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Politik

Altpeter fürchtet um Landesstrukturen durch geplantes Krebsregister

Freitag, 24. August 2012

Stuttgart – Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) hat die Pläne der Bundesregierung zur flächendeckenden Einführung eines Krebsregisters kritisiert. Sie begrüßte zwar, dass mit dem Gesetzentwurf der Bundesregierung ein gesetzlicher Rahmen zur dauerhaften Umsetzung und Finanzierung einer flächendeckenden klinischen Krebsregistrierung geschaffen werden solle, sagte Altpeter am Freitag. Insgesamt gehe der Entwurf der schwarz-gelben Bundesregierung aber über ein Rahmengesetz weit hinaus und regele in vielen Bereichen zahlreiche Detailvorgaben für die Länder.

Die Landesgesetzgeber hätten dadurch kaum noch Gestaltungsspielraum, um landesindividuelle Besonderheiten und bestehende Strukturen bei der Umsetzung der Gesetzesvorgaben zu berücksichtigen, gab die Ministerin zu bedenken. In den Ländern bestehende und bewährte Strukturen könnten hierdurch gefährdet werden.

Obwohl Baden-Württemberg beispielsweise mit der zentralen Landesregisterstelle sehr gute Erfahrungen gemacht habe, sehe der Gesetzesentwurf des Bundesgesund­heitsministeriums nun doch vor, keine zentralen klinischen Krebsregister in den Bundesländern einzurichten, monierte die Ministerin. Bleibe es dabei, würde dies Baden-Württemberg zu aufwendigen Umstrukturierungen verpflichten, „obwohl wir mit unserem System beste Erfahrungen gemacht haben".

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Liberale weisen Kritik zurück
Der sozialpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Jochen Haußmann, wies die Kritik Altpeters zurück. Diese sollte an die betroffenen Menschen denken, „statt reflexhaft als SPD-Ministerin einen Gesetzentwurf aus einem FDP-geführten Bundesgesundheits­ministerium zu kritisieren".

Haußmann führte an, „wir brauchen effektive und effiziente Strukturen, wenn wir im Kampf gegen Krebs vorankommen wollen". Deshalb sei es sinnvoll, den Ländern konkrete Standards vorzugeben, um zu einem bundesweiten Ranking und Qualitäts­wettbewerb kommen zu können. Wenn nun die zentrale Landesregisterstelle in Baden-Württemberg weiterentwickelt werden müsse, so sollte das im Sinne der Betroffenen begrüßt werden, unterstrich der Gesundheitsexperte.

Altpeter kündigte an, sie werde im weiteren Gesetzgebungsverfahren versuchen, den Bund dazu zu bewegen, den Ländern bei der Krebsregistrierung mehr Gestaltungsraum für länderspezifische Besonderheiten zu belassen. © dapd/aerzteblatt.de

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Avatar #110206
kairoprax
am Samstag, 25. August 2012, 10:20

sind ländereigene under bundesweite Krebsregister besser?


Zuerst einmal muß man meinem Parteifreund Haußmann von der F.D.P. sagen, daß es sich hier keineswegs um "Strukturen im Kampf gegen den Krebs" handelt.
Ob man und wie man gegen den Krebs effektiv vorgehen kann oder auch nicht, darüber läßt sich streiten. Ich denke, sowohl das Mamma-Ca-Screening wie auch die Art und Weise der Coloskopie-Bewerbung zeigen eine tiefe Kluft zwischen dem materiellen Einsatz und dem tatsächlichen Erfolg.

Hier kann mittel- bis langfristig ein zentrales Register - sofern man bereit ist, Dogmen auch tatsächlich aufzugeben - für tatsächlich mehr Erkenntnis sorgen. Es würde unter Umständen auch zeigen, welche Methoden die effektiveren sind, und zwar sowohl in der Prävention, in der Diagnostik und in der Therapie.
Hier könnte sich rasch zeigen, daß die von der Industrie so gerne angewandte und als Goldstandard verkaufte Methode der prospektiven Studien eher nachteilig ist gegenüber einem sauber strukturierten und retrospektiv arbeitenden Register.

Es ist ein Register.
Register sind umso besser, je weniger Personen und Institutionen die Registerdaten filtern, steuern, interpretieren oder moderieren können. Hier liegt in meinen Augen das Problem in Baden-Württemberg.

Frau Altpeter sollte im Landesinteresse darauf hinarbeiten, daß eine Registerarchitektur geschaffen wird. Es muß mithilfe des Registers möglich sein, daß auch ein Ranking unter den landes- und bundeseigenen Krebszentren möglich ist. Aber nicht nur das, es könnten vielleicht auch alternative Therapieerfolge und die Effizienz oder Qualität der Arbeit außerhalb der Zentren bewertet werden.

Nur ein bundesweites und zentrales Register könnte Überlebens- oder Heilungsdaten konkurrierender Ansätze fördern. Und nur ein bundesweites Register könnte sich auch internationalen Vergleichen stellen. Ganz abgesehen davon, daß ein bundesweites Register unerläßlich ist, um Atlanten zu erstellen.
Baden-Württemberg liefert übrigens erst seit 2009 Daten und liegt damit hinter etwa zehn anderen Bundesländern zurück. Wir haben also keineswegs die von Frau Altpeter genannten guten Ergebnisse vorzuweisen und sollten uznser Bundesland selbstkritischer sehen.

215.000 Menschen starben 2008 in Deutschland an Krebs, 215.000 von 81,8 Millionen, also etwa 2,5 Promille. Auch wenn das subjektiv und medial gerne anders dargestellt wird, ist Krebs damit keineswegs eine häufige Krankheit. Das macht eine statistische Arbeit wegen der kelien Zahl für ein einzelnes Bundesland, selbst bei 10 Millionenj Einwohnern wie in Baden-Württemberg, nicht einfach. Wenn dem noch die Prävalenz von 1,3 Millionen Krebspatienten gegenübergestellt wird, ist Krebs erkennbar nicht einmal eine 100% tödliche verlaufende Krankheit, denn sonst müßte die Zahl der Todesfälle enger bei der Prävalenz liegen. Wieviele Krebspatienten verdanken ihr Überleben der Krebstherapie und wieviele würden ohnehin an anderen Todesursachen sterben? Beantworten kann das nur ein Register. Ich bin wissenschaftlich und medizinische sehr gespannt und freue mich regelrecht auf das, was da kommt - nur, man sollte nicht schon im Vorfeld gegeneinander auf den Füßen der Kompetenz herumtrampeln. Es geht um Problemlösung...

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
LNS

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