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Transplantations­medizin: Montgomery für Balance zwischen Staat und Selbstverwaltung

Freitag, 31. August 2012

Frank Ulrich Montgomery /Lopata

Berlin – Eine ausschließlich staatliche Kontrolle der Transplantationsmedizin angesichts des jüngsten Skandals lehnt der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, strikt ab. „In der Prüfungs- und Überwachungskommission sind bereits Vertreter der Länder mit dabei. Sie sind über alles informiert. Insofern haben wir den Staat dabei. Deshalb empfinde ich die Frage, ob staatliche Kontrolle oder Selbstverwal­tungs­kontrolle besser ist, als nachrangig“, erklärte er im Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt.

Die Bundes­ärzte­kammer könne bei dem Transplantationsskandal in Göttingen und Regensburg beweisen, dass die Selbstverwaltung hervorragend funktioniert habe: „Wir haben alles aufgeschrieben, aber staatliche Instanzen haben nichts gemacht“, betonte Montgomery.

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Einen Konflikt  zwischen staatlichen Instanzen und der Selbstverwaltung will der Präsident jedoch nicht konstruieren. Für wünschenswert hält er stattdessen eine Kombination von Selbstverwaltung und Behörden. Denn jeder brauche den anderen. „Es geht nie ohne den Sachverstand der Fachleute in den Kommissionen. Ich wünschte mir aber sehr, dass dort auch Menschen mit einer polizeiähnlichen Kompetenz sind“, betonte Montgomery.

Die Etablierung einer neuen staatlichen Behörde zur Kontrolle der Transplantations­medizin hält auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) nicht für sinnvoll:  „Es muss keine Super-Behörde geschaffen werden. Sie würde nichts besser machen“, sagte er im Anschluss an ein Krisentreffen mit Vertretern der Selbstverwaltung und den Ländern am 27. August in Berlin. Man setze vielmehr auf eine Verbesserung der bestehenden Strukturen.

Bei dem Spitzentreffen hatten sich die Beteiligten auf einen Maßnahmenkatalog geeinigt. So soll unter anderem die Prüfungskommission der Bundes­ärzte­kammer um zusätzliche unabhängige Experten erweitert werden. Ferner sollen künftig Organspenden von einer interdisziplinären Transplantationskonferenz in den Kliniken überwacht werden.

Auch Montgomery hofft, dass durch zügige Konsequenzen aus den jüngsten Vorfällen das Vertrauen der Bevölkerung in die Organspende wieder hergestellt werden kann. Allerdings sei der Skandal von Göttingen und Regenburg eigentlich „kein Skandal der Organspende, sondern ein Skandal einiger Transplantationsmediziner“, betonte er. Zudem müsse man die Relation sehen: Bei mehr als 50.000 Transplantationen in den letzten zehn Jahren seien 119 Auffälligkeiten entdeckt und 21 Verstöße gegen die Richtlinien dabei gefunden worden.

Auch die Nutzung des beschleunigten Vermittlungsverfahrens sei kein Skandal, sondern wäre von allen Beteiligten so gewollt gewesen, um keine Organe zu verschwenden, sagte er. „Wenn davon aber nun ein so starker Gebrauch gemacht wird, müssen wir uns fragen, ob wir die Richtlinien nachbessern müssen. Dies prüfen wir derzeit“, bestätigte der BÄK-Präsident. Zudem wolle man versuchen, künftig möglichen Betrug durch das Mehraugenprinzip sowie durch Transplantationskonferenzen zu unterbinden.

Montgomery plädiert aber auch für schärfere  Instrumente, mit denen Verstöße geahndet werden sollen: beispielsweise den Entzug der Approbation und die Schließung eines Transplantationszentrums. „Es handelt sich schließlich um einschneidende Verstöße: Das Fälschen von Daten von Menschen auf einer Warteliste ist ein tiefer Einschnitt in die menschliche Gerechtigkeit. Da werden Lebenschancen verändert. Das ist keine Banalität“, erklärte der Präsident. Gleichzeitig hält er auch strafrechtliche Sanktionen für angebracht. © ER/aerzteblatt.de

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