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Medizin

Zecken: Humanpathogenes Virus in USA entdeckt

Dienstag, 4. September 2012

Atlanta – US-Wissenschaftler haben ein bisher unbekanntes Virus entdeckt, das beim Menschen eine akute fiebrige Erkrankung auslöst. Im New England Journal of Medicine (2012; 367: 834-41) vermuten sie, dass der Erreger, wie ein im letzten Jahr in China entdecktes verwandtes Bunyavirus durch Zecken übertragen wird. Sie konnte es dort aber bisher nicht nachweisen.

Im Frühsommer 2009 waren im US-Staat Missouri zwei Farmer an hohem Fieber erkrankt, das mit einem Abfall von Leukozyten und Thrombozyten einher ging. Beide Patienten berichteten damals über Zeckenbisse, weshalb die Ärzte am Heartland Regional Medical Center in St. Joseph/Missouri zunächst eine Ehrlichiose vermuteten, eine durch Zecken übertragene bakterielle Erkrankung.

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Da die Antibiotika nicht wirkten, schickten die Ärzte Blutproben an die Centers for Disease Control and Prevention nach Atlanta. In den Leukozyten entdeckte das dortige Team um William Nicholson dann ein bisher nicht bekanntes Virus, das sie Heartland-Virus tauften. Nach der Genomsequenzierung wurde es in die Familie der Bunyaviridae eingeordnet. Diese Viren werden durch Insekten und Zecken übertragen.

Die Symptome der beiden US-Patienten ähneln einem Krankheitsbild, das im Nordosten Chinas endemisch ist und als SFTS (“severe fever with thrombocytopenia syndrome”) bezeichnet wird. Forscher der chinesischen Seuchenbehörde hatten im letzten Jahr den Erreger ebenfalls als einen Vertreter der Bunyaviridae identifiziert (NEJM 2011; 364: 1523-1532).

Überträger ist eine in China verbreitete Zeckenart. Die US-Forscher gehen deshalb davon aus, dass auch das Heartland-Virus durch Zecken übertragen wird. Die in Missouri vorherrschende Zeckenart ist Amblyomma americanum. Sie kommt im gesamten Südosten und zentralen Süden der USA vor. Aufgrund der unspezifischen Beschwerden hält es Nicholson für möglich, dass das Heartland-Virus auch außerhalb von Missouri verbreitet ist.

Im Gegensatz zum SFTS, das häufig zu einem tödlichen Multiorganversagen fortschreitet, haben sich die beiden US-Patienten von der Krankheit erholt. Beide blieben von einer hämorrhagischen Erkrankung erspart, die aufgrund des starken Abfalls der Thrombozyten befürchtet werden musste. © rme/aerzteblatt.de

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