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Medizin

Morphintherapie: Dextro-Naloxon könnte Abhängigkeit verhindern

Mittwoch, 15. August 2012

Boulder/Adelaide – Die gleichzeitige Gabe von Dextro-Naloxon könnte die Entwicklung einer Abhängigkeit unter einer Opiat-Therapie verhindern. Das berichten Forscher aus den USA und Australien im Journal of Neuroscience (2012, 32: 11187-11200). Ihren tierexperimentellen Versuchen sollen klinische Studien folgen.

Anders als Naloxon, das Notfallmediziner als Antidot bei Opiatüberdosierung schätzen, bindet das Enantiomer Dextro-Naloxon nicht am µ-Rezeptor. Der Wirkstoff kann die schmerzlindernde Wirkung von Opiaten nicht aufheben. Es wird nicht in der Therapie eingesetzt. Dextro-Naloxon bindet jedoch am „Toll-Like receptor 4“ (TLR4). Dieser Rezeptor ist nicht nur in die natürliche Immunabwehr eingebunden.

Im Gehirn findet er sich auch an den Neuronen des Belohnungssystems, die an der Entwicklung einer Abhängigkeit beteiligt sind. Die Blockade durch Dextro-Naloxon könnte demnach die Entwicklung einer Abhängigkeit vorbeugen, behauptet Mark Hutchinson von der Universität von Adelaide, der zusammen mit Linda Watkins vom der Universität von Colorado in Boulder School of Medical Sciences eine Reihe von Experimenten an Mäusen und Ratten durchgeführt hat.

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Ratten, die mit Dextro-Naloxon vorbehandelt waren, zeigten nach der anschließenden Gabe von Morphin kein Abhängigkeitsverhalten. Ihre Gehirne schütteten den Forschern zufolge weniger Dopamin aus als die Gehirne der Versuchstiere, die nur mit Morphin behandelt wurden. Dopamin ist der zentrale Neurotransmitter des Belohnungssystems.

Die gleichzeitige Gabe von Dextro-Naloxon hob jedoch nicht die schmerzlindernde Wirkung von Morphin auf. Versuchstiere, denen das Gen für den TLR4-Rezeptor fehlte, wurden ebenfalls nicht abhängig. Sollten sich die Ergebnisse in weiteren Versuchen bestätigen, könnte dem Team ein lange gesuchter Durchbruch in der Schmerztherapie gelungen sein. Die Forscher wollen jedoch zunächst weitere Tierexperimente durchführen, um die Zusammenhänge näher zu untersuchen. Klinische Studien sind frühestens in 18 Monaten vorgesehen, verkündeten sie. © rme/aerzteblatt.de

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