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Politik

Betriebsärzte und Unternehmen reagieren auf psychische Belastungen am Arbeitsplatz

Mittwoch, 29. August 2012

dapd

Berlin – Werden psychische Erkrankungen einfach häufiger diagnostiziert oder sind die Menschen tatsächlich kränker geworden? Liegen die Gründe für die gestiegenen Diagnosen psychischer Erkrankungen an der zunehmenden Verdichtung am Arbeits­platz, oder muss man die Gründe auch im Privaten suchen? Diese Fragen wurden bei der „Personaldebatte zum Frühstück“ am Mittwoch in Berlin, veranstaltet von dem Personaldienstleister PEAG, diskutiert. „Hektik, Stress und Leistungswahn – psychische Erkrankungen als Risiko am Arbeitsplatz“ lautete der Titel der Veranstaltung.

Gegen eine „einseitige Fokussierung auf die Bedingungen am Arbeitsplatz“ sprach sich Christian Weber, Abteilungsleiter „Grundsatzfragen der Gesundheitspolitik, Pflege­versicherung, Prävention“ im Bundesgesundheitsministerium (BMG), aus. Seiner Ansicht nach liegen die Gründe für die enorm gestiegenen Ausfallzeiten von Arbeitnehmern – beispielsweise ist nach dem aktuellen AOK-Fehlzeiten-Report die Zahl der Arbeitsun­fähigkeitstage bei AOK-Versicherten aufgrund eines Burnout-Syndroms zwischen 2004 und 2011 von 8,1 Tagen um das elffache auf 94,4 Tage gestiegen – auch im Privaten und in einer immer älter werdenden Gesellschaft.

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„Wenngleich die zunehmende Flexibilisierung und die Produktivitätssteigerungen in der Arbeitswelt natürlich Auswirkungen auf den Einzelnen haben, müssen wir uns hüten vor Monokausalität“, warnte Weber.

„Wir beobachten, dass die Arbeitnehmer, die uns aufsuchen, ganz deutlich von zuneh­menden Belastungen und psychischem Stress sprechen“, berichtete Anette Wahl-Wachen­dorf, Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte.  Unabhängig davon, ob die Gründe dafür im Betrieb oder im Privaten lägen, „müssen wir uns um die Menschen kümmern“, forderte die Ärztin. Die Unternehmen hätten dafür verschiedene Instrumente zur Verfügung, wie Gefährdungsanalysen und Gesundheits­managementsysteme. Letztlich gehe es aber darum, die Betroffenen „auf den Weg zum Facharzt zu bringen“.

Große Unternehmen seien hinsichtlich einer betrieblichen Gesundheitsorganisation bereits gut gerüstet, glaubt-BMG-Abteilungsleiter Weber. So habe beispielsweise die Deutsche Telekom einen E-Mail-Stopp für ihre festangestellten Mitarbeiter außerhalb der Arbeitszeit eingerichtet. „An kleine und mittelständische Unternehmen kommen wir aber schlecht ran.“

Unter anderem darauf will das BMG mit einer „Präventionsstrategie“ reagieren: Betriebliche Gesundheitsförderungsmaßnahmen sollen dabei vorgestellt werden, und die Stellung der Betriebs- und Werksärzte soll gestärkt werden. Konkreteres wollte Weber noch nicht verraten: „Wir stellen die Präventionsstrategie in ein paar Wochen vor“, kündigte er an.

Wahl-Wachendorf sieht „nicht die Unternehmer als Experten für den Gesundheitsschutz“, sondern die Betriebsärzte. Deren Umgang mit dem Thema psychische Belastungen sieht sie indes als noch verbesserungsfähig an. „Wir haben viele Kollegen bereits zu diesem Thema geschult, doch das Selbstverständnis der Einzelnen ist sehr unterschiedlich.“ Rund 12.000 Betriebs- und Werksärzte gibt es in Deutschland. Wahl-Wachendorf findet das angesichts der Herausforderungen „zu wenig“. © pb/aerzteblatt.de

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