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Medizin

Ängste und Depressionen können das Leben verkürzen

Mittwoch, 1. August 2012

London – Menschen, die chronischen Stress nicht verarbeiten können, leben gefährlich. In einer prospek­tiven Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 345: e4933) waren bereits leichte mentale Störungen, die bei einem Viertel der Bevölkerung nachweisbar waren, mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert.

Seit den 90er Jahren lässt die englische Regierung jedes Jahr den Gesundheitszustand der Bevölkerung untersuchen. Eine Stichprobe von Einwohnern im Alter über 35 Jahre erhält Besuch von einem Interviewer, der in den Jahren 1994 und 2004 unter anderem den General Health Questionnaire ausfüllen ließ. Es handelt sich im einen Fragebogen zum allgemeinen Gesund­heits­zustand, der sich auch nach Ängsten, Depressio­nen, sozialen Problemen und Vertrauensverlusten erkundigt.

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Das Team um den Epidemiologe David Batty vom University College London verknüpfte die Angaben im General Health Questionnaire mit den Daten des National Health Service, das auch die Todesursachen registriert. Ergebnis: Menschen mit psycholo­gischem Dystress haben ein erhöhtes Sterberisiko. Gefährdet waren nicht nur die wenigen Personen, bei denen aufgrund der Angaben im Fragebogen vermutlich eine symptomatische oder hoch symptomatischen mentale Störung vorlag.

Dass ihr Sterberisiko um 37 und 67 Prozent erhöht war, überraschte Batty nicht, da Depressionen ein bekanntes Risiko für Suizide und Herzkreislauferkrankungen sind. Der Epidemiologe ermittelte jedoch auch für Personen mit subklinischen mentalen Störungen ein um 16 Prozent erhöhtes Sterberisiko. In diese Kategorie fiel ungefähr ein Viertel aller Befragten. Es handelt sich um Personen, die wegen ihrer Ängste und Depressionen in aller Regel keine ärztlich Hilfe in Anspruch nehmen.

Die meisten Todesfälle entfielen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Sterberisiko stieg hier je nach Schweregrad der mentalen Störungen um 25 bis 72 Prozent. Deutlich höher war das relative Risiko, durch „externe Ursachen“ um Leben zu kommen. Darunter fallen alle Arten von Unfälle, einschließlich Vergiftungen, ebenso Suizide, die ein bekanntes Risiko von mentalen Störungen sind.

Externe Todesursachen waren bei den Personen mit mentalen Störungen bis zu 3,2-fach häufiger. Bezogen auf die Gesamtzahl der Todesfälle sind sie jedoch von untergeord­neter Bedeutung.

Aufgrund der großen Anzahl von mehr als 68.000 Teilnehmern, waren die Assoziationen statistisch signifikant. Die „dosisabhängige“ Auswirkung der mentalen Störungen spricht für einen kausalen Zusammenhang, den die Studie aber nicht beweisen kann. Vorstellbar wäre auch eine reverse Kausalität: Es könnte sein, dass die mentalen Symptome nicht Ursache, sondern erste Symptome oder Folgen von chronischen Erkrankungen sind, die schließlich zum Tode führen. © rme/aerzteblatt.de

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