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Medizin

Krebsscreening: Neue Trends in Inzidenz und Mortalität

Dienstag, 7. August 2012

Berlin – Für fünf Krebserkrankungen bieten die Krankenkassen in Deutschland eine kostenfreie Früherkennung an. Beim Zervixkarzinom hat dies nachweislich zu einer Reduktion von Inzidenz und Mortalität geführt. Auch die Sterbefälle an Darmkrebs sinken, während es beim Prostatakarzinom und vorerst auch beim Mammakarzinom und dem Melanom nur zu einem Anstieg der Diagnosen gekommen ist, wie aus einem Beitrag im GBE Kompakt (2012; 4: 1-10) hervorgeht.

Die älteste Krebsvorsorge in Deutschland ist der PAP-Abstrich auf Vorstufen des Zervixkarzinoms. Er wurde bereits in den 1970er-Jahren eingeführt und wird allgemein als Erfolg bewertet. Die Mehrzahl der jungen Frauen nimmt am Screening teil, und Inzidenz und Mortalität am Zervixkarzinom sind in Deutschland gesunken. In den letzten Jahren hat sich der Rückgang jedoch deutlich verlangsamt, berichten Klaus Kraywinkel und Mitarbeiter vom Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut in Berlin.

Seit etwa 2003 seien Inzidenz und Sterberate weitgehend stabil – auf einem niedrigen Niveau allerdings. Die Akzeptanz des Screenings ist sehr hoch: Nach einer Untersuchung des Zentralinstituts der Kassenärztlichen Versorgung nahmen 2002/4 in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen 81,1 Prozent am Screening teil. Mit zunehmendem Alter sinkt die Inanspruchnahme.

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Bei den über 70-Jährigen liegt sie bei unter 50 Prozent. In dieser Altersgruppe ist die altersspezifische Mortalität am Zervixkarzinom in Deutschland am höchsten. Derzeit wird im Rahmen des Nationalen Krebsplans über eine Weiterentwicklung des Screenings nachgedacht. Eine Abschaffung steht auch nach der Einführung der HPV-Impfung im März 2007 (STIKO-Empfehlung) nicht zur Diskussion, da die Impfung keinen vollständigen Schutz bietet und einige onkogene Varianten gar nicht erfasst.

Das Mammographie-Screening wurde in den Bundesländern zwischen 2005 und 2008 eingeführt. Laut Kraywinkel ist es die erste Früherkennung mit einem Programm-Charakter: Frauen zwischen 50 und 69 Jahren erhalten alle zwei Jahre eine schriftliche Einladung. Zwischen 50 und 55 Prozent folgen ihr. Eine erste Auswirkung ist ein Anstieg der Diagnosen um 16 Prozent bei den 50- bis 59-Jährigen und um 31 Prozent bei den 60- bis 69-Jährigen.

Die Früherkennung hat laut Kraywinkel dazu geführt, dass mehr T1-Tumoren entdeckt werden. Die T2- und T3-Tumoren seien derzeit stabil, bei den T4-Tumoren habe sich der leichte Rückgang der Vorjahre fortgesetzt. Als Grund vermutet Kraywinkel ein „graues“ Screenings: Viele Frauen seien aufgrund unklarer Tastbefunde oder wegen einer familiären Belastung vorsorglich mammografiert worden. Eine Auswirkung des Screening-Programms auf die Mortalität ist noch nicht erkennbar, wobei zu bedenken ist, dass die Zahlenreihe 2008 endet.

Bereits seit 1977 bietet die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung eine Darmkrebsfrüh­erkennung an: Alle Erwachsenen ab 50 Jahren können seither jährlich einen Test auf okkultes Blut im Stuhl durchführen lassen. Seit 2002 steht Versicherten ab 55 Jahren die Option auf eine Koloskopie (im Intervall von zehn Jahren) offen, deren Effektivität als höher eingestuft wird. Allgemein wird eine geringe Bereitschaft zum Screening beklagt.

In einer telefonischen Umfrage des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2010 (Gesundheit in Deutschland aktuell, GEDA) gaben jedoch 58,1 Prozent an, dass bei ihnen bereits einmal eine Koloskopie durchgeführt wurde, wobei alle Darmspiegelungen gezählt wurden, auch jene, die aus anderen, „kurativen“ Gründen durchgeführt wurden. Auswirkungen des Screenings auf Inzidenz und Mortalität in Deutschland sind aus den von Kraywinkel vorgestellten Daten nicht erkennbar, auch wenn die absolute Zahl der Neuerkrankungen bei Männern zugenommen hat.

Bei Frauen ist sie leicht rückläufig. Die Sterberate ist in den letzten zehn Jahren bei beiden Geschlechtern um mehr als 20 Prozent gesunken. Darmkrebs gehört in Deutschland laut Kraywinkel zu den Krebserkrankungen mit mittlerer Prognose: Fünf Jahre nach Diagnosestellung lebe noch etwa die Hälfte der Erkrankten.

Auch beim Prostatakarzinom gibt es ein Früherkennungsangebot der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen. Ab dem Alter von 45 Jahren können Männer einmal jährlich eine digital-rektale Untersuchung durchführen lassen. Das PSA-Screening ist dagegen in Deutschland eine individuelle Gesundheitsleistung (IGel).

In einer Befragung aus dem Jahr 2004 hatten zwei Drittel der Männer schon einmal eine digital-rektale Untersuchung durchführen lassen, knapp die Hälfte in Kombination mit dem PSA-Test. Die altersstandardisierte Sterbe- rate hat sich kaum verändert. Eine mögliche Folge des PSA-Screenings ist, dass die Karzinome früher entdeckt werden: Das mittlere Erkrankungsalter ist von 73 auf 70 Jahre gesunken.

Seit Mitte 2008 haben alle gesetzlich Versicherte ab dem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine ärztliche Inspektion der Haut. Die Folge war bereits im ersten Jahr ein sprunghafter Anstieg der Inzidenz am malignen Melanom. Ob dies zu einem Rückgang der Sterberate führt, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Auch ohne Screening sind die 5-Jahres-Überlebensraten bei Frauen mit 91 Prozent und bei Männer mit 87 Prozent bereits heute sehr hoch. Die meisten Melanome werden auch ohne Screening rechtzeitig entdeckt. © rme/aerzteblatt.de

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