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Medizin

Amazonas-Bewohner gegen Tollwut resistent

Donnerstag, 2. August 2012

Atlanta – Ganz entgegen dem derzeitigen Wissensstand scheint es Menschen zu geben, die eine Tollwut auch ohne Notfallimpfung überleben. In zwei entlegenen Dörfern im Amazonas stießen Wissenschaftler der US Centers for Disease Control and Prevention auf mehrere Menschen, die Antikörper gegen Lyssa-Viren im Blut haben, sich aber laut der Studie im American Journal of Tropical Medicine and Hygiene (2012; 87: 206-215) an keine Erkrankung erinnern können.

Die Tollwut gilt als die gefährlichste Virusinfektion überhaupt. Ohne eine rechtzeitige Postexpositionsprophylaxe verläuft die Infektion unaufhaltsam tödlich. Mediziner aus Deutschland mussten dies zuletzt 2004 erfahren, als drei Empfänger infizierter Organe trotz aller intensivmedizinischen Bemühungen verstarben. Die Fälle von Menschen, die eine Tollwut überlebt haben, lassen sich in der medizinischen Literatur an einer Hand ablesen.

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Umso überraschter waren Amy Gilbert vom National Center for Emerging and Zoonotic Infectious Diseases der CDC in Atlanta und Mitarbeiter, als sie bei sieben Einwohnern der Ortschaften Truenococha und Santa Marta im peruanischen Urwald neutralisierende Antikörper gegen Lyssa-Viren im Blut fanden. Nur einer konnte sich an eine Impfung erinnern, die ebenfalls diese Antikörper erzeugen können. Da nur bei 63 Dorfbewohnern Blutproben entnommen wurden, könnte dies bedeuten, dass jeder zehnte resistent gegen die Tollwut ist.

Der Grund für die Resistenz ist völlig unklar. In Peru wird die Tollwut vor allem von Fledermäusen übertragen. Sechs der sieben Bewohner mit positivem Antikörper­nachweis konnten sich an Bisse von Fledermäusen erinnern, die in den Dörfern auch häufig die Tiere und Haustiere anfallen. Viele Fledermäuse sind mit Tollwutviren infiziert. Es sind derzeit 12 Virusspezies bekannt. Bei allen verläuft die Infektion tödlich. Gilbert hält es für möglich, dass weitere Spezies existieren, die möglicherweise keine oder nur milde Erkrankungen auslösen. © rme/aerzteblatt.de

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