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Alternde Gesellschaft bereitet den Rettungsdiensten mehr Arbeit

Dienstag, 14. August 2012

dapd

Wiesbaden – Die Zahl der Rettungseinsätze in Hessen steigt stetig an. 43.768 Mal ist beispielsweise der Rettungsdienst in Dietzenbach im Kreis Offenbach im vergangenen Jahr ausgerückt. Das waren 942 Einsätze mehr als 2010.

„Das ist eine Entwicklung, die sich seit Jahren fortsetzt“, sagt der Leiter des Rettungs­zentrums, Ralf Ackermann. Die Zunahme der Einsätze gilt für den Kreis Offenbach wie für ganz Hessen. Landesweit rückten Rettungskräfte im Jahr 2010 rund 930.000 Mal aus. Damit sei die Zahl gegenüber dem Jahr 2000 um etwa 36 Prozent gestiegen, sagt die Sprecherin des hessischen Sozialministeriums. Die Bevölkerung sei hingegen im gleichen Zeitraum stabil geblieben. Neuere Zahlen lägen noch nicht vor. Es sei aber damit zu rechnen, dass der Trend sich fortsetze.

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Ackermann sieht verschiedene Gründe für diese Entwicklung. Zum einen müssten durch die zunehmende Spezialisierung der Kliniken Patienten häufiger verlegt und von den Rettungsdiensten in die verschiedenen Abteilungen gefahren werden. Zum anderen beobachtet er eine niedrigere Hemmschwelle, den Notdienst zu kontaktieren. „Heute rücken wir schon aus, wenn sich Patienten über starke Rückenschmerzen beschweren“, berichtet Ackermann. Früher seien sie dagegen fast ausschließlich bei äußersten Notfällen gerufen worden.

Mehr Rettungswagen und Personal
Der demografische Wandel ist aus Sicht der Beteiligten entscheidend für die Zunahme der Einsätze. Ältere Menschen litten häufiger an akuten Erkrankungen wie Herzleiden und seien deshalb öfter auf den Notdienst angewiesen, sagt Ackermann.

Sorgen müssen sich Patienten wegen der zunehmenden Belastung des Rettungs­dienstes nach Einschätzung der Experten aber keine machen. Der Rettungsdienst in Hessen sei gut aufgestellt, sagt Ministeriumssprecherin Krüger. Er passe sich – wie schon in der Vergangenheit – an die sich ändernden Bedingungen an.

Auch Ackermann betont, dass die Qualität des Dienstes trotz einer numerischen Zunahme von Einsätzen erhalten bleibe. So habe zum Beispiel der Kreis Offenbach erst Anfang Juli zusätzliche Rettungswagen angeschafft. Ebenso sei weiteres Personal dazu gekommen.

Die Kosten für die Rettungseinsätze in Hessen sind nach Angaben des Sozialminis­teriums in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 60 Prozent gestiegen. Gut angelegtes Geld, meint Roland Jäger, Finanzleiter des Deutschen Roten Kreuzes in Hessen. Er ist überzeugt: „Der Rettungsdienst spart mehr, als er kostet.“ Eine schnelle und sorgfältige Erstversorgung senke die Folgekosten, erläutert er die Rechnung.

„Im Rettungsdienst zählt jede Minute.“ Werde ein Patient in der ersten Stunde nach einem Schlaganfall – der sogenannten Golden Hour – ins Krankenhaus eingeliefert, liege die Wahrscheinlichkeit bei nahezu 100 Prozent, dass der Betroffene keine Folgeschäden habe. Das sei für die Krankenkassen günstiger, als wenn sie teure Medikamente bezahlen müssten, sagte Jäger.

Zudem, erläutert der 49-jährige Finanzfachmann, seien die Krankenkassen gesetzlich verpflichtet, den Bedarf der Notfalldienste zu decken. „Die Rettungsdienste müssen mindestens 90 Prozent der Notfälle in weniger als zehn Minuten erreichen“, sagt Jäger. Wenn das nicht gehe, müssten die Dienste aufrüsten – und die Krankenkassen zahlen. Die Kassen sind offenbar damit zufrieden. „Bisher scheint das System gut zu funktionieren", sagt der Sprecher der AOK Hessen, Riyad Salhi. © dapd/aerzteblatt.de

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Avatar #105076
Medinozos
am Sonntag, 17. Februar 2013, 19:39

Kurze Ergänzung

Dem im Artikel genannten Sprecher der AOK Hessen hatte ich übrigens eine kurze Email mit Link zu meinem vorherigen Kommentar geschickt - keine Reaktion... Schon bemerkenswert!
Avatar #655363
Dr. mett Worscht
am Freitag, 17. August 2012, 12:55

Sehr interessant....

....welche Möglichkeiten ein Amt in einer so hohen Position bietet. Da gründet der Träger des Rettungsdienstes einen Eigenbetrieb, betreibt die Leitstelle und alle Notarztsysteme im Landkreis selbst. Heißt es können hier beliebig Einsätze generiert- und entsprechend die Statistiken nach den eigenen Vorstellungen geformt werden wie es die jeweilige Situation gerade erfordet. Ganz nebenbei kann auf diese Weise auch das Geld quais selbst gedruckt werden da der Eigenbetrieb die kosten für die selbstgemachten NEF Einsätze ja eben selbst einstreicht. Der Chef eines Dienstleistungsgewerbes welcher ebenfalls ein hohes Amt inne hat und sich auf diese Weise selbst die Aufträge zuschiebt würde in der freien Wirtschaft unweigerlich im Gefängnis landen!
Das Gegenteil ist leider der Fall. Es wird sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit selbst auf die Brust getrommelt und man stellt sich nur zu gern als Retter der Welt da. Und die lieben Kostenträger freuen sich und kapieren die verarsche nicht die man mit Händen greifen kann! Armes System!
Avatar #105076
Medinozos
am Mittwoch, 15. August 2012, 12:28

Kritische Anmerkung

Anzumerken ist, dass der als hessisches Beispiel angeführte Kreis Offenbach seine in Dietzenbach ansässige Leitstelle selbst im Rahmen eines Eigenbetriebes betreibt. Der Kreis hätte somit prinzipiell die Möglichkeit, durch entsprechende Vorgaben an das Leitstellenpersonal die Zahl der unnötigen Einsätze zu reduzieren („Heute rücken wir schon aus, wenn sich Patienten über starke Rückenschmerzen beschweren“).
Das Gegenteil ist aber der Fall, der Kreis hat ein maßgebliches Interesse an der Steigerung der "Notfall"-Einsätze, durch jede dieser Fahrten wird z. B. eine Leitstellengebühr fällig (diese wird durch die Rettungsorganisationen beglichen und mittels Rechnung an die Kostenträger weitergeleitet).
Zu erwähnen ist auch, dass der Kreis Offenbach in den letzten Jahren die beiden bisherigen Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) unter fragwürdiger Argumentation (Qualität und Zuverlässigkeit) an sich genommen hat und diese selber betreibt (wo bleibt hier die unabhängige Qualitätskontrolle). Auch wurde, um dem Wunsch eines weiteren NEF Nachdruck zu verleihen, die Indikationsschwelle für die Notärzte massiv abgesenkt um entsprechende Einsätze zu generieren. Dies brachte die angrenzenden Notarztstandorte sowie die Rettungshubschrauber im Rhein-Main-Gebiet tageweise an Ihre Kapazitätsgrenze. Das dritte NEF ist nun seit längerem installiert und produziert auch Kapital für den Eigenbetrieb des Kreis Offenbach.
Auch zu hinterfragen ist, inwiefern eine Einsatzsteigerung von rechnerisch 2,15% als signifikant einzustufen ist. Die Anmerkungen des Feuerwehrmannes Ackermann (ein Ehrendoktor der Universität St. Petersburg - ein Schelm wer Böses dabei denkt) bzgl. Epidemiologie sind bei fehlender medizinischer oder wissenschaftlicher Ausbildung im Bereich der Public Health als zumindestens fraglich einzustufen.

Nicht für ungut,

Medinozos
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