NewsPolitikStiftung Organtrans­plantation: Nicht das ganze System ist faul
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Stiftung Organtrans­plantation: Nicht das ganze System ist faul

Freitag, 10. August 2012

dapd

Berlin – Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) und Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) haben die Deutschen aufgerufen, sich durch die mutmaßlichen Manipulationen bei Transplantationen nicht verunsichern zu lassen. Unterdessen lehnten die Grünen die Pläne der Bundes­ärzte­kammer zu einer besseren Kontrolle der Transplantationsmedizin ab.

Der medizinische Vorstand der DSO, Günter Kirste, sagte am gestern Abend  in der ARD, die Vorfälle an den Universitätskliniken Göttingen und Regensburg dürften nicht verallgemeinert werden. „Wir haben keinen Organspendeskandal. Wir haben den Skandal eines einzelnen Menschen, der an zwei Kliniken agiert hat“, sagt Kirste in der Sendung „Beckmann“. „Man kann nicht den Schluss daraus ziehen, dass das ganze System faul ist.“

Anzeige

Bislang könne er keine direkten negativen Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft in Deutschland erkennen, so Kirste. „Es gibt keinen dramatischen Abfall bei den Organspende-zahlen.“ Erste Statistiken aus Nordrhein-Westfalen deuteten sogar auf einen möglichen Rekordmonat bei Organspenden hin. Vergangene Woche hatte die DSO erklärt, es sei bereits in fünf Fällen eine Organspende von Angehörigen mit Hinweis auf die Manipulationsvorwürfe in Göttingen abgelehnt worden.

Vor dem Hintergrund eines eigenen Familiendramas rief Söder potenzielle Organspender auf, sich nicht verunsichern zu lassen. Söder, dessen Mutter Renate vor 18 Jahren nach schwerer Zuckerkrankheit im Alter von 56 Jahren in Folge von Nierenversagen gestorben war, sagte bild.de: „Die aktuellen Vorfälle müssen rasch aufgeklärt werden. Trotzdem bleibt die Organspende lebenswichtig. Organspende rettet Leben. Daher bitte weiter Ausweise ausfüllen.“ Der CSU-Politiker erklärte: „Meine Mutter würde vielleicht noch leben, wenn es damals eine Spenderniere gegeben hätte.“ Von ihm selber habe die Mutter eine Niere nicht annehmen wollen.

Der Gesundheitsausschuss des Bundestages wird sich voraussichtlich am 14. September in einer Sondersitzung mit möglichen Konsequenzen aus dem Organspendeskandal befassen. Der Termin bedürfe noch der Zustimmung des Bundestagspräsidenten, bestätigte gestern der Grünen-Parlamentarier Harald Terpe.

Terpe sieht bei der Vergabe von Spenderorganen den Gesetzgeber am Zug. „Die Regeln zur Organzuteilung müssen auf gesetzlicher Ebene präzisiert werden“, sagte der Gesundheitsexperte der Grünen-Fraktion. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) müsse sich für eine grundlegende Änderung des Transplantationsgesetzes stark machen. „Bislang habe ich aber noch nichts von ihm dazu gehört“, bemängelte der Grünen-Bundestagsabgeordnete.

Die Vorschläge von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen für mehr Transparenz und Kontrollen reichten nicht aus. „Man merkt ja deutlich, dass es beispielsweise noch Hemmungen gibt, Transparenz auch für die Vergangenheit herzustellen, etwa sämtliche Prüfberichte der Kontrollkommission offenzulegen“, sagte der Grünen-Politiker.

Bahr hatte die Vorschläge dagegen begrüßt: „Das Vertrauen in die Organspende und die Verfahren bei der Vermittlung müssen wiederhergestellt werden. Das gelingt uns nur gemeinsam“. Rufen nach einer Organvergabe durch staatliche Stellen hatte er in der Bild-Zeitung eine Absage erteilt.

Der amtierende Vorsitzende der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz, Saarlands Gesundheits­minister Andreas Storm (CDU), sprach von einem „wichtigen Signal“. Die Ärzteschaft habe deutlich gemacht, „dass sie selbst Handlungsbedarf sieht.“ © kna/dapd/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #104249
Senbuddy
am Sonntag, 12. August 2012, 14:39

Irgendwie klar...

...dass die DSO darin einen Einzelfall sieht. Überzeugt ist man in weiten Teilen der Bevölkerung davon aber wohl eher nicht. Sonst würde es nicht diverse Veröffentlichungen über spontan zerrissene Organspende - Ausweise geben.

Und bessere Kontrollen sind sicher auch angebracht. Wobei das sicher auch gesetzlich geregelt werden kann. Bis hin zum Aberkennen der Approbation. Dass der Staat dann auch selbst kontrollieren muss (wie es der Herr von den Grünen meint), sehe ich nicht als nötig an. Der Staat kontrolliert hierzulande sowieso schon zu viel. Aber die Kammern könnten da durchaus mächtigere Kontrollinstanzen werden.

Nur eines nervt an so einem Artikel völlig: Dass schon wieder einer von diesen Politik - Populisten alles durcheinander wirft, um "Menschlichkeit" zu zeigen und sich in den Vordergrund zu spielen.

Lieber Herr Söder: Es geht bei der Organspenden - Debatte der vergangenen Monate nicht um "Gutmenschentum", welches man mit dem Willen zur Lebendspende an die eigene Mutter beweisen möchte. Lebendspenden können und sollten jedem vorbehalten bleiben und aus meiner Sicht auch durchaus öffentlich mehr gefördert werden. Z.B. in Form von anonymen oder offenen Überkreuzspenden.

Wenn es aber um die Debatte geht,

- ob und wann ein Mensch tot ist,
- wann Organe entnommen werden,
- wer den Körper welcher "Verwertung" und
- wem als Empfänger zuführt,
- wer davon finanziell profitiert und
- welche Wege von Geld und Organen
- von wem kontrolliert werden,

dann sollte man sich mit solchem Populismus einfach mal "raushalten".

Ein die Debatte verwirrender Politiker wie Herr Steinmeier reicht mit seinen ständig wiederholten und am Thema vorbeigehenden Veröffentlichungen (über seine eigene Lebendspende) schon aus. Oder bekommt man in der CSU ohne einen "edlen Spender" in der Partei ansonsten nicht genügend Zuspruch an Stammtischen ?

Viele Grüße
S.
LNS

Nachrichten zum Thema

4. Dezember 2019
Hamburg – Intensiv- und Notfallmediziner sprechen sich für eine Widerspruchsregelung bei der Organspende aus. Das teilte die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin
Intensivmediziner für Widerspruchsregelung bei Organspende
7. November 2019
Berlin – Der Bundestag wird nicht mehr in diesem Jahr über eine Reform in der Organspende entscheiden. Darauf haben sich die beiden Abgeordnetengruppen im Bundestag verständigt, wie die SPD heute auf
Entscheidung über Organspendereform erst im kommenden Jahr
7. November 2019
Frankfurt – Die Krankenhäuser in Deutschland engagieren sich stärker bei der Suche nach potenziellen Organspendern. Die organspendebezogenen Kontakte der Kliniken mit der Deutschen Stiftung
Krankenhäuser engagieren sich stärker für Organspende
25. Oktober 2019
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will im Rahmen der Reform der Organspende auch eine Debatte über Lebendspenden. „Wir haben noch eine Debatte zu führen über das Thema
Ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn will Debatte über Lebendspenden
21. Oktober 2019
Berlin – Fast zwei Drittel (63,3 Prozent) der deutschen Intensivmediziner befürworten bei der Organspende die viel diskutierte Widerspruchslösung. Das hat eine Blitzumfrage der Deutschen
Intensivmediziner mehrheitlich für Widerspruchslösung bei der Organspende
17. Oktober 2019
Hannover – Weil die Zahl der gespendeten Organe den Bedarf in Deutschland bei weitem nicht deckt, fordert die Deutsche Transplantationsgesellschaft eine Änderung der Einwilligung beim Spenden. „Wir
Transplantationsmediziner für Widerspruchslösung
7. Oktober 2019
Berlin – Nierenexperten haben im Vorfeld des 11. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), der Mitte Oktober in Düsseldorf stattfindet, konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER