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Medizin

Neue Genorte für Lippen-Kiefer-Gaumen­spalte

Montag, 6. August 2012

Bonn – Die meisten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sind vermutlich angeboren. Eine genomweite Assoziationsstudie in Nature Genetics (2012; doi: 10.1038/ng.2360) identifizierte sechs neue Genorte, an deren sich die auslösenden Mutationen befinden könnten.

Mit einer Inzidenz von 1:700 gehören Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen beim Menschen. Sie sind die Folge verschiedener Verschlussstörungen in der Frühschwangerschaft. Exogene Ursachen wie Rauchen in der Schwangerschaft sind bekannt, die Experten gehen jedoch davon aus, dass die meisten Spaltbildungen genetische Ursachen haben. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sind deshalb frühzeitig zu einem Gegenstand von genomweiten Assoziationsstudien geworden. Sie fahnden im Erbgut nach Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP), in denen sich die Betroffenen von Menschen ohne diese Fehlbildung unterscheiden.

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In vier früheren Studien wurden bereits 5 SNP entdeckt. Ein sechstes Risiko-Gen war schon aus früheren Zeiten bekannt. Alle sechs Gene wurden jetzt in einer Meta-Analyse bestätigt, in der Kerstin Ludwig vom Institut für Genetische Medizin in Bonn die Daten einer US-Studie und der hiesigen Universität zusammenfasste.

Durch den Abgleich von knapp 500.000 Erbgutabschnitten konnten sechs weitere SNP gefunden werden. Darunter war erstmals ein SNP, das spezifisch für Spaltenbildungen in Lippe und Gaumen assoziiert war, nicht aber mit isolierten Spaltbildungen. Homozygote Träger haben bei diesem Risikogen ein 2,41-fach erhöhtes Risiko auf eine Spaltenbildung. Gemessen an den Ergebnissen von genom-weiten Assoziationsstudien aus anderen Gebieten ist das ein recht hoher Wert.

Die Forscher sind aber noch weit davon entfernt, alle genetischen Risiken zu kennen. Weitgehend unerforscht ist auch, wie die Risikogene die Entstehung von Spaltbildungen begünstigen. Die SNP sind nur das Ergebnis einer statistischen Analyse. Ob sie selbst den Genort markieren oder sich nur in seiner Nähe befinden, ist ebenso unklar, wie noch völlig im Dunklen liegt, wie das betroffene Gen in die Pathogenese eingreift. © rme/aerzteblatt.de

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