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Medizin

Leberschäden durch Moxifloxacin und Levofloxacin

Dienstag, 14. August 2012

Toronto – Der Einsatz der beiden Fluorochinolon-Antibiotika Moxifloxacin und Levofloxacin kann bei älteren Patienten in seltenen Fällen schwere Leberschäden auslösen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Fall-Kontroll-Studie im Canadian Medical Association Journal CMAJ (2012; doi: 10.1503 /cmaj.111823). Für Moxifloxacin war das Risiko bekannt, für Levofloxacin ist es neu.

Vor vier Jahren hatte die Europäische Arzneimittelagentur EMA die Anwendung von Moxifloxacin deutlich eingeschränkt und zu einem Reservemedikament zurückgestuft. Es soll nur angewendet werden, wenn andere Antibiotika nicht geeignet sind. Der Grund waren mehrere Fälle einer tödlichen Leberkomplikation, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) damals zur Alarmierung der EMA veranlasst hatte. Health Canada (nicht aber die FDA) sollte später ebenfalls eine ausdrückliche Warnung herausgeben.

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Jetzt veröffentlichen kanadische Wissenschaftler eine Studie zu weiteren Antibiotika, darunter neben Moxifloxacin auch die Chinolone Levofloxacin und Ciprofloxacin sowie das Cephalosporin Cefuroxim und das Makrolid Clarithromycin. Das Team um David Juurlink vom Institute for Clinical Evaluative Sciences in Toronto hat dazu die Verordnungsdaten für Antibiotika an Senioren in Ontario mit den Hospitalisierungen wegen einer schweren akuten Lebererkrankung abgeglichen.

Sie konnten dabei das für Moxifloxacin bekannte Risiko bestätigen: Innerhalb der ersten 30 Tage nach der Verordnung war das Risiko eines schweren Leberversagens mehr als doppelt so hoch wie nach der Verordnung von Clarithromycin, das als Referenz diente (adjustierte Odds Ratio 2,20; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,21–3,98).

Neu ist, dass es auch nach der Verordnung von Levofloxacin zu einem Anstieg von schweren Leberfunktionsstörungen kam (adjustierte Odds Ratio 1,85; 1,01–3,39). Für Ciprofloxacin war das Risiko nur tendenziell erhöht (adjustierte Odds Ratio 1,56; 0,95-2,58), ebenso für Cefuroxim (adjustierte Odds Ratio 1,43; 0,72-2,83).

Die Zulassungsbehörden haben sich noch nicht zu der Studie geäußert. Chinolon-Antibiotika gelten jedoch als „anfällig“, seitdem Trovafloxacin 1999 wegen schwerer Leberschäden in Europa vom Markt genommen wurde. Für mehrere Chinoline ist zudem das Risiko eines vorübergehenden reversiblen Anstiegs der Aminotransferase bekannt.

Dass sich die FDA bisher auf Warnungen beschränkte, dürfte damit zusammenhängen, dass die Ereignisse insgesamt sehr selten sind. Juurlink ermittelte für Senioren in Ontario für den Zeitraum von April 2002 und März 2011 insgesamt 144 Fälle, von denen allerdings 68 tödlich endeten.

Die Rate schwerer Leberschädigungen betrug für Moxifloxacin 7,98 pro 100.000 Expositionen, für Levofloxacin betrug sie 8,62 pro 100.000 Expositionen. Hiervon abzuziehen wäre die Rate von 3,95 pro 100.000 Expositionen unter Clarithromycin. Dies wäre die Hintergrund-Inzidenz, wenn man davon ausgeht, dass Clarithromycin keine schweren Leberschäden auslöst. © rme/aerzteblatt.de

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