis.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) forderte die Bundesregierung ebenfalls auf, die Förderung von IGeL-Marketingseminaren umgehend einzustellen. „Wenn Ärzte Verkaufsstrategien trainieren, wie man Patienten unnötige medizinische Leistungen unterjubelt, belastet das das Vertrauensverhältnis zwischen Betroffenem und Helfer erheblich“, sagte der Vize-Vorstandschef des Verbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, der Saarbrücker Zeitung vom Dienstag.

Eine Sprecherin des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums betonte, die Patienten müssten umfassend informiert werden und auch wissen, dass sie die Kosten selbst tragen. Im neuen Patientenrechtegesetz, das im Herbst vom Bundesrat behandelt werden solle, sei eine weitere Stärkung der Informationsrechte vorgesehen. © Rie/dapd/aerzteblatt.de

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Avatar #104249
Senbuddy
am Dienstag, 31. Juli 2012, 17:13

Da wird so ein Zeug geredet....

...dass man sich über die Wortwahl nur wundern kann. Als ob Patienten grundsätzlich "unmündige" und vor "bösen Ärzten zu schützende" kleine Sensibelchen seien. Und als ob das Anbieten einer mal nicht gesetzlich vorgeschriebenen Leistung automatisch ein "Zerstören" (Bender) oder "Belasten" eines Vertrauensverhältnisses sei (Spahn).

So ist es aber nicht. Patienten sind mündige Bürger und als solche durchaus in der Lage, auch gut dargestellte Angebote abzulehnen. Patienten sind nicht so "unreif", wie derartige Politiker sie aus ideologischen oder populistischen Gründen immer wieder darstellen.

Ich meine, dass viel mehr Ärzte vertriebliche Seminare machen sollten. Vertrieb heißt nämlich vor allem, zuzuhören und auf Wünsche einzugehen. Und nicht "Unterjubeln" (laut Stackelberg). Das tun eher die GKVen bei ihrem halblegalen Verkauf privater Zusatztarife ohne Vermittlerzulassung. Bei mehr vertrieblicher Orientierung wäre manches Arzt-Patienten-Verhältnis bestimmt von mehr Verständnis geprägt (z.B. schon durch weniger lateinische Fachbegriffe...).

Bei derart schrägen Darstellungen von Politikern und Funktionären fragt man sich jedoch, wie Patienten ansonsten im übrigen Alltag so allein zurecht kommen sollten. Kann man es einem Bürger aus so einer Sicht überhaupt noch zumuten, selbst etwas zu kaufen ? Oder womöglich sogar eigene Lebensentscheidungen zu fällen ? Und das womöglich auch noch allein ? Oder müssen nach solchen Vorstellungen nicht alle Menschen grundsätzlich vor selbständigen Entscheidungen "geschützt" werden ? So kommt es einem bei diesen "Bevormundungs-Predigern" immer mehr vor.

Dahinter stehen anscheinend zwei Gleichungen: "Gesetzlich vorgeschrieben = gut und sozial" und "Privat = böse und unsozial". Von GKVen und Grünen erwartet man derartige Tendenzen sowieso (die SPD fehlte in diesem Artikel ausnahmsweise...). Dass aber ein CDU-Politiker wie der Herr Spahn mittlerweile auch "ins gleiche Horn" tutet, sieht stark nach populistischem Stimmenfang im "Lager der Staatsgläubigen" aus. Er meint wohl, das nötig zu haben...

Viele Grüße
S.
Avatar #1976
barabasch-riedel
am Dienstag, 31. Juli 2012, 09:15

Igel im Sommerloch der sauren Gurken

Aufgepasst KollegInnen - so, genau nach diesem Muster werden wir als VertragsärztInnen schlecht-geredet, moralisch-verschaukelt und ethisch zu Schmuddelkindern denunziert. So läuft "Gesundheitspolitik" medial ! Erkennen Sie das Muster - lernen Sie daraus - für Ihre eigene Gegenargumentation ! Es lohnt sich für jene Couleur von "Gesundheits"-Politkern ganz offenbar, sich jenes marginalen vertragsärztlichen Miniproblemes anzunehmen, das hier medial so breitgelatscht wird.
Wir in unserem Praxisalltag als Krankenkassenpflichtversicherte betreuende VertragsärztInnen in unserer allerbreitesten Mehrzahl können zwar nur den Kopf über solch "Gesundheits"-Politiker-Getöse schütteln angesichts der Bedeutungslosigkeit derer "großen" Sorgen über unser alltäglich ärztliches Verhalten - nicht ärgern, nur genau beobachten, welche Personen aus welchen Parteien sich auf unsere Kosten so wichtig machen und: eben diese nicht vergessen, ihr Namen merken und ihre Parteien und zu gegebener Zeit daran denken! Diese Menschen, die sich nicht unserer und unserer Patienten wahren Anliegen widmen sind nicht unsere Freunde, sie sind scheinheilige Propheten ! Cave !

Dr. Richard Barabasch
Avatar #98372
Thelber
am Montag, 30. Juli 2012, 23:10

Oh Ihr Heuchler alle in der Politik !

Einerseits sollen wir dazu verdienen, weil wir vom mageren Kassensalär nicht leben können, andererseits sollen wir unsere Leistungen unseren Patienten nicht anbieten dürfen.

Das fängt bei den diversen Anfragen von Lebensversicherungen an und hört bei Anfragen der Versorgungsämter noch lange nicht auf !! Anfragen von Gerichten werden gerne zu "Zeugenaussagen" abgewertet, obwohl unser meistens ärztlicher Sachverstand abgefragt wird. Naja - und unsere Standesvertreter reden geschwollen daher. Ipecac ist harmlos dagegen !!
LNS

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