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Medizin

75 plus: Gesunder Lebensstil verlängert Leben um Jahre

Montag, 3. September 2012

dapd

Stockholm – Ein aktiver Lebensstil zahlt sich auch im höheren Lebensalter noch aus. In einer Kohortenstudie von über 75-jährigen Schweden konnten sich die aktiveren und gesundheitsbewussten Senioren über mehrere zusätzliche Lebensjahre erfreuen, wie eine Publikation im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 345 :e5568) zeigt.

Das Kungsholmen Project umfasst alle Einwohner des gleichnamigen zentralen Stockholmer Stadtbezirks, die im Oktober 1987 ein Alter von 75 Jahren oder höher erreicht hatten. Von den 1.810 Teilnehmern starben in den folgenden 18 Jahre 1.661 (91,8 Prozent). Die meisten erreichten ein Alter von über 90 Jahren. Unter den Überlebenden waren mehr Frauen als Männer. Langlebende hatten ein höheres Ausbildungsniveau als die Verstorbenen, sie hatten häufiger Gesundheitsrisiken wie Rauchen oder Über/Untergewicht vermieden, sie waren besser in soziale Netzwerke eingebunden, und sie hatten bis ins hohe Alter an Freizeitaktivitäten teilgenommen.

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Dazu zählten mentale Aktivitäten wie Bücher- und Zeitunglesen, Schreiben, Lernen, Kreuzworträtsel, Malen oder Zeichnen, sportliche Aktivitäten wie Schwimmen, Wandern oder Gymnastik, soziale Aktivitäten wie der Besuch von Theater, Konzerten oder Kunstausstellungen, Reisen und Kartenspielen oder die Teilnahme an Altengruppen. Auch produktive Aktivitäten wie Garten und Haushalt, Kochen, bezahlte oder ehrenamtliche Jobs oder Handarbeiten (Nähen, Stricken, Häkeln oder Weben) wurden als aktive Freizeitgestaltung gewertet.

Die Analyse von Debora Rizzuto vom Aging Research Center des Karolinska Instituts und Mitarbeitern zeigt, dass aktive Raucher etwa ein Jahr früher starben als Nichtraucher. Senioren, die das Rauchen aufgegeben hatten, lebten genauso lange wie die Niemalsraucher. Auch im Alter von 75 Jahren oder darüber lohnt es sich nach Ansicht von Rizzuto, das Rauchen aufzugeben. Unter den Freizeitaktivitäten hatte Sport die größte Auswirkung auf die Lebenserwartung: Senioren, die regelmäßig schwammen, wanderten oder gymnastische Übungen machten, lebten etwa 2 Jahre länger als die Über-75-Jährigen, die sich nicht sportlich betätigten.

Wichtig erscheint aber, dass die Senioren insgesamt aktiv blieben. Ein „niedriges Risikoprofil“ (gesunder Lebensstil mit der Teilnahme an einer Freizeitaktivität und die gute oder mäßige Einbindung in ein soziales Netzwerk) verlängerte bei Männern die Lebensspanne um 6 Jahre und bei Frauen um 5 Jahre verglichen mit Senioren, die über- oder untergewichtig waren, die rauchten (oder in der Vergangenheit geraucht hatten) und die gleichzeitig wenig Kontakt zu Familie und Freunde hatten und sich auch nicht an Freizeitaktivitäten beteiligten („Hoch-Risiko-Profil“).

Die Assoziationen waren, wenn auch in abgeschwächter Form noch im Alter von über 85 Jahren und auch bei Senioren mit chronischen Erkrankungen nachweisbar, berichtet Rizzuto, die aber – wie immer in derartigen Untersuchungen – nicht ausschließen kann, dass Ursache und Wirkung verwechselt wurden. Es ist durchaus vorstellbar, dass sich körperlich gesunde Senioren ihr Leben eher aktiv gestalten als gebrechliche Menschen, die krankheitsbedingt die Lust am Leben verloren haben. Die Aktivität im Alter wäre dann der Marker für eine körperliche Gesundheit, nicht aber unbedingt ihre Ursache. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #114761
Simplicissimus
am Dienstag, 4. September 2012, 01:53

Wenn ich aktiver Raucher wäre ...

"Die Analyse von Debora Rizzuto vom Aging Research Center des Karolinska Instituts und Mitarbeitern zeigt, dass aktive Raucher etwa ein Jahr früher starben als Nichtraucher."
Und wirklich gern rauchte, dann würde mir das eine Jahr, das ich früher stürbe vollkommen gleichgültig sein. Was ist denn ein Jahr eines vielleicht sowieso schon gebrechlichen Lebens mehr schon wert, gegen den Lustgewinn, den ein echter Raucher während der ganzen Zeit seines Lebens hat? Man kann sich allerdings überhaupt fragen, wo der Wert eines langen Lebens liegt. Es kommt doch wohl vielmehr darauf an, ob man sein Leben - ganz gleich, wie lange es dauert - genussvoll lebt. Meine Frau war an Brustkrebs erkrankt und es wurde ihr nach der Operation versprochen, dass sie statistisch einige Jahre länger leben könne (nicht einmal sicher), wenn sie eine Chemotherapie über sich ergehen ließe. Und noch zwei statistische Jahre wurden draufgepackt, wenn sie auch noch eine Antihormontherapie machen würde. Ein freundlicher junger Mediziner wollte ihr das längere Leben auch noch damit schmackhaft machen, dass er ihr einige Jahre in einem Altersheim in Aussicht stellte. Meine Frau verzichtete auf beides zugunsten des genussvolleren Lebens ohne die Marterungen der Therapien. Die OP ist drei Jahre her und wir genießen beide unser schönes Leben.
Wenn man mich fragen würde, so würde ich immer ein kurzes aber genussvolles Leben einem langen und irgendwann sehr wahrscheinlich leidvollen Leben vorziehen. Außerdem sollten wir immer bedenken, dass wir, sobald wir gestorben sind, nichts davon mitbekommen, dass wir tot sind. Wir sind also nicht gezwungen auf etwas zu verzichten, weil eine Leiche keinen Verzicht empfinden kann. Zugegeben, an einen derartigen Gedanken muss man sich gewöhnen, aber es lohnt sich, sich an ihn zu gewöhnen, weil das Leben schon deshalb genussvoller wird, weil man irgendwann auch weiß, dass man nichts erleiden muss, was man nicht erleiden will. Allein der Freiheitsgewinn ist es wert, diese Gedanken zu denken.
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