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Munte: Engagement für die spezialfachärztliche Versorgung

Donnerstag, 23. August 2012

München – Chancen und Risiken der zukünftigen ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte werden derzeit im Gesundheitswesen diskutiert - ebenso aber, wann es überhaupt so weit sein wird. Axel Munte, ehemals Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, ist überzeugt von den Chancen. Er hat vor kurzem mit Gleichgesinnten einen Verband für Ärztinnen und Ärzte gegründet, die hochspezialisierte Leistungen erbringen wollen.

5 Fragen an Axel Munte, Vorstand der Bundesvereinigung ambulante spezialfachärztliche Versorgung

DÄ: Herr Munte, vor einem guten halben Jahr haben Sie und Kollegen einen neuen Verein gegründet, der sich mit dem neuen Versorgungsbereich der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung befasst. Was hat Sie dazu bewogen, und wie sind Ihre Erfahrungen bisher?

Munte: Es geht mir und den Kollegen, die das unterstützen, um eine möglichst positive Entwicklung dieses neuen Ansatzes nach Paragraf 116 b Sozialgesetzbuch V und um Einflussnahme bei der Entwicklung der Qualitätskriterien. Letztere liegen mir besonders am Herzen. Wir wollen mit den zuständigen Gremien im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss Kontakt aufnehmen, halten und so die Entwicklung begleiten.

Angefangen haben wir mit einem guten Dutzend Mitglieder. Bis zum Jahresende rechnen wir mit etwa 200 direkten Mitgliedern und auch Verbandsbeitritten. Vor kurzem haben wir ein Fachsymposium in München veranstaltet mit dem Titel „Kassenschlager oder Ladenhüter – was bringt die ambulante spezialfachärztliche Versorgung?“ Wir wollen, auch durch solche Veranstaltungen, nach und nach bekannter werden, um zu wachsen und an Einfluss zu gewinnen. Vor allem wollen wir aber Sacharbeit leisten für einzelne Fachgruppen. Augenblicklich unterstützen wir schwerpunktmäßig Ärztinnen und Ärzte in der onkologischen Versorgung und Spezialisten in den Medizinischen Versorgungszentren.

DÄ: Ihr Vereinsname signalisiert es schon: Sie sind ein Verfechter eines neuen spezialfachärztlichen Versorgungsbereichs, kurz ASV. Glauben Sie, dass dieser Ansatz ein Erfolg wird?

Munte: Ich glaube fest an einen Erfolg der ASV. Nicht zuletzt, weil ich die Erfahrung und den Gestaltungswillen von Josef Hecken, dem neuen unparteiischen Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses, schätze. Der Ausschuss arbeitet ja derzeit an einer Richtlinie.  Aber natürlich machen mich viele ungelöste Fragen nachdenklich. Tendenziell sieht sich ja jede Ebene durch die ASV benachteiligt. Ich denke da vor allem an die versorgenden Fachärzte, die fürchten, ihr Honorarkuchen könne durch den neuen Bereich kleiner werden. Schließlich kommt für die ASV kein neues Geld ins System.

DÄ: Was kann denn ein so kleiner Verband wie Ihrer ausrichten, um den neuen Ansatz zu fördern?

Munte: Klein?  Wir werden mit der Umsetzung der ASV wachsen, da bin ich sicher. Wir fokussieren etwas, was andere Berufsverbände nicht wagen: Wir werden die spezialfachärztlichen Versorger, die sich den Herausforderung der ASV stellen, als wesentliche Träger von Innovation und Qualität im deutschen Gesundheitswesen positionieren. Sie werden mit der ASV die tragende Säule für moderne, transparente Qualitätsanforderungen.  Diese Ärzte werden mit der großen Herausforderung, die Vergütung an Qualität zu koppeln, kaum Probleme haben.  Darum unterstützt unser Verband auch die Idee des „pay  for performance“ , also der ergebnisorientierten Honorierung.

DÄ: Sie haben in diesem Zusammenhang schon geäußert, dass Sie Selektivverträge nach Paragraf 73 c  Sozialgesetzbuch V (besondere ambulante ärztliche Versorgung) fördern wollen. Wenn man nach Baden-Württemberg blickt, kann man erkennen, dass das kein einfaches Geschäft ist.

Munte: Ich bin dennoch sehr optimistisch, eben weil wir mit unserem Verband einen anderen Weg beschreiten wollen als andere. Meiner Meinung nach hat die Art und Weise, wie Hausarztverträge nach Paragraf 73 b erzwungen wurden, gerade in Bayern, den Ruf von Selektivverträgen verdorben. Es ging zu sehr nur um mehr Geld ohne mehr oder gar bessere Leistung. Mit schlechten 73-b-Verträgen wurden aber auch 73-c-Verträge diskreditiert. Ich möchte zeigen, dass sie eine Zukunft haben.   

Wir wollen Verträge fördern, bei denen die Indikation für die diagnostischen und therapeutischen Leistungen stimmt und bei denen wir diese Leistungen elektronisch dokumentieren. Dann sehen wir am Ende in „pay for performance“ eine wesentliche Entwicklungsmöglichkeit für eine gute Versorgung in Deutschland. Es gibt meiner Meinung nach sehr viele Ärztinnen und Ärzte, die motiviert sind, mit hoher Qualität zu arbeiten, und die dazu auch in der Lage sind. Sie müssen dann aber auch ihre Qualität darstellen dürfen.

DÄ:  Zu Ihrer Zeit als Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns haben Sie viel Energie in Projekte der Qualitätsverbesserung und –sicherung gesteckt. Beispiele: ein bayernweites Projekt zur verbesserten Brustkrebsfrüherkennung, eines zur Hygiene in der Endoskopie und auch die Dachmarke „Ausgezeichnete Patientenversorgung“, worunter knapp 20 Qualitätsmaßnahmen gefasst wurden. Liegt heute nicht sehr viel mehr Augenmerk auf der Qualität von Leistungen als früher? Und werden Qualitätsaspekte nicht automatisch eine große Rolle spielen, wenn es um den neuen Versorgungsbereich der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung geht?

Munte: Ehrlich gesagt, davon träume ich für unsere Patienten. Wenn ich wach bin, sehe ich den erhofften Fortschritt nur langsam kommen. Leider ist „Qualität“ ein Überbegriff geworden, der bei jeder Gelegenheit gebraucht wird. Wenn man genauer hinschaut, findet man aber oft nicht nachvollziehbare Qualitätsbehauptungen. Warum legen manche Gynäkologen eine Internetprüfung  zu Ultraschall für schwangere Frauen nicht ab, obwohl ihr Honorar dann in Bayern deutlich abgesenkt wird? Warum arbeiten Ärzte teilweise mit zu alten Geräten?

In Bayern gab es Ärger, als ich die Gesamtergebnisse der Koloskopien vierteljährlich ins Internet stellen ließ. Bald wollten aber viele Ärzte, die koloskopieren, anonymisiert verfolgen, wie sie im Vergleich zu anderen dastehen. Ich habe daraus gelernt, dass Kolleginnen und Kollegen Angebote schätzen, die sie nicht bestrafen, sondern es ihnen ermöglichen zu erkennen, ob und wo sie Nachholbedarf haben.  Wissen Sie, wir Ärzte wollen mit Leidenschaft immer das Beste für unsere Patienten. Aber wir haben oft kein Korrektiv, keine Kollegin oder Kollegen als kritischen Begleiter. Ein Arzt in der Einzelpraxis glaubt immer, dass er gut ist, ohne zu wissen, dass ihn möglicherweise der Fortschritt in der Medizin überholt hat. Im Bereich der ASV wird das sicher anders sein, sonst verlieren die Ärzte die Genehmigung zur Leistungserbringung. © Rie/aerzteblatt.de

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