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Ärzteschaft

Weniger Honorar? „Die Kollegen sind stocksauer“

Donnerstag, 30. August 2012

Berlin – Der NAV-Virchow-Bund stellt seine Berliner Geschäftsstelle als Koordinierungs­stelle für kommende Ärzteproteste zur Verfügung. Der NAV-Bundesvorsitzende Dirk Heinrich zu den Forderungen der Kassen nach Honorarkürzungen, unzulässigen Einkommensberechnungen und dem Zorn der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte.

5 Fragen an den NAV-Bundes­vor­sitzen­den Dirk Heinrich

DÄ: Herr Heinrich, warum bieten Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen eine Koordinierungsstelle für Ärzteproteste an?

Heinrich: Wir haben in den letzten Tagen festgestellt, dass eigentlich alle ärztlichen Berufsverbände dieselben Ansichten zu den von den Kassen geforderten Honorar­kürzungen vertreten und auch dieselben Maßnahmen für notwendig erachten. Deswegen erschien es uns sinnvoll, dies an einer Stelle zusammen laufen zu lassen. Jeder Verband, der mitmachen möchte, kann seine Ideen und Aktionen  unserer Geschäftsstelle melden, wir veröffentlichen sie, und wir koordinieren sie auch. Wenn wir alle Mitarbeiter in den Geschäftsstellen der ärztlichen Verbände in Berlin zusammen rechnen, kommen wir sicher auf 70, 80, die mitarbeiten können. Das hat eine andere Qualität, als wenn nur ein kleiner Verband Protestaktionen organisiert.

DÄ: Rechnen Sie ernsthaft mit Praxisschließungen aus Protest?

Heinrich: Wenn es zu einer Nullrunde oder nur zu einer minimalen Steigerung von ein oder zwei Prozent beim Honorar kommt: ja.

DÄ: Glauben Sie wirklich, dass die Krankenkassen sich mit ihrem Vorschlag für Honorarkürzungen durchsetzen können?

Heinrich: Lassen Sie mich etwas ausholen. Wir fordern zusammen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ja rund elf Prozent mehr Honorar, also 3,5 Milliarden Euro. Das ist vielen Ärztinnen und Ärzten noch zu wenig, weil wir ja immer noch bis zu einem Viertel unserer Leistungen zu abgestaffelten Preisen erbringen und die Honorarordnung, der EBM, unterkalkuliert ist. Elf Prozent plus sind für uns die untere Grenze. Wie die Kassen minus sieben Prozent zu fordern und damit die Absenkung von Ärztehonoraren zu verlangen, das hat es noch nie gegeben. Das ist eine Unverschämtheit, die dazu geführt hat, dass es so schnell so heftige Proteste gab. Wenn Sie mit den Ärzten an der Basis reden, merken Sie: Die Leute sind stocksauer.

Ich vermute, die Kassen halten unsere Forderung im Grunde für realistisch und haben sich überlegt, wie sie dagegen argumentieren können. Sie fordern ein Minus und hoffen vielleicht, dass wenigstens eine Nullrunde herauskommt. Aber eine Nullrunde würde in Wahrheit ein Minus für die Ärzte bedeuten, weil alle Praxiskosten gestiegen sind.

DÄ: Die Krankenkassen haben die Firma Prognos kürzlich mit einem Gutachten zur Honorarentwicklung beauftragt, aus dem hervorgeht, dass die Praxiskosten gestiegen sind. Die Forderung nach einer Honorarkürzung wird damit begründet, dass die Honorareinnahmen der Ärzte aber sehr viel stärker gestiegen seien als die Kosten. Was ist daran falsch?

Heinrich: Diese Argumentation ist nicht nur falsch, sondern auch rechtswidrig. Die Kassen vermischen trotz anderer gesetzlicher Vorgaben nämlich Preis- und Mengenkomponente beim Honorar. Die Einnahmen sind vor allem als Folge davon gestiegen, dass die Menschen älter und behandlungsbedürftiger werden. Dieses Morbiditätsrisiko müssen aber die Krankenkassen tragen, nicht die Ärzte. Steigende Krankheitslast bedeutet nun einmal steigende Kosten. Jetzt zu argumentieren, dann könne man ja den Preis für die Leistung senken, ist so, als ob man der Feuerwehr das Geld kürzen würde, weil es mehr Brände gab.

DÄ: Häufig heißt es: Die Kassenärztlichen Vereinigungen können für ihre Region ja noch Zuschläge verhandeln. Ist das realistisch?

Heinrich: Werden auf Bundesebene nur geringe Honorarsteigerungen verhandelt, werden die Ärztinnen und Ärzte auf Landesebene mehr fordern müssen. Nur: Dann wird es sehr unterschiedliche Ergebnisse von Bundesland zu Bundesland geben. Und wir bekommen dann sicher echte Arbeitskämpfe in einigen Regionen. © Rie/aerzteblatt.de

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M.Poland
am Montag, 3. September 2012, 08:29

Wir brauchen: Das Gesundheitsparlament

Ärzte sind nicht die Arbeitnehmer der Kassen, sie sind die Vertrauensnehmer der Patienten. Die Kassen sind somit nicht die Verhandlungspartner der Ärzte - dies sind in Wahrheit allein die Versicherten. Diese haben bislang an die Kassen keinerlei Auftrag und Legitimation zur Führung dieser Verhandlungen übergeben. Honorarverhandlungen könnten in legitimer Form nur zwischen Ärztevertretern und dem hierfür einzurichtenden Ausschuss eines - noch - nicht existierenden Gesundheitsparlamentes, welches analog zum Bundestag gewählt werden müßte, geführt werden. Das Kassensystem als ein (fauler) Staat im Staate einschl. insbesondere des GBA muss durch ein Gesundheitsparlament ersetzt werden.
Näheres s.unter www.Praxis-Poland.de
LNS

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