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Medizin

Kardiogener Schock: Ballonpumpe ohne zusätzlichen Nutzen

Donnerstag, 30. August 2012

München – Die intraaortale Ballongegenpulsation bringt Patienten, die sich nach einem akuten Herzinfarkt im kardiogenen Schock befinden, keinen klinischen Vorteil gegenüber der alleinigen perkutanen Wiedereröffnung stenosierter Koronararterien (PTCA). Zu diesem überraschenden Ergebnis kam die IABP-SHOCK-II-Studie* (Intraaortic Balloon Support for Myocardial Infarction with Cardiogenic Shock), die mit 600 Patienten größte bisher durchgeführte interventionelle Studie zum kardiogenen Schock.

Die Ergebnisse wurden auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München präsentiert und gleichzeitig im New England Journal of Medicine veröffentlicht (DOI: 10.1056/NEJMoa1208410).

Rund fünf bis zehn Prozent der Patienten geraten nach einem akuten Myokardinfarkt je nach Infarktgröße in einen kardiogenen Schock. In den letzten Jahren ist es gelungen, durch interventionelle Maßnahmen, insbesondere der Revaskularisation, die Sterblichkeit von rund 80 auf etwa 40 Prozent zu senken.  Ein Gerät, das seit langem in der Behandlung von Patienten im kardiogenen Schock Anwendung fand, ist die intraaortale Ballonpumpe (IABP). Dieser Ballon pumpt sich auf und entspannt sich gegenläufig zur Aktion des Herzmuskels: In der Diastole erhöht und verlängert sich dadurch der aortokoronare Druck und in der Systole wird die Pumparbeit entlastet.

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Die IABP ist eines der ältesten kardiologischen Medizinprodukte, das seit fast 50 Jahren millionenfach eingesetzt wurde. Die Behandlungsempfehlungen zum Einsatz der Pumpe sind allerdings uneinheitlich: In den US-Empfehlungen wird der Stellenwert der IABP höher angesetzt als in den europäischen, in den deutsch-österreichischen Leitlinien gibt es aufgrund der unzureichenden Evidenz lediglich eine Kann-Empfehlung. Bisher fehlte aber der Nachweis, dass eine Verringerung der Sterblichkeit erreicht werden kann.

Basierend auf einer kleinen früheren Pilot-Studie wurde federführend durch Holger Thiele vom Herzzentrum Leipzig die randomisierte, prospektive „IABP-SHOCK II Studie“ an 37 Zentren in Deutschland initiiert. Wie Thiele auf dem ESC-Kongress für ein multizentrisches Team berichtete, wurden im Zeitraum von Juni 2009 bis März 2012 600 Patienten mit kardiogenem Schock als Folge eines Myokardinfarktes, die eine frühe Revaskularisation erhalten haben, entweder nur intensivmedizinisch begleitet oder erhielten zusätzlich eine IABP.

Die 30-Tage-Sterblichkeit war in beiden Studienarmen – mit 39,7 Prozent im IABP-Arm und 41,3 Prozent im Kontrollarm – vergleichbar. Patienten, die mit IABP versorgt wurden, hatten also kein geringeres Risiko zu versterben, als jene, die nach der Revaskularisation lediglich eine intensivmedizinische Standardbehandlung erhielten. Genauso wenig zeigte sich bei anderen Faktoren ein Vorteil für die IABP: Der Blutdruck, die Katecholamindosen, die Nierenfunktion, Entzündungsparameter, intensivmedizinische Scores sowie Behandlungs- oder Beatmungstage waren vergleichbar zwischen den beiden Behandlungsgruppen.

Wenn sich auch kein klinischer Vorteil für die IABP ergab, so zeigte sich doch deren Sicherheit: In der Ballonpumpen-Gruppe gab es nicht mehr Komplikationen als in der Kontrollgruppe. Die Ergebnisse von IABP-SHOCK-II, die mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Herzstiftung, die Multicenter-Studie durchgeführt worden ist, haben bereits Einfluss auf die klinische Praxis genommen: In den im August aktualisierten ESC-Guidelines zum Management des Herzinfarkts mit ST-Streckenhebung (STEMI) wurde der Einsatz der Ballonpumpe auf Empfehlungsgrad 2B herabgestuft. © zyl/aerzteblatt.de

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