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Allgemeinmedizin: Berlin braucht mehr Weiterbildungs­assistenten

Dienstag, 21. August 2012

Berlin – Um den hausärztlichen Nachwuchs zu fördern, werden zurzeit bundesweit Koordinierungsstellen für die Allgemeinmedizin eingerichtet. Grundlage dafür ist die „Vereinbarung zur Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin in der ambulanten und stationären Versorgung“, die im Januar 2010 in Kraft getreten ist. Seit Anfang Juli dieses Jahres wird die Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin für Berlin (KoStA für Berlin) von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin, der Ärztekammer Berlin und der Berliner Krankenhausgesellschaft getragen. Antje Koch von KoStA, selbst Fachärztin für Allgemeinmedizin, erklärt im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt, wie es mit dem hausärztlichen Nachwuchs in der Hauptstadt aussieht und warum die Koordinierungsstellen so wichtig sind.

Fünf Fragen an Antje Koch, Koordi­nierungsstelle Allgemeinmedizin für Berlin

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DÄ: Vor eineinhalb Monaten hat die KoStA für Berlin unter dem Dach von KV, Ärztekammer und Landeskranken­hausgesellschaft ihre Arbeit aufge­nommen. Wie ist es um die Weiterbildung des hausärztlichen Nachwuchses in Berlin bestellt?

Koch: Zurzeit machen jährlich etwa 50 bis 60 Ärzte und Ärztinnen in Berlin den Facharzt Allgemeinmedizin. Wenn wir diese Zahlen auf fünf Jahre hochrechnen, haben wir mindestens 300 Weiterbildungsassistenten in Berlin, die diese Facharztbezeichnung anstreben.

Weiterbildungsbefugte für die Allgemeinmedizin gibt es in Berlin zurzeit etwa 400 und bislang drei offizielle Weiterbildungsverbünde. Wir arbeiten beständig an dem Aufbau weiterer Verbünde.

DÄ: Wird die Zahl der Weiterbildungsassistenten reichen, um die hausärztliche Versorgung in Berlin in den nächsten Jahren zu gewährleisten?

Koch: Nein. Auch in Berlin werden in den kommenden Jahren viele Hausärzte in Rente gehen. Es ist daher wichtig, dass die Zahl der Absolventen steigt.

DÄ: Und wie kann man Medizinstudierende dazu bringen, in die Allgemeinmedizin zu gehen?

Koch: Man kann ihr Interesse wecken, denn wollen müssen sie es schon selbst. Die Koordinierungsstelle soll die Interessierten in ihrem Vorhaben stärken, Allgemein­mediziner zu werden. Wir können dabei helfen, ihre Weiterbildung zu organisieren. Dazu müssen wir sie zunächst auf uns aufmerksam machen, was wir auch tun. Beispielsweise nehme ich an der letzten Vorlesung in jedem Semester im Fach Allgemeinmedizin an der Charité teil und stelle dort die Arbeit der Koordinierungsstelle vor. Das ist eine sehr gute Möglichkeit, sich den jungen werdenden Ärzten als Ansprechpartner vorzustellen.

Denn allein, dass es die Koordinierungsstelle als Ansprechpartnerin gibt, ist eine große Erleichterung für viele Weiterbildungsassistenten. Das bekomme ich in den vielen Gesprächen mit, die ich führe. Zudem weiß ich dies auch aus eigener Erfahrung. Während meiner Weiterbildung konnte ich nur im privaten Umfeld fragen, wenn ich bei der Erstellung meiner Rotationspläne mal nicht weiter wusste. Heute beantwortet die KoStA für Berlin viele Fragen.

DÄ: Die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin ist ja sehr komplex und mit vielen Fach- und Stellenwechseln verbunden. Glauben Sie, dass dies Interessenten abschreckt, die sich dann doch lieber für ein anderes Fach entscheiden?

Koch: Mag sein, aber genau da liegt eine Aufgabe der Koordinierungsstelle. Die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner ist eben vielschichtig. Die Weiter­bildungs­ordnung lässt viele Möglichkeiten zu, die Weiterbildung zu gestalten. Sie haben sowohl die Möglichkeit, mit drei verschiedenen Weiterbildungsstellen die vollständige Weiterbildung zu durchlaufen, als auch jedes halbe Jahr die Stelle zu wechseln. Darin liegt die Möglichkeit, sich eine Weiterbildung zu gestalten, die sich neben den vorgegebenen Regelungen an den persönlichen Interessen und Bedingungen orientiert. Hierfür ist es gut, wenn man sich rechtzeitig beraten lässt.

DÄ: Wo liegen Ihre Aufgabenschwerpunkte bei KoStA?

Koch: Zum einen ist dies sicher die Beratung der Weiterbildungsassistenten. Da geht es um das Abwägen der Reihenfolge der Weiterbildungsabschnitte, also das Erstellen von individuellen Rotationsplänen, um Interessen und persönliche Schwerpunkte. Es ist doch etwas anderes, ob man eine 35-jährige Ärztin berät, die bereits drei Kinder hat und möglichst viel Zeit im ambulanten Bereich absolvieren möchte, oder einen 26-Jährigen, der gerade sein Studium beendet hat.

Zum anderen erarbeiten wir ein Konzept, um mehr Weiterbildungsverbünde in Berlin zu etablieren. Ich telefoniere mit Kliniken und Praxen, stelle die Koordinierungsstelle vor und frage nach, ob bei Ihnen Interesse an einem solchen Verbund besteht. Für die Klinikchefärzte ist es ein neues Feld, im Bereich Innere Medizin oder Chirurgie einen Allgemeinmediziner auszubilden und eben keinen Chirurgen oder Internisten.

Dies muss sich alles erst einspielen und etablieren, denn wir fangen ja gerade erst an. Ich merke jedoch, dass das Interesse zunimmt. Allein in dieser Woche hatte ich einen Termin mit einer Klinik, die einen Weiterbildungsverbund organisieren möchte. Diese Klinik ist auf mich zugekommen mit der Bitte, sie zu beraten und zu unterstützen. Somit bin ich zuversichtlich, dass wir bald den vierten Weiterbildungsverbund benennen können. © fos/aerzteblatt.de

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Avatar #648603
normalerdoktor
am Samstag, 25. August 2012, 18:31

Neid...

... und Ausländerfeindlichkeit.

Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar.
Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Samstag, 25. August 2012, 17:34

Das ist genau das problem

anstatt dafür zu kämpfen, daß die Gehälter denen der Bankiten angeglichen werden, gibt man sich mit "Peanuts" zufrieden. Der Engländer hat stets verhindert, daß mehr als lächerliche 2% erreicht wurden. jeder Hilfsarbeiter bei Daimler lacht darüber. Wessen Interessen der MB wirklich vertritt wurde deutlich, als die Arbeitgeber das trojanische Pferd Hammerschlag für seine treuen Dienste belohnten. Den Engländer sollte man auf die Insel abschieben.
Avatar #648603
normalerdoktor
am Samstag, 25. August 2012, 07:54

Wer hilft, verliert?

Wo helfen Sie denn - sprich: sind Sie denn ärztlich tätig, dass Sie so verlieren? Da kann man doch nur empfehlen, suchen Sie sich eine ärztliche Tätigkeit, mit der Sie *glücklicher* werden können. Die Chancen dazu waren nie so gut wie heute.

Wenn es allerdings darum gehen sollte, Gehälter in der Höhe einzufahren, wie irgendwelche Bankmanager, dann müssen Sie freilich was ganz anders machen. Aber auch das steht Ihnen doch frei.

Und übrigens: Dass die Bezahlung, gemessen an dem was andere Menschen so verdienen, auch für angestellte Ärzte weiß Gott nicht sooo schlecht ist und das sie vor allem in den letzten Jahren erheblich gestiegen ist, ist nicht zuletzt dem (von Ihnen mit merkwürdig xenophobem Unterton so titulierten) "Engländer" zu verdanken.
Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Donnerstag, 23. August 2012, 14:20

Werte wie Erfüllung, Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit, für Andere da sein

schließen eine angemessenen Bezahlung (auf Bankitenniveau) natürlich aus. Ich habe von leuten wie dem Engländer vor allem eines gelernt: Wer hilft, verliert.
Avatar #648603
normalerdoktor
am Mittwoch, 22. August 2012, 00:21

Ach ja, Geld, Geld, Geld...

Natürlich ist das Sprechen über Geld nicht unethisch. Wenn uns Ärzten aber nichts anderes einfällt als immer nur diese Form von Entlohnung zu fordern, dürfen wir uns nicht wundern wenn die ärztliche Tätigkeit - egal ob in Klinik oder Praxis - jeden Tag ein bisschen mehr auch nur noch nach ökonomischen Gesichtspunkten bewertet wird.

Werte wie Erfüllung, Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit, für Andere da sein - man gibt sich ja geradezu der Lächerlichkeit preis, solche Begriffe überhaupt noch zu erwähnen. Eine Stelle wie die KoStA trägt sicher dazu bei, für Weiterbildungsassistenten wie auch für die Weiterbilder eine größere Zufriedenheit mit dem Beruf zu fördern. Und kreativer als einfach nur "mehr Geld" ist sie wohl allemal.

Woher kommt bloß die Lust, jede positive Initiative gleich madig zu machen und das Haar in der Suppe zu suchen?
Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Dienstag, 21. August 2012, 19:26

Und wie kann man Medizinstudierende dazu bringen, in die Allgemeinmedizin zu gehen?

Mit Geld vielleicht? Aber nein, das wäre ja unethisch, denn Arzt ist ja ein "nichtkommerzieller beruf" (Hoppe). Außerdem brauchen die Banken das Geld viel dringender.
LNS

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