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Medizin

Alzheimer-Protein lindert multiple Sklerose im Mäusemodell

Donnerstag, 2. August 2012

Stanford – Ein Forscherteam aus Kalifor­nien hat eine überraschende Ent­deckung gemacht, die der Therapie­forschung bei der multiplen Sklerose eine unerwartete neue Richtung geben könnte: Die Injektion von Beta-Amyloid, dem Hauptbestandteil der Plaques beim Morbus Alzheimer, linderte bei Mäusen die Symptome einer Modell­krankheit für die multiple Sklerose.

In früheren Studien hatte Lawrence Steinman von der Stanford Universität – ein weltweit renommierter Wissenschaftler, der unter anderem an der Entwicklung von Natalizumab beteiligt war – Beta-Amyloide in den Läsionen der multiplen Sklerose entdeckt. Aus wissen­schaftlicher Neugierde injizierte er die Proteinschnipsel Mäusen, die an der experi­mentellen autoimmunen Enzephalomyelitis (EAE) erkrankt waren, einem Tiermodell der multiplen Sklerose.

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Statt der erwarteten Verschlechterung der EAE erholten sich die Tiere teilweise von den Lähmungen und anderen Symptomen der EAE. Laut Steinman konnten diese Ergeb­nisse an weiteren EAE-Modellen reproduziert werden. Durch den Transfer der T-Zellen konnte die Wirkung von therapierten Mäusen auf andere Tiere übertragen werden, die nicht selbst mit Beta-Amyloiden exponiert wurden.

Steinman führt die Wirkung deshalb auf eine Immunmodulation zurück, die durch die Exposition mit Beta-Amyloid ausgelöst wurde. Weitere Untersuchungen ergaben, dass es im peripheren Blut zu einem Abfall der B-Zellen kommt, die für die Bildung von Antikörpern zuständig sind. Die Zahl anderer Immunzellen, darunter Gedächtniszellen, war dagegen erhöht. Im Ergebnis hatte dies eine verminderte Aktivität jener proinflammatorischen Zytokine und Chemokine zur Folge, die im Gehirn am Angriff auf die Myelinscheiden beteiligt sind.

Interessant waren auch die Experimente an Mäusen, denen die Gene für die Amyloid-Produktion fehlten. Bei diesen Tieren kam es nach der Induktion der EAE zu einem besonders schweren Krankheitsverlauf.

Steinmann hält es für möglich, dass eine „Immuntherapie“ mit Beta-Amyloiden auch bei Patienten mit multipler Sklerose wirksam sein könnte. Hier dürfte es allerdings zuerst zu weiteren tierexperimentellen Studien kommt. Der Wirkungsmechanismus liegt völlig im Dunkeln. Laut Steinmann ist auch über die natürliche Funktion der Beta-Amyloide wenig bekannt. Sie werden nicht nur in Hirnzellen, sondern auch in anderen Körperzellen exprimiert. © rme/aerzteblatt.de

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