NewsPolitikKrebs: Regierung will Vorsorge und Dokumentation verbessern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krebs: Regierung will Vorsorge und Dokumentation verbessern

Mittwoch, 22. August 2012

dpa

Berlin – Das Bundeskabinett hat am Mittwoch in Berlin den Entwurf eines Krebsfrüh­erkennungs- und -registergesetzes beschlossen. Es sieht vor, dass gesetzlich Kranken­versicherte – ähnlich wie beim Brustkrebs-Screening – künftig von einem bestimmten Alter an persönlich zu Früherkennungsuntersuchungen auf Darm- und Gebärmutter­halskrebs eingeladen werden. Außerdem sollen die Länder flächendeckend klinische Krebsregister einrichten. Deren Aufgabe ist es, möglichst vollzählig und einheitlich die Daten über das Auftreten, die Behandlung und den Verlauf von Krebserkrankungen in der ambulanten und stationären Versorgung zu erfassen und auszuwerten.

Mit dem Gesetzentwurf werden zentrale Empfehlungen des Nationalen Krebsplanes umgesetzt, den das Bundesministerium für Gesundheit im Juni 2008 gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren aufgelegt hat. Die Einzelheiten zur Umsetzung der erweiterten Früherkennungsuntersuchungen soll der Gemeinsame Bundes­aus­schuss festlegen. Er hat dafür drei Jahre Zeit.

Anzeige

„Die Regierung sagt dem Krebs den Kampf an“, erklärte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) im Vorfeld des Kabinettsbeschlusses bei einem Besuch des Zentrums für Krebsmedizin am Universitätsklinikum Münster. Davon, dass bestimmte Alters- und Risikogruppen künftig gezielt zu Früherkennungsuntersuchungen eingeladen werden, verspricht sich der Minister, dass mehr Menschen in Deutschland das bestehende Vorsorgeangebot in Anspruch nehmen.

Denn obwohl die Krankenkassen beispielweise zur Früherkennung von Darmkrebs seit 2002 für Patienten ab dem 55. Lebensjahr Vorsorge-Koloskopien bezahlen, liegt die Teilnahmerate bei lediglich drei Prozent, wie Daten aus dem Zentrum für Krebsmedizin belegen. „Mit den Einladungen zur Vorsorge appellieren wir an die Eigenverantwortung der Versicherten“, sagte Bahr in Münster. Neben den Versicherten profitierten auch die Krankenkassen von der verbesserten Früherkennung. Denn vermiedene oder in frühem Stadium erkannte Krebserkrankungen sparten Behandlungskosten.

Die geplante flächendeckende Errichtung klinischer Krebsregister schafft nach Ansicht von Bahr ein zentrales Instrument zur Qualitätssicherung und –verbesserung der onkologischen Versorgung. Erstmals ermöglichten einheitliche Dokumentations­standards, die gesammelten Daten bundesweit zu vergleichen. Die Registerdaten könnten beispielsweise Aufschluss darüber geben, welches Therapieverfahren den größten Erfolg verspricht.

Obwohl die Zielrichtung des Gesetzentwurfs – verbesserte Vorsorge und Dokumentation bei Krebserkrankungen – generell auf Zustimmung stößt, gab es auch Kritik. So bemängelt beispielsweise die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, Martina Bunge, dass es nicht gelungen sei, ein nationales Krebsregister einzurichten. Auch das Tempo der Umsetzung für die geplante kleine Lösung ist ihr zu langsam. „Das Register muss schneller stehen als 2018“, erklärte sie.

Die Krankenkassen kritisieren, dass sie allein die Finanzierung der klinischen Krebsregister übernehmen sollen. „Während der Nationale Krebsplan noch von einer geteilten Verantwortung von Bund, Ländern und Selbstverwaltung spricht, findet sich davon in dem jetzt diskutierten Entwurf nur noch wenig“, sagte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands Doris Pfeiffer. Der Gesetzentwurf beziffert die zusätzlichen Ausgaben für die GKV mit jährlich rund 43 Millionen Euro. © HK/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. Dezember 2019
Berlin – Das vor rund einem Jahr beschlossene neue Screening auf Zervixkarzinom soll wie geplant Anfang Januar 2020 starten. Das hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) heute beschlossen. Allerdings
Screening auf Gebärmutterhalskrebs soll wie geplant im Januar starten
4. Dezember 2019
Berlin – Die Früherkennung von Darmkrebs ist für Frauen zu kurz gehalten und sollte über das 75. Lebensjahr hinausgehen. Das erklärten Experten heute auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen
Darmkrebs: Vorsorgezeitraum für Frauen sollte verlängert werden
30. Oktober 2019
Mannheim/Heidelberg – Der Rechtsstreit in der Heidelberger Bluttest-Affäre zwischen Uniklinikum und dem Chef der Universitäts-Frauenklinik, Christof Sohn, geht in eine neue Runde. Uniklinik und
Rechtsstreit in der Bluttestaffäre geht in neue Runde
28. Oktober 2019
Dresden – Nach Schätzung des Krebsregisters der ostdeutschen Länder werden etwa 3.700 Frauen in diesem Jahr in Sachsen neu an Brustkrebs erkranken. Damit betreffe fast jede dritte Krebsdiagnose bei
Sächsische Ge­sund­heits­mi­nis­terin wirbt für Brustkrebsvorsorge
8. Oktober 2019
Bremen – Scharfe Kritik an einer Empfehlung im British Medical Journal (BMJ) zum Darmkrebsscreening hat das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) geübt. In dem Beitrag
Präventionsforscher betonen Bedeutung des Darmkrebsscreenings
30. September 2019
Salzgitter – Die Politik dringt darauf, dass Untersuchungen zur Früherkennung schwerer Krankheiten mittels Computertomografie (CT), die rechtlich unzulässig sind, nicht weiter angeboten werden dürfen.
Computertomografie: Illegale Angebote zur Früherkennung müssen verschwinden
27. September 2019
Heidelberg – Die Genetik spielt beim familiär erhöhten Darmkrebsrisiko offenbar eine weniger wichtige Rolle als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine epidemiologische Studie des Deutschen
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER