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Politik

Kassen fordern Ausbau der sektorübergreifenden Qualitätssicherung

Mittwoch, 22. August 2012

Doris Pfeiffer dapd

Berlin – Der GKV-Spitzenverband hat mehr Transparenz bei der Qualitätssicherung in der stationären und ambulanten Versorgung gefordert. „Wir haben schon ein sehr fortschrittliches Qualitätssicherungssystem im stationären Bereich durch die Erhebungen des Instituts für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA)“, erklärte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, am Mittwoch in Berlin. Allerdings würden bisher die Ergebnisse dieser Erhebung nur teilweise veröffentlicht. „Wir haben jetzt die Situation, dass knapp 50 Prozent aller Indikatoren veröffentlicht werden. Es macht aus unserer Sicht jedoch keinen Sinn, Daten die erhoben wurden, nicht zu veröffentlichen.“

Das AQUA-Institut veröffentlicht jährlich einen Qualitätsbericht über die stationäre Versorgung, der die Daten aller Krankenhäuser zusammenfasst. Jedes Krankenhaus ist zwar verpflichtet seine Ergebnisse der Qualitätssicherung auch für Patienten zugänglich zu veröffentlichen. Diese Berichte umfassen jedoch nur knapp die Hälfte aller gemessenen Indikatoren.

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Laut Bernhard Egger, Leiter der Abteilung Medizin beim GKV-Spitzenverband, werden aus zwei Gründen nicht alle Daten veröffentlicht: Zum einen, weil die Indikatoren nicht risikoadjustiert seien. Eine Klinik, die sich beispielsweise auf schwere Verlaufsformen einer Erkrankung spezialisiert hat oder häufig solche Fälle behandelt, würde aufgrund einer zu erwartenden höheren Komplikationsrate schlechtere Indikatoren aufweisen. Patienten, die eine geeignete Klink suchen, könnten sich davon negativ beeinflussen lassen. Das AQUA-Institut sei jedoch damit beauftragt, eine Risikoadjustierung zu erarbeiten, so dass auch diese Daten für den Patienten verständlich veröffentlicht werden könnten, so Egger.

Zum anderen gebe das AQUA-Institut an, dass ein Teil der Indikatoren nicht aussage­kräftig sei. „Dann brauchen wir diese aber auch nicht erheben“, betonte Egger. Deshalb fordere der GKV-Spitzenverband, dass die Krankenhäuser sämtliche Indikatoren veröffentlichen müssen, sobald das Problem der Risikoadjustierung gelöst sei.

Darüber hinaus fordert der GKV-Spitzenverband eine Weiterentwicklung der Indikatoren und eine sektorübergreifende Qualitätssicherung. „Wir stellen fest, dass es Bereiche gibt, in denen eine Operation sehr gut und ohne Komplikationen durchgeführt wird, im Nachgang häufig aber Probleme auftreten“, erklärte Pfeiffer. Ein Beispiel seien Gallenoperationen, die eine sehr gute Qualität hätten. „Deshalb müssen die Patienten wegen einer solchen Operation nur sehr kurz im Krankenhaus bleiben. Wir erfahren aber nicht, ob nach dem Krankenhaus noch Komplikationen vorliegen.“

Deshalb könne es sein, dass die Ergebnisse doch nicht so gut seien, wie es im Moment erscheine. Da die dafür notwendigen Daten nicht erhoben würden, tappe man dies­bezüglich im Dunkeln, betonte die GKV-Spitzenverbandsvorsitzende. Eine Wieder­aufnahme im selben oder einem anderen Krankenhaus solle deshalb künftig von der Qualitätssicherung erfasst werden.

„Damit wissen wird aber immer noch nicht, was ambulante gemacht wird“, betonte Pfeiffer. Sie forderte deshalb eine sektorübergreifende Qualitätssicherung. Erste Modellprojekte in dieser Richtung seien schon geplant und sollen ab 2014 anlaufen, beispielsweise für die Implantation von Herzschrittmachern und deren Folgeeingriffe.

Egger forderte, dass dabei auch ambulante Operationen miterfasst werden. „Dort werden die gleichen Eingriffe vorgenommen und es können auch die gleichen Daten erhoben werden.“ Bisher würden aber nicht mal für Praxen mit vielen Operationen entsprechende Daten veröffentlicht, sondern lediglich Qualitätsberichte, in denen die Ergebnisse mehrerer Praxen zusammengefasst sind. „Das ist für den Patienten nicht nutzbar“, betonte er.

Auch Pfeiffer wies auf die großen Unterschied in der Transparenz zwischen der stationären und ambulanten Versorgung hin. Niedergelassene Ärzte sind bisher nicht verpflichtet, ihre Ergebnisse der Qualitätssicherung zu veröffentlichen. „Wir fordern dass auch Vertragsärzte mit in die öffentliche Berichterstattung kommen“, so Pfeiffer. „Wir haben im vergangenen Jahr die Information bekommen, dass es bei den ambulanten Arthroskopien bei über 35 Prozent der Operationen zu schwerwiegenden Mängeln kam.“

Da die Verantwortung für die Qualitätssicherung bei den Kassenärztlichen Vereinigungen liege, wisse man nicht, welche Maßnahmen dagegen ergriffen wurden. „Hier haben wir einen von den kassenärztlichen Vereinigungen sehr abgeschotteten Bereich“, kritisierte die GKV-Spitzenverbandsvorsitzende.

„Das Thema Qualitätssicherung ist bei den Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gut aufgehoben“, betonte ein Sprecher der KBV. Den Vorwurf intransparent zu arbeiten, wies er zurück. „Wer sich mit den Qualitätsberichten auseinandersetzt, wird feststellen, dass sie sehr ausführlich sind.“ Darüber hinaus sei der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) eine Garantie für die Qualität, da nur ein Arzt mit der entsprechenden Fachkenntnis eine Behandlung durchführen dürfe. „Keine KV wird einen Arzt eine Tätigkeit ausführen lassen, für die er nicht die notwendigen Qualifikationen nachweisen kann.“ © mei/aerzteblatt.de

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