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Medizin

Nierensteine begünstigen chronisches Nierenversagen

Montag, 3. September 2012

Edmonton – Nierensteine können die Nierenfunktion auf Dauer schädigen. Schon eine einzelne Episode eines Nierensteinleidens ging in einer Kohortenstudie aus Kanada im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 345: e5287) mit einem signifikant erhöhten Risiko auf eine spätere chronische Niereninsuffizienz einher. Die absolute Gefahr für den einzelnen Patienten scheint jedoch minimal zu sein.

Aufgrund der heftigen Koliken, die Ablagerungen in den Harnwegen auslösen, werden die meisten Nierensteine behandelt, bevor es zu einer direkten Organschädigung kommt. Nierensteine sind jedoch oft nur ein Symptom: Die Störungen, die außerhalb der Niere die Bildung von Konkrementen führen, können auch innerhalb des Organs Schaden anrichten. Bekannt ist dies für seltene genetische Erkrankungen wie die Hyperoxalurie oder die Zystinurie, bei denen die Ablagerungen auch das Nierenparenchym schädigen.

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Die Gruppe um Marcello Tonelli von der Universität von Alberta in Edmonton hat jetzt untersucht, ob auch Patienten mit gewöhnlichen Nierensteinen im weiteren Leben häufiger ein chronisches Nierenversagen entwickeln. Dazu wurden die Daten des Alberta Kidney Disease Network ausgewertet. Dieses Netzwerk hat nicht nur Zugriff auf die Diagnosen der staatlichen Kran­ken­ver­siche­rung der kanadischen Provinz. Die Forscher konnten auch auf Ergebnisse von Laboruntersuchungen zurückgreifen.

Ihre Analyse ergab, dass Patienten mit einer oder mehreren Episoden von Nierensteinen während eines Beobachtungszeitraums von 11 Jahren doppelt so häufig wie Versicherte ohne Nierensteine ein dialysepflichtiges Nierenversagen entwickelten (Hazard Ratio HR 2,16; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,79-2,62).

Eine signifikante Assoziation bestand auch mit einer späteren Niereninsuffizienz vom Stadium 3b–5 (HR 1,74; 1,61-1,88) einer anhaltenden Verdopplung der Kreatininwerte (HR 1,94; 1,56-2,43) im Verlauf der Beobachtungszeit. Die höchsten Hazard Ratios wurden für Frauen und für ein erstes Auftreten von Nierensteinen vor dem 50. Lebensjahr gefunden. Die Assoziation war jedoch auch bei Männern und bei älteren Patienten signifikant.

Diese Zahlen sollten Patienten mit Nierensteinen jedoch nicht verängstigen, findet Tonelli. Da das chronische Nierenversagen (im Gegensatz zu Nierensteinen) sehr selten ist, ist die Gefahr, dass nach einem Steinleiden die Nieren versagen, gering.

Die Häufigkeit des dialysepflichtigen Nierenversagens beträgt bei Menschen ohne Nierensteine in Alberta 0,52 pro Millionen Personen und Tage. Bei Nierensteinen steigt sie auf 2,48 pro Millionen Personen und Tage. Auch die Niereninsuffizienz im Stadium 3b–5 oder eine anhaltende Verdopplung des Kreatininwerts bleiben bei Nierensteinpatienten relativ seltene Ereignisse. © rme/aerzteblatt.de

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