NewsMedizinKoffein verbessert Motorik bei Morbus Parkinson
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Koffein verbessert Motorik bei Morbus Parkinson

Donnerstag, 2. August 2012

Montreal – Das in Kaffee, Tee und vielen Softdrinks enthaltene Koffein kann bei Patienten mit Morbus Parkinson offenbar die motorischen Symptome lindern. Dies ergab eine randomisierte Studie in Neurology (2012, doi: 10.1212/WNL.0b013e318263570d).

Koffein ist ein nicht selektiver Antagonist am Adenosin2A-Rezeptor, der im Gehirn im Striatum exprimiert wird. Er hat dort eine gegenteilige Wirkung wie Dopamin. Schon in den 70er Jahren wurde untersucht, ob Koffein die Wirkung von L-Dopa verstärken kann. In der hohen Dosierung von etwa 1.100 mg/die (entsprechend etwa 8 Bechern Kaffen am Tag) kam es in einer klinischen Studie jedoch zu einer Verstärkung der Dyskinesien.

Danach geriet die Therapie in Vergessenheit. Das Interesse ist in den letzten Jahren wieder erwacht, weil derzeit mehrere selektive Adenosin2A-Rezeptor-Antagonisten (Istradefyllin, Preladenant und Tozadenant) als Parkinsonmedikamente in der klinischen Entwicklung sind.

Anzeige

Ronald Postuma von der McGill Universität in Montreal hat nach langer Zeit erstmals wieder eine klinische Studie zur Wirkung von Koffein beim Morbus Parkinson durchgeführt. Im Auge hatte er allerdings weniger die motorischen Symptome als die starke Müdigkeit, unter der viele Patienten leiden.

Die Teilnehmer der Studie hatten mindestens 10 von 18 Punkten auf der Epworth Sleepiness Scale angegeben, und Postuma hatte gehofft, dass die Therapie mit 2 mal 100 mg/die Koffein in den ersten drei Wochen und danach der doppelten Tagesdosis die Müdigkeit besiegen könnte. Die Ergebnisse waren in diesem Punkt jedoch enttäuschend. In der Intention-To-Treat-Analyse kam es gegenüber Placebo nur zu einem nicht signifikanten Rückgang um 1,71 Punkte auf der Epworth-Skala.

Erfolgreicher war die Therapie bei den motorischen Symptomen. Die Unified Parkinson’s Disease Rating Scale besserte sich um fast 5 Punkte, was vor allem auf eine Linderung der motorischen Symptome zurückzuführen war. Koffein besserte vor allem die Bradykinesie und die Rigidität, während eine Verstärkung von Tremor oder Dyskinesie ausblieb.

Auch wenn die Wirkung insgesamt gering war, könnte Koffein doch ein günstiges und sicheres Mittel in der Behandlung des Morbus Parkinson sein, meint der Editorialist Michael Schwarzschild vom Massachusetts General Hospital in Boston, der sich eine stärkere Wirkung von den selektiveren Adenosin2A-Rezeptor-Antgonisten erhofft. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. Dezember 2018
New Brunswick/New Jersey – Die Kombination aus Koffein mit einem weiteren Bestandteil des öligen Kaffeeextrakts hat in 2 Mäusemodellen des Morbus Parkinson die Ablagerung von Alpha-Synuclein
Warum Kaffeetrinker seltener an Morbus Parkinson erkranken
1. November 2018
Grand Rapids – Eine Entfernung des Blinddarms könnte das Risiko, an Parkinson zu erkranken, senken. So lautet die Hypothese, die Forscher aus einer schwedischen Registerstudie mit Daten von etwa 1,6
Blinddarm könnte die Entstehung von Parkinson beeinflussen
1. Oktober 2018
Dresden/Meissen - Eine neue sektorenübergreifendende Versorgungsstruktur für Parkinson-Patienten haben Neurologen des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden um Kai Loewenbrück von der Klinik
Neues Parkinsonnetzwerk in Ostsachsen
10. August 2018
Pittsburgh – Neue Forschungen haben ergeben, dass ein Gen, von dem bisher angenommen wurde, dass es nur einen kleinen Prozentsatz der Parkinson-Krankheitsfälle betrifft, deutlich bedeutsamer ist.
Parkinson-Gen betrifft mehr Menschen als gedacht
23. Juli 2018
Erlangen/Nürnberg – Bei der Parkinsonerkrankung greifen bestimmte T-Zellen dopaminproduzierende Nervenzellen des Mittelhirns an und töten diese ab. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um die
Aggressive T-Zellen können Parkinson verstärken
3. Juli 2018
Bethesda – Eine Analyse der UK Biobank zeigt, dass Kaffeetrinker ein geringeres Sterberisiko haben. Die Publikation in JAMA Internal Medicine (2018: doi: 10.1001/jamainternmed.2018.2425) deutet auf
Kaffeetrinker leben länger
29. Juni 2018
Lissabon – Eine Tiefe Hirnstimulation (THS) im Bereich des Subthalamus reduziert das Sturzrisiko und verzögert das Auftreten von Psychosen bei Parkinson-Patienten. Zu diesem Schluss kommt eine
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER