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Medizin

Lippenkrebs durch Hochdruckmedikamente

Dienstag, 7. August 2012

Oakland – Hellhäutige Hypertoniker sollten im Sommer im Freien einen Hut tragen und Lichtschutz auftragen. Einige häufig eingesetzte Antihypertensiva haben nämlich photosensibilisierende Eigenschaften, die nach einer Beobachtungsstudie in den Archives of Internal Medicine (2012; doi: 10.1001/archinternmed.2012.2754) unter intensiver Sonneneinwirkung Lippenkrebs (und möglicherweise noch andere) Hauttumoren auslösen können.

Zu den photosensibilisierenden Antihypertensiva gehören die Diuretika Hydrochlorothiazid und Triamteren sowie einige ACE-Hemmer und der Kalziumantagonist Nifedipin. Die Fachinformationen weisen auf das Risiko hin, die Warnungen richten sich in der Regel jedoch an Personen mit empfindlicher Haut, bei denen es zu einem „photoallergischen“ Hautausschlag kommen könne.

Die photosensibilisierende Eigenschaft beruht in der Regel darauf, dass Lichtstrahlen Elektronen aus den Wirkstoffmolekülen freisetzen, die dann die Bildung von Sauerstoffradikalen begünstigen. Diese können dann die DNA der Zellen schädigen. Eine Folge ist eine Entzündung der Haut, beispielsweise ein „photoallergischer“ Hautausschlag. Möglich ist jedoch auch die Induktion von Hautkrebs.

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Nachdem Gary Friedman vom Forschungszentrum der Krankenkasse Kaiser Permanente in Oakland in einer früheren Studie bereits eine Assoziation von Hydrochlorothiazid und Nifedipin mit Lippenkrebs gefunden hatte, entschloss sich der Emeritus jetzt zu einer Analyse aller Antihypertensiva mit photosensibilisierenden Eigenschaften.

Lippenkrebs ist auch in Kalifornien ein relativ seltenes Karzinom. Er tritt meistens bei hellhäutigen Menschen europäischer Herkunft auf. Afroamerikaner und Menschen lateinamerikanischer Herkunft erkranken sehr selten. Von den 798 Fällen in den Akten der Krankenkasse, die nicht an HIV-infiziert waren und kein Organtransplantat erhalten hatten (zwei weitere Risikofaktoren für Hautkrebs) waren 712 europäischer Herkunft.

Der Abgleich der Rezeptierungen von Antihypertensiva mit den Daten der Krebsregister ergab, dass die Einnahme von Hydrochlorothiazid über einen Zeitraum von mehr als 5 Jahren mit einer 4,22-fach erhöhten Rate von Lippenkrebs assoziiert. Für die Kombination aus Hydrochlorothiazid mit Triamteren wurde ein 2,82-fach erhöhtes Risiko gefunden, Nifedipin erhöhte das Risiko um den Faktor 2,90 und Lisinopril um (nicht-signifikante) 42 Prozent. Ein erhöhtes Risiko für den Betablocker Atenolol, der selbst keine photosensibilisierende Wirkung hat, wurde später auf die gleichzeitige Einnahme anderer Antihypertensiva zurückgeführt.

Da Lippenkrebs auch durch Rauchen (Pfeife) ausgelöst wird, musste Friedman dies als Begleitfaktor berücksichtigen. Die Assoziation mit Lippenkrebs blieb in den Multivariat-Analysen bestehen. Eine weitere Untersuchung zeigt, dass das Risiko mit der Dauer der Medikamenteneinnahme zunimmt.

Die sehr niedrige Inzidenz – 0,7/100.000 Personenjahre im US-Krebsregister SEER – bedeutet, dass trotz der beachtlichen relativen Risiken die absolute Gefahr für den Einzelnen, aufgrund der Einnahme von Antihypertensiva an einem Lippenkarzinom zu erkranken, verschwindend gering ist. Das Risiko Lippenkrebs ist deshalb kein Grund auf die Einnahme der betroffenen Antihypertensiva zu verzichten, betont Friedman.

Das Risiko sei jedoch ein weiterer Grund, die für hellhäutige Menschen ohnehin empfohlenen Maßnahmen zum Hautschutz einzuhalten: Ein Sonnenhut und die Anwendung von Lichtschutzfaktoren könnte einen Hautkrebs verhindern. Dass Friedman lediglich eine Assoziation mit dem Lippenkrebs, nicht aber mit den sehr viel häufigeren Spinaliomen und Basaliomen fand, hängt möglicherweise damit zusammen, dass die befragten Krebsregister diese Tumoren nicht erfassen. © rme/aerzteblatt.de

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