NewsÄrzteschaftHonorarstreit: Kassenärzte wollen Patienten zunächst schonen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Honorarstreit: Kassenärzte wollen Patienten zunächst schonen

Dienstag, 4. September 2012

dapd

Berlin – Die Ärzte wollen im Streit um höhere Honorare nicht zuerst auf Praxis­schließungen setzen. „Wir wollen nicht im ersten Schritt jetzt die Patientenversorgung gefährden, sondern wir werden andere Maßnahmen finden, um auf unsere berechtigten Anliegen aufmerksam zu machen“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin.

Der Unmut der Ärzte sei hoch. „Die sind bereit zu streiken“, fügte Köhler hinzu.
Kritik an der Verteilung der Honorare unter den verschiedenen Arztgruppen wies der KBV-Chef zurück. „Wenn Sie einfach zu wenig haben, wird Umverteilung die Lösung nicht sein.“ Zunächst müsse es eine „ausreichende Vergütungsmasse“ geben. Dann könne man eine „vernünftige Verteilung“ machen.

Anzeige

Köhler kritisierte erneut das Verhalten der Kassen, die ursprünglich eine deutliche Senkung der Ärztehonorare gefordert hatten. Die niedergelassenen Ärzte fühlten sich von den Kassen diffamiert und angegriffen, sagte der KBV-Chef. Bevor es Mitte September eine weitere Schlichtungsrunde gibt, wollen sich die Spitzen der KBV und des Kassenverbandes nun zunächst in kleiner Runde treffen, um das „gemeinsame Verständnis von Selbstverwaltung zu besprechen“, wie Köhler betonte.

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery, kündigte an, dass die Ärzte „bei ihren Aktionen auf eine Eskalationsstrategie setzen und den Druck Schritt für Schritt erhöhen werden.“ Die Ärzte hätten einen langen Atem. „Wenn die Kassen nicht einlenken, werden sie einen heißen Herbst erleben.“ Die Kassen betrieben ein „Kartell der Verantwortungslosigkeit, das endlich gebrochen werden muss“, sagte Montgomery den Ruhr Nachrichten vom Dienstag.

Von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) verlangte Montgomery, mit den Kassen jetzt Klartext zu reden. „Die Krankenkassen verfolgen schon seit längerem einen Crashkurs gegenüber Deutschlands Ärzten. Wir benötigen einen neuen Anlauf für Verhandlungen. Die Krankenkassen werden drauflegen müssen.“

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Jens Spahn (CDU), forderte von den Kontrahenten eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Der Honorarstreit zwischen Ärzten und Krankenkassen dürfe auf keinen Fall zu Lasten der Patienten ausgetragen werden, sagte Spahn am Dienstag dem SWR. Angesichts der teilweise unfairen Stimmungsmache der Krankenkassen sei der Unmut der Ärzte zwar verständlich, nicht aber die Eskalation, die sich nun anbahne.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte die Verhandlungen über die Honorare der rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten am Montag platzen lassen. Am Freitag hatte der Erweiterte Bewertungsausschuss mit einem Schlichterspruch entschieden, die Honorarvolumen zunächst um 270 Millionen Euro zu erhöhen. Die KBV fordert ein deutlich höheres Plus. © dapd/afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. November 2020
Berlin – Die Zahl der Hilfesuchenden in den Praxen von Psychiatern und Nervenärzten ist in den vergangenen Monaten wegen der andauernden Coronapandemie sprunghaft angestiegen. Besonders schwer treffe
Psychiater und Nervenärzte wollen bessere Vergütung des ärztlichen Gesprächs
4. November 2020
Düsseldorf – Bei den Verhandlungen über die Finanzmittel für die ambulante Versorgung für die Vertragsärzte und -psychotherapeuten im Rheinland für 2021 haben sich Kassenärztliche Vereinigung (KV)
Honorarverhandlungen in Nordrhein: Ergebnis gefährdet Strukturen des ambulanten Operierens
30. Oktober 2020
Berlin – Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) will den Krankenkassen Ausgaben von etwa einer Milliarde Euro ersparen. Im Gesetzentwurf zum „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“
Ge­sund­heits­mi­nis­terium will bei Vergütung der Terminservicestellen nachsteuern
8. Oktober 2020
Stuttgart – Die Delegierten der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg haben die diesjährige Honorarrunde für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten
KV Baden-Württemberg will mehr Gestaltungsspielräume
2. Oktober 2020
Berlin – Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) drängt auf eine rasche Klärung bereits lange anstehender Vergütungsfragen. In einem Brief appelliert er an den GKV-Spitzenverband,
Brandbrief an die GKV: KBV drängt auf Lösung offener Vergütungsfragen
1. Oktober 2020
Berlin – Kinder- und Jugendärzte und Internisten fordern Gleichheit bei der Honorierung von Grippeimpfungen. Der Hintergrund: Der Apothekerverband Nordrhein und die AOK Rheinland/Hamburg haben ein
Ärzteverbände üben Kritik an ungleicher Impfhonorierung
1. Oktober 2020
Berlin – Schon heute seien die Leistungen der Krankenhäuser besser bewertet als vergleichbare ärztliche Leistungen. Für Andreas Gassen, den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER