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Ärzteschaft

Köhler warnt vor Sparkurs in der ambulanten Versorgung

Mittwoch, 8. August 2012

Andreas Köhler

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) befürchtet, dass die Kranken­kassen im nächsten Jahr deutlich weniger Geld für die ambulante Versorgung ihrer Versicherten zur Verfügung stellen wollen. „Das ist in der gegenwärtigen Situation absolut unverständlich. Ein rigider Sparkurs ist nicht nur verantwortungslos gegenüber den Patienten, sondern steht auch im Widerspruch zum Gesetz“, erklärte Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der KBV, am Mittwoch in Berlin.

Kassenärztliche Bundesvereinigung und Krankenkassen verhandeln derzeit im Bewertungsausschuss über Veränderungen des Gesamthonorars für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte im nächsten Jahr. Dabei geht es nach Angaben der KBV auch darum, was die einzelnen Untersuchungen und Behandlungen in Zukunft kosten dürfen.

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Bis zum 31. August muss unter anderem eine Einigung über den sogenannten Orientierungswert erzielt sein. Er ist die Basis für die Preiskomponente bei der Vergütung der vertragsärztlichen Leistungen. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass bei der Anpassung des Orientierungswerts „relevante Investitions- und Betriebskosten“ von Arztpraxen zu berücksichtigen sind, ebenso aber „Möglichkeiten zur Ausschöpfung von Wirtschaftlichkeitsreserven“ sowie „die allgemeine Kostendegression bei Fallzahlsteigerungen“. In den Jahren 2011 und 2012 hatte der Gesetzgeber die möglichen Honorarsteigerungen auf 1,25 Prozent pro Jahr begrenzt.

Die KBV fordert nun einen seit 2008 angefallenen Inflationsausgleich von 3,5 Milliarden Euro. „Dieser Betrag ist notwendig, allein um die gestiegenen Betriebskosten und die Inflation seit 2008 auszugleichen“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende unter Verweis auf die aktuelle Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland, den Jahresbericht 2010 des ZI-Praxis-Panels.

Diese Längsschnittstudie zur wirtschaftlichen Lage in den Praxen belege, dass diese im Schnitt 92 000 Euro Überschuss erreichten. Der Honorarordnung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten liege aber die Annahme zugrunde, dass 105 572 Euro als angemessener Praxisüberschuss gelten. Das hat der Bewertungsausschuss bei der Bewertung der Leistungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab für 2008 angenommen. „Es fehlen damit 13 Prozent an der Vergütung“, sagte Köhler und warnte: „Durch die stetig steigenden Betriebskosten und die Inflation ist es bereits zu einem Investitionsstau von zwei Milliarden Euro im Jahr 2010 gekommen.“

Der KBV-Vorstandsvorsitzende ergänzte: „Der Gesetzgeber schreibt außerdem vor, dass sich die Vergütung der Vertragsärzte und -psychotherapeuten ab dem Jahr 2013 der Entwicklung der Morbidität anpassen muss. Tatsächlich werden in unserer Gesellschaft die Menschen immer älter und leiden immer mehr an langwierigeren und in der Behandlung teureren Erkrankungen wie Diabetes oder Demenz.“ Er wies darauf hin, dass gerade auf dem Land die Versorgung gefährdet sei.

„Patienten müssen immer weitere Wege zu ihrem nächsten Arzt zurücklegen. Für junge Mediziner sind solche Forderungen der Kassen ein verheerendes Signal, womit sie umso mehr von einer Niederlassung in ländlichen Regionen zurückschrecken“, kritisierte Köhler. Von den Kassen forderte er daher, sich ihrer Verantwortung zu stellen und die notwendigen Mittel für die Versorgung der Versicherten bereitzustellen. Ihr Dachverband, der GKV-Spitzenverband Bund, will am Donnerstag seine Position erläutern. Untermauern wird er sie mit einem Gutachten des Forschungsinstituts Prognos. Damit soll dargestellt werden, wie sich „der Aufwand für die Versorgung der gesetzlich Versicherten in den letzten Jahren im Verhältnis zu der Vergütung dieser Leistungen entwickelt hat“, so die Ankündigung.

Forderungen nach umfangreicheren Honorarsteigerungen hatte Johann-Magnus von Stackelberg bereits Anfang Juni eine Absage erteilt. Vor Journalisten hatte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands Bund damals erklärt, Forderungen von drei bis vier Milliarden Euro zusätzlich halte er für „überzogen“. Begründen ließen sich allenfalls rund 600 Millionen Euro mehr und eventuell zusätzlich Zuschläge auf Landesebene. © Rie/aerzteblatt.de

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