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Medizin

Katarakt: Operation kann Hüftfraktur verhindern

Mittwoch, 1. August 2012

dpa

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Providence – Eine rechtzeitige Katarakt-Chirurgie kann ältere Menschen vor einem Sturz und einer Hüftfraktur bewahren. Dies zeigt eine Auswertung der Medicare-Daten im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 308: 493-501). Hüftfrakturen sind im Alter in der Regel die Folge eines Sturzes. Dem Sturz geht oft eine Gleichgewichtsstörung voraus, deren Ursache ein Augenleiden sein kann. Denn die Augen liefern dem Gehirn wichtige Informationen für den Gleichgewichtsinn.

Bei einem grauen Star fehlen sie, weil Sehschärfe und Tiefenwahrnehmung einge­schränkt sind. Patienten mit einem grauen Star leiden deshalb häufig unter Gleichge­wichtsstörungen. Augenärzte sind schon lange überzeugt, dass die rechtzeitige Implantation einer künstlichen Augenlinse einem Knochenbruch im Alter vorbeugen kann.

Ein Beweis durch eine randomisierte klinische Studie fehlt und dürfte wohl auch niemals unternommen werden. Doch eine Analyse der Medicare-Daten liefert jetzt überzeugende Argumente, auch wenn das Ausmaß der protektiven Wirkung eher bescheiden ausfiel.

Victoria Tseng von der Brown University in Providence/Rhode Island und Mitarbeiter haben die Daten von 1,1 Millionen Senioren ausgewertet, bei denen die Ärzte eine Katarakt diagnostiziert hatten. Aber nur etwa ein Drittel dieser Patienten waren operiert worden, obwohl der Eingriff heute ambulant und ohne großes Komplikationsrisiko auch bei multimorbiden Patienten möglich ist.

Nach den Berechnungen von Tseng sinkt im ersten Jahr nach der Kataraktoperation das relative Risiko auf eine Hüftfraktur um 16 Prozent. Da Hüftfraktur insgesamt selten waren, betrug die absolute Risikoreduktion nur etwa 0,20 Prozent. Das ergibt eine Number Needed to Treat von rund 500 Patienten, die sich einer Operation unterziehen müssen, um eine Hüftfraktur zu verhindern.

Diese Wert ist relativ ungünstig, stellt aber die Kosteneffektivität der Operation nicht infrage. Die Kosten für ein gewonnenes Lebensjahr in guter Lebensqualität betragen in den USA laut Tseng 2.023 US-Dollar für die Operation am ersten und 2.727 für die Operation am zweiten Auge.

Die protektive Wirkung der Operation steigt mit dem Schweregrad des grauen Star. Bei einer schweren Katarakt (anteriorer und posteriorer subkapsuläre Katarakt, totale oder reife/überreife Katarakt) sinkt das Risiko einer Hüftfraktur im ersten Jahr nach der Operation um relativ 23 Prozent.

Da der graue Star mit der Zeit fortschreitet, wurden die besten Ergebnisse bei den über 80-Jährigen Patienten erzielt. Die American Academy of Ophthalmology weist darauf hin, dass es keine Altersgrenze für die Operation gibt und dass eine Operation auch bei hochbetagten Patienten sinnvoll sein könne.

Bei der „jüngsten“ Altergruppe der 65 bis 70-Jährigen kam es nach der Operation überraschenderweise zu einem Anstieg der Hüftfrakturen. Dies könnte daran liegen, dass diese Patienten körperlich aktiver sind. Die nach der ersten Operation eingeschränkte räumliche Wahrnehmung könnte dann bei schnellen Bewegungen zu Fehlern führen. © rme/aerzteblatt.de

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