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Politik

Grünen kritisieren Konzept der Nationalen Kohorte

Mittwoch, 22. August 2012

Berlin - Die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Birgitt Bender, hat das Konzept der sogenannten Nationalen Kohorte kritisiert, einer multizen­trischen Studie, in der ab dem kommenden Jahr 200.000 Probanden medizinisch untersucht und ihre Lebensgewohnheiten erfragt werden. „Der Nationalen Kohorte liegt derzeit ein Konzept zugrunde, das man gemessen am bereits erreichten gesundheits­wissenschaftlichen wie sozialmedizinischen Forschungsstand als Rückschritt werten muss“, sagte Bender anlässlich der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen (Drucksachen-Nummer 17/10410).

Damit würden große Chancen auf Erkenntnisse zur Verbesserung der Bevölkerungs­gesundheit vertan, was wegen der langen Laufzeit von rund 30 Jahren und der vorgesehenen steuerlichen Fördermittel besonders ärgerlich sei.

Im Fragebogen unterrepräsentiert seien nach aktuellem Stand zudem Fragen zum sozialen Status, zu den Schutzfaktoren und zu den Lebenskontexten der Probanden, so Bender. „Dabei ließe sich selbst mit aufwendigsten medizinischen Untersuchungen nicht feststellen, welche Belastungs- und Schutzfaktoren über Gesundheit beziehungsweise Krankheit entscheiden.“ Und keine Blutuntersuchung könne Auskunft darüber geben, wie die Gesundheitschancen in der Bevölkerung verteilt seien.

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„Welchen Beitrag eine Kohortenstudie etwa zur Entwicklung von Strategien zur Verrin­gerung der gesundheitlichen Ungleichheit und Stärkung der gesundheits­bezogenen Chancengerechtigkeit liefern kann, das wird maßgeblich bereits mit der Konzeption der Studie entschieden“, befand die Grünen-Politikerin. In seiner Antwort schreibe das zuständige Bun­des­for­schungs­minis­terium, ein solcher Studiennutzen könne erst mit Vorliegen der Ergebnisse beurteilt werden. Das sei schon arg blauäugig. Fest stehe, dass sich aus medizinischen Daten keine bevölkerungsweite Strategie ableiten zur wirksamen Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung lasse.

Der Antwort der Bundesregierung zufolge befindet sich die Nationale Kohorte derzeit in der Pre-Test-Phase. Der Beginn der Hauptphase sei für Mai 2013 geplant. In den kommenden zehn Jahren werde die Kohorte von Bund und Ländern mit 140 Millionen und von der Helmholtz-Gesellschaft mit 70 Millionen Euro gefördert.

Soweit der Bundesregierung bekannt, sei geplant, sowohl den sozioökonomischen als auch den soziodemografischen Status der Probanden zu erfassen sowie genderspezifische Aspekte zu analysieren.

Die Daten- und Proben-Ressourcen, die im Rahmen der Nationalen Kohorte erhoben werden, sollen grundsätzlich von allen Forschern in Deutschland zu wissenschaftlichen Zwecken genutzt werden können, schreibt die Bundesregierung. Die Kohorte soll „eine belastbare klinische Datenbasis zur Gesundheitssituation in der Bevölkerung liefern“ und das bereits bestehende bevölkerungsbezogene Gesundheitsmonitoring am Robert Koch-Institut ergänzen. © fos/aerzteblatt.de

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