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Medizin

Hypertonie: Cochrane sieht Kakao als effektiven Blutdrucksenker

Mittwoch, 15. August 2012

dapd

Adelaide – Eine Tafel Schokolade, vielleicht aber auch schon ein Stückchen, können den systolischen und diastolischen Blutdruck um mehrere Millimeter Quecksilbersäule senken. Die Wirkung fiel in einer Meta-Analyse der Cochrane-Library (2012; doi: 10.1002/14651858.CD008893.pub2) jedoch bescheiden aus und die Publikation zeigt, dass die (bei hohem Kakaogehalt gar nicht so) süße Schokolade vielleicht doch keine Alternative zu den nebenwirkungsarmen Antihypertensiva sind.

Am Anfang stand die Beobachtung, dass die Kuna, ein Volk auf den Atlantikinseln vor Panama, auch im Alter nicht an einer Hypertonie erkranken, solange sie ihre Heimat nicht verlassen. Die Ursache wurde im hohen Kakao-Konsum gefunden. Die Inselbewohner, nicht aber ihre Verwandten auf dem Festland, trinken täglich mehrere Becher des bitteren Getränks, das besonders reichhaltig an Flavanolen wie Epicatechin, Catechin und Procyanidin ist. Flavanole sind auch in Bohnen, Aprikosen, Brombeeren, Äpfeln und Teeblättern enthalten, wenn auch in einer wesentlich niedrigeren Konzentration.

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Dunkle Schokolade enthält ebenfalls Kakao, wenn auch in unterschiedlicher Menge. Am höchsten ist der Gehalt mit 50 bis 85 Prozent in Bitterschokolade, die aber nicht jedermanns Geschmack ist. Während die Indios ihren Kakao ungesüßt und kalt trinken, hat die europäische Küche, seit Columbus 1502 und Cortes 1519 das Getränk nach Europa einführten, alles unternommen, um den bitteren Geschmack zu verdrängen. Dazu gehört nicht nur der Zusatz von Zucker, auch die Röstung und das Dutching (eine in Holland erfundene Behandlung mit Alkalien) vermindern den Gehalt an Flavanolen auf 2 bis 18 Prozent des frischen Kakaopulvers.

Die unterschiedlichen Herstellungsmethoden führen auch dazu, dass verschiedene Sorten von Bitterschokolade nicht unbedingt den gleichen Gehalt an Flavanolen enthalten. Das Antihypertonikum aus der Chocolaterie ist deshalb kein Medikament mit einem gesicherten Wirkstoffgehalt.

Immerhin: Dass die Flavanole eine blutdrucksenkende Wirkung erzielen, kann nach der Meta-Analyse von Karin Ried vom National Institute of Integrative Medicine in Melbourne und Mitarbeitern, jetzt als gesichert gelten, auch wenn die 20 Studien an 856 zumeist gesunden erwachsenen Hypertonikern starke Unterschiede aufwiesen.

Sie betreffen zum einen die Dosis, die zwischen einem Stückchen (3,6 Gramm) und einer ganzen Tafel (105 Gramm) schwankte und nach den Recherchen von Ried zwischen 30 und 1080 mg Flavanols enthalten haben dürfte. In der Hälfte der Studien waren es aber 500 bis 750 mg, so dass ein Stückchen am Tag vielleicht doch nicht ausreicht.

Auch die Studiendauer erfüllt nicht unbedingt die Anforderungen die für Zulassung eines Antihypertensivums gestellt werden. In den meisten Studien wurde die antihypertensive Wirkung über 2 bis 8 Wochen untersucht, nur eine Studie dauerte 18 Wochen. Da nicht in allen Studien gegen eine flavanol-freie Kontrolle getestet wurde, konnte Ried auch keine Dosis-Wirkungsbeziehung herstellen.

Dennoch sind die Autoren sicher, dass Kakao den Blutdruck senken kann. Unter dem Strich könnte der systolische Wert um 2,8 mm Hg und der diastolische Wert um 2,2 mm Hg fallen und dadurch einen Beitrag zur antihypertensiven Therapie leisten.

Als „Medikament“ blieb die Schokolade in den Studien nicht ohne Nebenwirkungen. Am häufigsten klagten die Teilnehmer über gastrointestinale Symptome, darunter übrigens auch über Geschmacksstörungen. Denn so süß die Erinnerung an die Milchschokolade auch sein mag, so bitter war die Realität, wenn es darum ging, täglich einen Riegel mit einem hohen Kakao-Gehalt zu verzehren.

Einige Patienten klagten auch über Kopfschmerzen und Nervosität. In einer Studie kam es, vermutlich aufgrund eines hohen Theobromingehalts auch zu vermehrten Durchfällen, die nach einer Zulassung im Beipackzettel erwähnt werden müssten. Eine Zulassung als Medikament ist indes nicht in Sicht. Für Hypertoniker, die Schokolade in Maßen genießen können, mögen kakaohaltige Nahrungsmittel nach Ansicht der Autoren jedoch eine interessante Ergänzung zur antihypertensiven Medikation sein. © rme/aerzteblatt.de

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