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Ausland

USA reinigen Böden von dioxinhaltigem Agent Orange

Donnerstag, 9. August 2012

Vier amerikanische Flugzeuge vom Typ C 123 versprühen im September 1965 Baumentlaubungsmittel über dem südvietnamesischen Dschungel nahe Tan Son Nhut /dpa

Danang – Kinder mit schweren Fehlbildungen und an Krebs erkrankte Großeltern sind zentrale Bestandteile der Krankheitsgeschichten, die Familien in der Nähe des ehema­ligen US-Militärstützpunkts im vietnamesischen Danang erzählen. Fast 40 Jahre nach dem Ende des Vietnamkriegs begannen die USA zusammen mit den vietname­sischen Behörden heute damit, die Gegend von dem hochgiftigen Entlaubungsmittel Agent Orange zu reinigen. Opfer machen die dioxinhaltige Chemikalie, die von der US-Armee während des Kriegs in den 1970er Jahren breitflächig versprüht wurde, für ihre Erkrankungen verantwortlich.

„Während des Kriegs lebten wir an der Startbahn, in manchen Nächten mussten wir unsere Münder zuhalten, weil es so stark roch“, erinnert sich die 78-jährige Anwohnerin Nguyen Thi Binh. Drei ihrer fünf Kinder sind stark körperlich oder geistig behindert. Jahrelang glaubte Binh, dies sei die Strafe für in einem früheren Leben begangene Sünden. Doch nun macht sie das Dioxin dafür verantwortlich, dem sie und ihr Mann damals durch das Agent Orange ausgesetzt waren.

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Die USA bezeichnen den Zusammenhang zwischen dem Dioxin und den Krankheitsfällen rund um die ehemalige Basis Danang als „nicht sicher“. US-Botschafter David Shear sagte zu Beginn der Entgiftungsaktion: „Wir sind der geschädigten vietnamesischen Bevölkerung verpflichtet, ungeachtet der Ursache.“ Die Reinigung, bei der der Boden hohen Temperaturen ausgesetzt wird, um das Dioxin aufzubrechen, sei ein „historischer Meilenstein“.

Die USA arbeiten bei dem 43 Millionen Dollar (knapp 35 Millionen Euro) teuren Projekt Seite an Seite mit den einstigen vietnamesischen Erzfeinden. Nach Danang solle der Stützpunkt Bien Hoa gesäubert werden, kündigte Shear an. Daneben gibt es noch einen dritten Dioxinherd, die Basis Phu Cat. In allen drei Gebieten ist die Giftkonzentration rund 400 Mal höher als der erlaubte Wert.

Die US-Armee versprühte Agent Orange aus Flugzeugen, um die im Dschungel versteckten Vietkong-Kämpfer durch die entlaubten Bäume zu entdecken und ihnen durch die Vergiftung von Anpflanzungen die Nahrungsgrundlage zu nehmen. Das verseuchte Gelände um den ehemaligen Luftwaffenstützpunkt Danang, wo 80 Millionen Liter Agent Orange zum Einsatz kamen, wurde erst vor fünf Jahren abgesperrt. Davor fischten und badeten die Anwohner dort in einem See und pflückten dessen Lotusblüten.

„In verseuchten Gebieten wie Danang gibt es immer noch sehr junge Menschen, die unter Krankheiten leiden, die mit Agent Orange zusammenhängen“, sagt Nguyen Van Rinh vom Opferverband VAVA. Laut der vietnamesischen Regierung waren rund drei Millionen Vietnamesen Agent Orange ausgesetzt, eine Million leidet immer noch unter den Folgen. Zehntausende Kinder werden heute noch mit Schäden geboren. Der Versuch der Opfer, von den USA eine Entschädigung zu erhalten, wurde im Jahr 2009 vom Obersten Gericht abgeschmettert.  

Seit dem Jahr 1989 gab die US-Regierung Botschafter Shear zufolge 54 Millionen Dollar aus, um den erkrankten Vietnamesen zu helfen - auch wenn der Zusammenhang zum Agent Orange nicht anerkannt wird. Insgesamt könnten die Reinigung und die Unterstützung der Opfer Schätzungen zufolge 450 Millionen Dollar kosten. Für die Vietnamesen war die Aktion längst überfällig. „Ich denke, diese Reinigung kommt zu spät, denn so viele Leute sind schon betroffen“, sagt Nguyen Thi Hien, der Vertreter des Opferverbands VAVA in Danang. © afp/aerzteblatt.de

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