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Kinder mit ADHS haben verändertes Zeitempfinden

Donnerstag, 16. August 2012

Frankfurt – Kinder und Jugendliche, die unter dem Aufmerksamkeits-Defizit-Hyper­aktivitäts-Syndrom (ADHS) leiden, haben offenbar eine veränderte Wahrnehmung der Zeit. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie der Frankfurter Goethe-Universität, des LVR-Klinikums Düsseldorf sowie des Viktoriastiftes Bad Kreuznach. Demnach empfinden Kinder mit ADHS gleich lange Zeitabschnitte als wesentlich länger als andere Kinder.

Aufgrund der beteiligten Hirnstrukturen hatten Wissenschaftler bereits vermutet, dass ADHS-Patienten Zeit anders verarbeiten. Die jetzt in der Online-Ausgabe des wissenschaftlichen Magazins Journal of Attention Disorders veröffentlichte Studie liefert dafür nun den Beleg.

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Im Rahmen der Untersuchung lernten 31 Kinder mit ADHS und 29 Kinder ohne Störung zunächst, ein auf dem Computerbildschirm für kurze Dauer gezeigtes Kreissymbol von einem für längere Dauer gezeigten gleich aussehenden Symbol zu unterschieden. In anschließenden Tests bewerteten sie für eine größere Serie von Zeitspannen, ob diese „kurz“ oder „lang“ waren.

Dieselben Zeitspannen wurden von Kindern mit ADHS sehr viel häufiger als lang wahrgenommen. Außerdem taten sich ADHS-Kinder schwerer, sich auf die neue Situation einzustellen, wenn die getesteten Zeitspannen insgesamt verlängert oder verkürzt wurden.

Die publizierten Befunde werfen ein neues Licht auf die Gründe für Impulsivität und mangelnde Konzentration bei ADHS, der am häufigsten diagnostizierten Störung bei Kindern und Jugendlichen. „Ein optimiertes Zeitmanagement, zum Beispiel durch Strukturierung komplexer Aufgaben in Teilaufgaben, dürfte ein wesentlicher Ansatzpunkt sein, um mit ADHS einhergehende Probleme im Schulunterricht und anderen Lebensbereichen in den Griff zu bekommen“, so der Frankfurter Wissenschaftler Helmut Prior. © hil/aerzteblatt.de

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Clemens-X
am Donnerstag, 16. August 2012, 22:57

egal ob ICD-10 oder „die Spezialisten”: Weiterhin Unverständnis für AD(H)S

Bevor ich auf die „unglaublich sensationelle und bahnbrechende Entdeckung” zu sprechen komme, die diese Meldung des Deutschen Ärzteblatt verspricht, lassen Sie mich bitte erst meine Erkenntnisse zu AD(H)S kurz und unvollständig schildern:

Ich habe selbst die Besonderheit ADHS, arbeite seit 2009 als Psychologischer Berater und demnächst als Heilpraktiker für Psychotherapie. Meiner beruflichen Entwicklung liegt die persönliche Entwicklung mit tiefenpsychologischer und schematherapeutischer Aufarbeitung meiner Problematiken zu Grunde.
Ich habe herausgefunden, dass ich meine Fähigkeit zur Hyperfokussierung ideal in der Beratung (und demnächst als Therapeut) einsetzen kann. Meine Klienten sind jedenfalls äußerst zufrieden mit meiner Arbeit.
Nachdem ich mich selbst verstanden hatte, kaufte ich mir zahlreiche Fachbücher, auch über AD(H)S. Bisher fand ich streng genommen lediglich ein einziges Fachbuch, in dem ich die ADHS-Symptomatik generell sowie meine eigenen Erfahrungen stimmig beschrieben fand!!! Zudem überzeugte mich das therapeutische Konzept, das die Autoren verfolgten. Da ist so viel liebevolle Zuwendung zu den Kindern, so viel Verständnis, Wertschätzung und Akzeptanz... Das hätte ich mir damals als Kind sooo sehnlich gewünscht!
Auf meiner Website und bei Amazon habe ich das Buch entsprechend wertschätzend und anerkennend rezensiert / kommentiert. Das Buch heißt:
»Jetzt reden wir! - Diagnose AD(H)S und was Kinder wirklich fühlen« (Beltz-Verlag)

Die wesentlichen Unstimmigkeiten in der „offiziellen Lehrmeinung” inclusive der ICD-10 nebst diagnostischen Leitlinien sind:

1.) Es gibt kein Aufmerksamkeitsdefizit! Es gibt sogar —ganz im Gegenteil— bei den meisten Menschen mit dieser Besonderheit eine extreme Aufmerksamkeit... sofern das, mit dem sie gerade beschäftigt sind, sie begeistert! Das wird auch „Hyperfokus” genannt.
Allerdings braucht nur ein Impuls dazwischen zu funken, der das Interesse auf etwas lenkt, das noch interessanter und / oder lustvoller ist, dann schwenkt die Beschäftigung impulsiv auf das Neue um und das bisherige bleibt liegen. Übrigens ist der Hyperfokus meist sehr wohl steuerbar - im Gegensatz zur Lehrmeinung!

2.) Wenn etwas uninteressant oder langweilig ist, kann die Aufmerksamkeit darauf nur mit Schwierigkeiten und nicht all zu lange gehalten werden. Aber sagen Sie mal ehrlich, lieber Leser: Geht Ihnen das denn eigentlich nicht ganz genau so? Nur sind Menschen mit der Besonderheit AD(H)S viel schneller bereit, von einem langweilig-uninteressanten Thema weg zu springen!

3.) Menschen mit der Besonderheit AD(H)S haben ihren Kopf meist randvoll mit Ideen, Vorstellungen, Wünschen und Handlungsvorsätzen. Und die möchten sie allesamt umsetzen. Am besten sofort. Das führt zu Dauerstress und Frustrationsgefühlen. Die hohe Impulsivität, schwach ausgeprägte Emotionsregulierung und die andauernd latent vorhandene Aggressivität begründet sich auf diesen inneren Hochspannungs-Zustand und ist lediglich ein Folgesymptom der eigentlichen AD(H)S-Problematik! Auch diese Information fehlt in den meisten Fachbüchern.

4.) Menschen mit der Besonderheit AD(H)S haben aufgrund der hyperfokalen Einengung und der hohen inneren Motivation meist eine besondere Sensibilität. Oft werden in diesem Zustand alle zusätzlichen Reize von außen als überfordernde Reize wahrgenommen und natürlich abgewehrt, um nicht noch weiter in die Überlastung zu geraten. Die Abwehr hierzu fällt gemäß der schwach ausgeprägten Fähigkeiten zur Emotionsregulierung und der latent vorhandenen Aggressivität zuweilen sehr heftig aus.

5.) Menschen mit der Besonderheit AD(H)S können ihren Hyperfokalzustand dazu nutzen, alles andere um sie herum auszublenden und bis zur völligen Erschöpfung an ein und derselben Sache (die sie begeistert) dran zu bleiben und zu arbeiten. Oft leisten sie dabei mehr als andere Menschen ohne diese Besonderheit.

6.) Die größte Tragik der Menschen mit der Besonderheit AD(H)S liegt darin, dass ihre AD(H)S-Besonderheit zu spät erkannt wird. Die Bezugspersonen (Eltern) wissen nicht, wie sie mit ihren Kindern umgehen sollen und wenden teils äußerst rigide Erziehungsmethoden an, Abwertungen, strafendes Ausgrenzen usw. eingeschlossen. Dies verschärft die Problematik ganz enorm und fördert dysfunktionale Verhaltensweisen und Bewältigungsstrategien der AD(H)S-Betroffenen. Ein Teufelskreis beginnt.

7.) Nachdem Menschen mit der Besonderheit AD(H)S schon vorschulisch durch die dysfunktionalen Erlebnisse mit ihren Bezugspersonen meist massiv geschädigt worden sind, ist ihr Verhalten oft noch weiter vom „Üblichen” entfernt. Die Folge ist soziale Isolation, Mobbing. Und dies verstärkt ebenfalls die Problematik.

8.) Die Summe all dieser negativen und sich ständig verstärkenden Einflüsse auf Menschen (Kindern) mit der Besonderheit AD(H)S beschädigt deren Selbstwert, deren Konzept von sich selbst und somit ihre Identitätsentwicklung. Erst daraus entsteht dann eine depressive Problematik und auch die Versuchung, mit Drogen eine Bewältigungsstrategie zu fahren.

9.) Wegen der Punkte 6 und 7 muss die Therapie unbedingt auch systemische Ansätze verfolgen und alle Bezugspersonen mit einbeziehen.

10.) Zahlreiche Symptome, die nach Lehrmeinung der AD(H)S zugeschrieben werden, sind in Wirklichkeit die Folge der dysfunktionalen und zerstörerischen Erlebnisse, die ein Mensch mit der Besonderheit AD(H)S erfahren hat und auf die er nun seinerseits mit dysfunktionalen Verhaltensweisen, Erwartungshaltungen und Denkmustern reagiert.

11.) Wie auch schon im oben angeführten Buch beschrieben, machen sich leider viel zu wenige Ärzte und Therapeuten die Mühe, sich eingehend und vor allem mitfühlend mit den betroffenen Kindern (und Erwachsenen) zu beschäftigen. All zu schnell werden Psychopharmaka verordnet, aller Warnungen zum Trotz. Vielleicht rechnet sich das besser? Oder macht weniger Mühe und ist daher bequemer?
All zu oft sprechen Ärzte und Therapeuten überwiegend mit den Eltern und evtl. auch mal mit den Lehrern; die Kinder kommen aber selten zu Wort.

Vielleicht ist Ihnen bereits aufgefallen: Ich spreche bewusst nicht von Störung / Krankheit sondern von einer »Besonderheit«. Denn die Zuschreibung einer „Störung” führt zu zusätzlicher Stigmatisierung, Ausgrenzung und Verstärkung des Eindrucks der Betroffene „ich bin nicht normal” und zur weiteren Belastung des Selbstwerts.

Und jetzt noch zu dem Artikel hier im Ärzteblatt:
»Kinder mit ADHS haben verändertes Zeitempfinden« steht da!
Man hätte die gesamte „klinische” Untersuchung und teure Forschung gar nicht gebraucht! Lesen Sie einfach meine vorstehenden Punkte:
Es ist eine Binsenweisheit, dass „die Zeit wie im Fluge vergeht”, wenn man sich mit etwas beschäftigt, was einen total begeistert (Hyperfokus).

Ach ja, die „Spezialisten”... sollten mal wirklich ZUHÖREN, was ihnen Menschen mit der Besonderheit AD(H)S zu erzählen haben, besonders aber Kinder!

Clemens M. Hürten - Lebenslust jetzt! - Rottweil
LNS

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