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Medizin

Schmerzmittel könnten rheumatische Erkrankung bremsen

Montag, 3. September 2012

Bochum – Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) könnten nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch das Fortschreiten einer ankylosierende Spondylitis, auch Morbus Bech­terew genannt, bremsen. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). „Diese Erkenntnis wird die Therapie wahrscheinlich maßgeblich verändern“, sagte einer der Autoren einer entsprechenden Studie in den Annals of Rheumatic Diseases, Joachim Sieper, Leiter der Rheumatologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin (doi 10.1136/annrheumdis-2011-201252).

Bis zu 340.000 Menschen leiden in Deutschland an ankylosierender Spondylitis (AS). Viele Betroffene klagen über Schmerzen in der Wirbelsäule, im Kreuz, in den Gesäßhälften oder in den Hüften. Morgens sind die Beschwerden besonders stark. In der zweiten Nachthälfte wachen die Patienten oft wegen der Schmerzen auf, dann müssen sie sich bewegen, um sich Erleichterung zu verschaffen.

„Oft treten die Symptome bereits im Alter von etwa 26 Jahren auf,“ sagte Jürgen Braun, Kongresspräsident der DGRh. Eine frühe Diagnose ist laut der Fachgesellschaft wichtig, denn der entzündliche Prozess könne zu einer knöchernen Versteifung der Wirbelsäule führen.

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Gegen Schmerzen und Steifheit verordnen Ärzte NSAR wie Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin oder ein Coxib. Aber mehr als die Hälfte der Patienten nimmt diese Mittel laut der DGRh nicht regelmäßig, zum Beispiel dann, wenn die Beschwerden relativ gering sind oder wenn andere Arzneimittel wie die TNF-Blocker einnehmen.

„Dabei zeigen Studien, dass eine regelmäßige NSAR-Einnahme über einen längeren Zeitraum nicht nur die Symptome lindert, sondern auch das Fortschreiten der Erkrankung bremsen kann – allerdings nur bei bestimmten Patienten,“ sagte Sieper. Die Berliner Rheumatologen untersuchten den Verlauf von 88 Patienten über zwei Jahre. Diejenigen Patienten, die regelmäßig NSAR eingenommen hatten, wiesen keine weitere Verknöcherung in der Wirbelsäule auf.

Dagegen verschlimmerte sich die Versteifung der Wirbelsäule bei den Patienten, die NSAR seltener oder in einer kleineren Dosis einnahmen. „Von dieser Behandlung haben vor allem die Patienten profitiert, die das höchste Risiko für eine Verschlimmerung der Erkrankung hatten“, erläutert Professor Sieper. Das waren Menschen mit hohen Werten des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein (CRP) oder aber mit sogenannten Syndesmophyten, also Knochenneubildungen zwischen den Wirbelkörpern, die die Beweglichkeit der Wirbelsäule einschränken. © hil/aerzteblatt.de

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