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Politik

Bahr will Stiftung Organtransplantation überprüfen

Montag, 13. August 2012

Danie Bahr

München – Im Organspendeskandal gerät nun auch die Deutsche Stiftung Organtrans­plantation (DSO) politisch unter Druck. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) verlangte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, auch „die DSO muss sich einer kritischen Überprüfung unterziehen. Ihre Strukturen müssen weiter verbessert werden.“ Nach Einschätzung von Transplantationschirurgen ist der Skandal auch die Folge einer „Schieflage“ im gesamten medizinischen System. Der im Göttinger Organ­spendeskandal verdächtigte Arzt wies unterdessen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.

Bahr sagte, erste Verbesserungen bei der DSO seien durch das gerade in Kraft getretene Transplantationsgesetz erreicht worden. Die DSO ist als Koordinierungsstelle verantwortlich für die Organisation der Entnahme und Konservierung von Organen, ebenso wie für deren Transport. Sie unterstützt die Krankenhäuser bei der Feststellung des Hirntodes potenzieller Spender.

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Der Münchner Herzchirurg Bruno Reichart kritisierte, wegen des in Deutschland gängigen Bonussystems würden Ärzte nur noch nach der Anzahl der behandelten Patienten, nicht aber nach der Qualität ihrer Arbeit beurteilt. „Ich finde das seit ewig langer Zeit unethisch“, sagte er. Er monierte, wenn Fallzahlen immer wichtiger würden, so sei der Missbrauch vorprogrammiert. Besonders auf dem Gebiet der Organtransplantation sei das gefährlich.

Auch der designierte Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Helmut Arbogast sieht einen wachsenden steigenden ökonomischer Druck auf Ärzte und Kliniken. „Der wirtschaftliche Druck, der von den Controllern auf die Ärzte ausgeübt wird, ist mitunter immens. Das betrifft kleinere Häuser wie Unikliniken gleichermaßen“, sagte er der tageszeitung vom Montag. „Ich kann mir vorstellen, dass es unter diesem Druck dann auch den einen oder anderen Arzt gibt, der unethisch handelt“, sagte Arbogast, der zugleich Vorstandsmitglied der Deutschen Transplantationsgesellschaft ist.

Die Kliniken müssten bereits zu Jahresanfang verbindliche Prognosen für die Anzahl ihrer Transplantationen treffen. Erfüllten sie diese nicht, dann habe das Auswirkungen auf Stellenpläne und Sachkostenschlüssel, mitunter sogar auf die Existenz der Transplantationszentren, so Arbogast.

Ähnliche Kritik äußerte der Leiter des Transplantationszentrums an der Technischen Universität München, Uwe Heemann, gegenüber der taz:  „Je mehr transplantiert wird, desto mehr Geld gibt es. Klar ist das ein Fehlanreiz.“

Ermittlungen gegen einen ausländischen Patienten
Der Rechtsvertreter des Göttinger Chirurgen, der Strafrechtler Steffen Stern, sagte dem Nachrichtenmagazin Focus, „mein Mandant hat keine Laborwerte manipuliert“. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen den Chirurgen, der früher am Uniklinikum Regensburg tätig war, wegen des Verdachts der Korruption und Bestechlichkeit. Er soll Patienten gegen Schmiergeld an der Warteliste für Spendeorgane vorbei bevorzugt haben.

Rechtsanwalt Stern wies das zurück. „Dass Geld geflossen sein soll, wird sich nicht bewahrheiten“, sagte er. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen weiteren Göttinger Mediziner in leitender Funktion, einen ausländischen Patienten und eine medizinische Vermittlungsfirma für Organe, wie eine Behördensprecherin sagte.

Als Konsequenz aus dem Organspendeskandal forderte indes der bayerische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Marcel Huber (CSU) ein Verbot von Bonuszahlungen für Transplantationen. „Die Bezahlung der Ärzte muss leistungsgerecht sein, darf aber nicht von der Anzahl ihrer Operationen abhängen“, sagte er der Bild am Sonntag.

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) sprach sich für deutlich härtere Strafen aus. „Wir müssen das Vertrauen der Menschen in die Organspende wiederherstellen“, teilte sie mit. „Dazu gehört für mich auch eine Nachbesserung im Bereich des Strafrechts.“ Konkret plädierte sie für eine Verdopplung der Freiheitsstrafe auf bis zu zehn Jahren für den gewerbsmäßigen Handel mit Organen und Geweben.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, sprach sich unterdessen auf stern.de gegen eine staatliche Vergabe von Organen aus. „An der Transplantation eines Organs arbeiten bis zu 30 Spezialisten mit, vom Chirurgen bis zum Laborarzt. Der Staat hat weder die Kompetenzen noch die Leute, um diese Spezialisten zu ersetzen." © dapd/kna/EB/aerzteblatt.de

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