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Medizin

Antiepileptikum lindert chronischen Husten

Dienstag, 4. September 2012

Newcastle – Das Antiepileptikum Gabapentin, das auch zur Behandlung neuropathischer Schmerzen eingesetzt wird, kann einen chronischen therapierefraktären Husten lindern. Dies zeigt eine randomisierte Studie im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-6736(12)60776-4).

Nicht immer lässt sich Husten auf Erkrankungen der Atemwege oder andere Ursachen zurückführen. Bei einigen Patienten hält der quälende Hustenreiz auch nach der Ausheilung der auslösenden Erkrankung an. Bei diesen Patienten liegt häufig eine abnormale Reizbarkeit der Schleimhaut im Rachen (laryngeale Parästhesie), eine vermehrte Sensibilität auf bekannte Hustenreize wie Capsaicin (Hypertussie) vor, und viele reagieren auf unspezifische Reize wie Sprechen oder kalte Luft mit Hustenattacken (Allotussie).

Nicole Ryan von der University of Newcastle, Australien, sieht eine Parallele zum neuropathischen Schmerz, der sich als Parästhesie, Hyperalgesie (Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen) und Allodynie (Schmerz durch unspezifische Reize) manifestiert. Der chronische refraktäre Husten könnte deshalb die gleiche zentral-nervöse Ursache haben wie die Neuropathie. Eine Therapie mit Gabapentin, das die „zentrale Sensitivierung“ vermutlich durch Blockade zentraler L-Typ-Kalziumkanäle mindert, wäre ein logischer Therapieansatz , der erstmals in einer randomisierten Studie an 62 ausgesuchten Patienten untersucht wurde.

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Alle Patienten war erwachsen. Sie litten seit mindestens 8 Wochen an einem chronischen Husten. Ausgeschlossen waren aktive Raucher, Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD oder Asthma bronchiale sowie solche, die im Monat vor der Studie an einer Atemwegsinfektion gelitten hatten. Weitere Ausschlusskriterien waren die Einnahme von ACE-Hemmern sowie jegliche Form eines produktiven Hustens. Es durften außerdem keine Kontraindikationen gegen den Einsatz von Gabapentin vorliegen.

Die Patienten wurden über 10 Wochen mit Gabapentin bis zu einer maximal-tolerierten Tagesdosis von 1.800 mg oder mit Placebo behandelt. Primärer Endpunkt waren die Veränderungen im Leicester cough questionnaire (LCQ), der die Einschränkung der Lebensqualität durch Husten misst. Wie Ryan berichtet, kam es unter Gabapentin nach 8 Wochen bei 74,1 Prozent der Patienten zu einer klinisch relevanten Verbesserung des LCQ gegenüber 46,2 Prozent im Placebo-Arm, was eine Number Needed to Treat von 3,58 ergibt, die behandelt werden müssen, damit ein Patienten von der Therapie mit Gabapentin einen Nutzen hat.

Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass sich der Husten bei jedem zweiten Patienten möglicherweise auch ohne Therapie gebessert hätte. Außerdem kam es häufig zu Nebenwirkungen wie Nausea und Fatigue (31 versus 10 Prozent im Placebo-Arm), die den Nutzen der medikamentösen Therapie bei dem Symptom, das in der Regel keinen körperlichen Schaden anrichtet, sicherlich beachtet werden muss.

Für den Editorialisten Kian Fan Chung vom Imperial College London ist Gabapentin dennoch einen Versuch wert, vor allem wenn die einzige wirksame Alternative in der Gabe von Morphinen mit verzögerter Freisetzung bestehen würde, die laut Chung in einer früheren Studie eine vergleichbare Wirkung erzielte. © rme/aerzteblatt.de

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