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Medizin

Kombinationstherapie der Kokain-Abhängigkeit

Donnerstag, 9. August 2012

dapd

La Jolla – Die kombinierte Therapie mit einem Opiatagonisten und -antagonisten könnte Kokainabhängigen den Drogenentzug erleichtern, meinen Suchtexperten aus Kalifornien in Science Translational Medicine (2012: 4: 146ra110). Ratten verloren unter der ungewöhnlichen Therapie das Interesse an der Droge.

Kokain ist in den USA ein drängendes Problem. Drogenexperten des Weißen Hauses schätzen, dass US- Amerikaner für Kokain mehr Geld ausgeben als für alle anderen illegalen Drogen zusammen. Eine Folge ist, dass ein Viertel aller durch Drogen ausgelösten Notfallaufnahmen in US-Kliniken auf den Konsum von Kokain zurückzuführen ist.

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Viele Abhängige landen früher oder später in medizinischer Behandlung, ohne dass Ärzte ihnen derzeit einen wirksamen Entzug anbieten können. George Koob, der am Scripps Research Institute in La Jolla die Abteilung für die Neurobiologie von Suchterkrankungen leitet, glaubt jetzt einen wirksamen Ansatz gefunden zu haben.

Koob behandelt seine Versuchstiere mit der Kombination aus Buprenorphin und Naltrexon. Das Opiat Buprenorphin wird außer als Schmerzmittel auch in der Substitutionstherapie von Heroin-Abhängigen eingesetzt. Buprenorphin ist auch bei Kokainabhängigen wirksam. Als starker Agonist am µ-Rezeptor kann Buprenorphin jedoch eine Opiat-Abhängigkeit auslösen, was ein ungünstiger Tausch gegen die Kokain-Sucht wäre. Der Suchtexperte kombiniert Buprenorphin deshalb mit Naltrexon in niedriger Dosierung, das als µ-Rezeptor-Antagonist die Entwicklung einer Opiatabhängigkeit verhindern soll.

Die Wirkung von Buprenorphin gegen die Kokainsucht bleibt jedoch erhalten. Diese wird laut Koob über den kappa-Rezeptor vermittelt. Der kappa-Rezeptor ist Andockstelle von Dynorphin, einem körpereigenen Opiat. Es ist nach einer Theorie von Koob für die vermehrte Stress- und Aversionsneigung von Kokainabhängigen abhängig, die die Konsumenten rückfällig werden lässt. Buprenorphin ist ein Antagonist am kappa-Rezeptor. Es könnte deshalb die Abhängigen vor dem langfristigen Auswirkungen des Entzugs und dem Rückfall schützen.

Bei den Ratten, an denen die Forscher bisher nur getestet haben, erzielte die Kombination die erhoffte Wirkung. Die Tiere verloren langfristig das Interesse an der Droge. Ob die Therapie auch bei kokainabhängigen Menschen funktionieren würde, ist bisher nicht bekannt. © rme/aerzteblatt.de

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