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Medizin

Ulcus cruris: Hautzellen-Spray beschleunigt Abheilung

Freitag, 3. August 2012

Miami – Eine US-Firma hat ein Spray mit allogenen Keratinozyten und Fibroblasten entwickelt, das die Heilung von venösen Ulzera beschleunigen soll. In einer rando­misierten Doppelblindstudie im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-6736(12)­60644-8) konnte die Heilungsrate nach 12 Wochen verbessert werden.

Venöse Ulzera haben eine schlechte Heilungstendenz. Auch unter optimaler Kompressionsbehandlung leiden nach 3 Monaten noch 30 bis 70 Prozent der Patienten unter „offenen“ Beinen. Eine Option bei schwer heilenden Wunden ist eine autologe Hauttransplantation, die jedoch eine Narbe an der Entnahmestelle hinterlässt, ohne dass ein Erfolg garantiert ist.

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Seit längerem ist bekannt, dass auch Transplantate aus allogenen Keratinozyten die Wundheilung beschleunigen. Die transplantierten Zellen gehen zwar zugrunde, doch die freigesetzten Zytokine stimulieren die körpereigene Wundheilung. Um die Therapie zu vereinfachen, hat die Firma Healthpoint Biotherapeutics aus Fort Worth in Texas jetzt ein Spray entwickelt. Es besteht aus zwei Komponenten. Zunächst wird Fibrinogen auf die Wunde gesprüht. Danach folgt eine Suspension aus im Labor kultivierten Keratinozyten und Fibroblasten. Ausgangsmaterial ist übrigens das Präputium von Neugeborenen.

Ob das Hautzellen-Spray die Wundheilung beschleunigen kann, wurde an 28 Zentren in Nordamerika untersucht. 228 erwachsene Patienten, die seit 6 bis 104 Wochen an einem 2 bis 12 cm2 großen Ulcus cruris venosum litten, wurden in einer Phase-IIb-Studie auf fünf Studienarme randomisiert. Getestet wurden zwei unterschiedliche Dosierungen in jeweils zwei Applikationsintervallen.

Das Placebo-Spray enthielt nur Fibrinogen, aber keine Zellen. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der Wundgröße nach 12 Wochen. Die beste Wirkung wurde laut Robert Kirsner von der Universität Miami mit einem Spray erzielt, dass pro Milliliter 500.000 Zellen enthält und alle 14 Tage angewendet wurde. Die Wundfläche verringerte sich um 16 Prozent mehr als unter dem Vehikelspray. Eindrücklicher und klinisch relevanter war der Anteil der Patienten, bei denen das Ulkus innerhalb von 12 Wochen abheilte. Dies gelang mit dem besten Spray in 70 Prozent der Fälle gegenüber 46 Prozent nach Anwendung des Vehikels.

Das Hautzellen-Spray kann demnach eine schnelle Abheilung nicht garantieren, doch die Beschleunigung der Heilung könnte ihm einen Stellenwert in der Behandlung von schwer heilenden Ulzera einräumen. Der Editorialist Matthias Augustin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ahnt wohl, dass das Spray, so es auf den Markt kommt, nicht ganz billig werden wird.

Da sich die Behandlungskosten derzeit auf bis zu 10.000 Euro pro Patient summieren, sieht der Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen jedoch durchaus Einsparungspotenziale durch ein Mittel, dass die Behandlungszeiten verkürzt. © rme/aerzteblatt.de

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