Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bahr will Stiftung Organtransplantation überprüfen

Montag, 13. August 2012

Danie Bahr

München – Im Organspendeskandal gerät nun auch die Deutsche Stiftung Organtrans­plantation (DSO) politisch unter Druck. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) verlangte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, auch „die DSO muss sich einer kritischen Überprüfung unterziehen. Ihre Strukturen müssen weiter verbessert werden.“ Nach Einschätzung von Transplantationschirurgen ist der Skandal auch die Folge einer „Schieflage“ im gesamten medizinischen System. Der im Göttinger Organ­spendeskandal verdächtigte Arzt wies unterdessen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.

Bahr sagte, erste Verbesserungen bei der DSO seien durch das gerade in Kraft getretene Transplantationsgesetz erreicht worden. Die DSO ist als Koordinierungsstelle verantwortlich für die Organisation der Entnahme und Konservierung von Organen, ebenso wie für deren Transport. Sie unterstützt die Krankenhäuser bei der Feststellung des Hirntodes potenzieller Spender.

Der Münchner Herzchirurg Bruno Reichart kritisierte, wegen des in Deutschland gängigen Bonussystems würden Ärzte nur noch nach der Anzahl der behandelten Patienten, nicht aber nach der Qualität ihrer Arbeit beurteilt. „Ich finde das seit ewig langer Zeit unethisch“, sagte er. Er monierte, wenn Fallzahlen immer wichtiger würden, so sei der Missbrauch vorprogrammiert. Besonders auf dem Gebiet der Organtransplantation sei das gefährlich.

Auch der designierte Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Helmut Arbogast sieht einen wachsenden steigenden ökonomischer Druck auf Ärzte und Kliniken. „Der wirtschaftliche Druck, der von den Controllern auf die Ärzte ausgeübt wird, ist mitunter immens. Das betrifft kleinere Häuser wie Unikliniken gleichermaßen“, sagte er der tageszeitung vom Montag. „Ich kann mir vorstellen, dass es unter diesem Druck dann auch den einen oder anderen Arzt gibt, der unethisch handelt“, sagte Arbogast, der zugleich Vorstandsmitglied der Deutschen Transplantationsgesellschaft ist.

Die Kliniken müssten bereits zu Jahresanfang verbindliche Prognosen für die Anzahl ihrer Transplantationen treffen. Erfüllten sie diese nicht, dann habe das Auswirkungen auf Stellenpläne und Sachkostenschlüssel, mitunter sogar auf die Existenz der Transplantationszentren, so Arbogast.

Ähnliche Kritik äußerte der Leiter des Transplantationszentrums an der Technischen Universität München, Uwe Heemann, gegenüber der taz:  „Je mehr transplantiert wird, desto mehr Geld gibt es. Klar ist das ein Fehlanreiz.“

Ermittlungen gegen einen ausländischen Patienten
Der Rechtsvertreter des Göttinger Chirurgen, der Strafrechtler Steffen Stern, sagte dem Nachrichtenmagazin Focus, „mein Mandant hat keine Laborwerte manipuliert“. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen den Chirurgen, der früher am Uniklinikum Regensburg tätig war, wegen des Verdachts der Korruption und Bestechlichkeit. Er soll Patienten gegen Schmiergeld an der Warteliste für Spendeorgane vorbei bevorzugt haben.

Rechtsanwalt Stern wies das zurück. „Dass Geld geflossen sein soll, wird sich nicht bewahrheiten“, sagte er. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen weiteren Göttinger Mediziner in leitender Funktion, einen ausländischen Patienten und eine medizinische Vermittlungsfirma für Organe, wie eine Behördensprecherin sagte.

Als Konsequenz aus dem Organspendeskandal forderte indes der bayerische Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) ein Verbot von Bonuszahlungen für Transplantationen. „Die Bezahlung der Ärzte muss leistungsgerecht sein, darf aber nicht von der Anzahl ihrer Operationen abhängen“, sagte er der Bild am Sonntag.

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) sprach sich für deutlich härtere Strafen aus. „Wir müssen das Vertrauen der Menschen in die Organspende wiederherstellen“, teilte sie mit. „Dazu gehört für mich auch eine Nachbesserung im Bereich des Strafrechts.“ Konkret plädierte sie für eine Verdopplung der Freiheitsstrafe auf bis zu zehn Jahren für den gewerbsmäßigen Handel mit Organen und Geweben.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, sprach sich unterdessen auf stern.de gegen eine staatliche Vergabe von Organen aus. „An der Transplantation eines Organs arbeiten bis zu 30 Spezialisten mit, vom Chirurgen bis zum Laborarzt. Der Staat hat weder die Kompetenzen noch die Leute, um diese Spezialisten zu ersetzen." © dapd/kna/EB/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

26.04.17
München – Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) und das Bayerische Gesundheitsministerium wollen beim nächsten Spieltag im Amateurfußball für Organspenden werben. „Das Thema Organspende geht die ganze......
25.04.17
Dresden – Sachsens Regierung will mehr Menschen für eine Organtransplantation gewinnen. Dem dient auch eine Gesetzesnovelle zum Transplantationsgesetz, über die Gesundheitsministerin Barbara Klepsch......
18.04.17
Organspenden gehen im ersten Quartal leicht zurück
Berlin – Die Zahl der postmortalen Organspenden in Deutschland ist im ersten Quartal 2017 im Vergleich zum Vorjahr weiter leicht gesunken. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Deutschen Stiftung......
18.04.17
Kapstadt – Eine makabre Kinowerbung hat in Südafrika zu einem deutlich Anstieg von Organspenderegistrierungen geführt. In dem Spot wirbt eine fiktive „New Day Clinic“ in Kapstadt für eine......
07.04.17
Bremen – Die Krankenkasse Barmer hat gefordert, die Zahl der Transplantationszentren um mehr als die Hälfte zu reduzieren. „Wir benötigen keine 50, sondern maximal 20 Transplantationszentren in......
02.03.17
Minneapolis – US-Forscher haben einen möglichen Ansatz zur längeren Aufbewahrung von Spenderorganen entwickelt. Im Labor gelang es ihnen, tierische Gewebeteile mit einem besonderen Verfahren schonend......
31.01.17
Organspende: Hohe Bereitschaft, wenig Vertrauen
Hamburg – Die grundsätzliche Bereitschaft zur Organspende in Deutschland ist hoch, auch wenn die tatsächlichen Spenderzahlen im vergangenen Jahr auf einen Tiefststand gefallen sind. Das geht aus einer......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige