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Medizin

Herzstillstand: Längere Reanimation kann Prognose verbessern

Mittwoch, 5. September 2012

dpa

Ann Arbor – Es gibt in den medizinischen Leitlinien keine feste Regel, wie lange die Reanimation bei einem Patienten mit plötzlichem Herzstillstand fortgesetzt werden sollte. Die Auswertung eines US-Registers im Lancet (2012; doi: 10.1016/­S0140-6736­(12)60862-9) zeigt jedoch, dass die Bemühungen nicht zu früh eingestellt werden sollten.

Das „Get with the Guidelines–Resuscitation“–Register der American Heart Association verzeichnet für die Jahre 2000 bis 2008 (Ende August) an 435 US-Kliniken 64.339 Patienten, die auf Intensiv- oder anderen Krankenstationen einen plötzlichen Herztod erlitten. Ausgenommen waren Patienten, deren Herz auf der Notaufnahme oder während einer kardiologischen Prozedur (Herzkatheter, Elektrophysiologie, Angiographie) unvermittelt den Dienst versagte.

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Bei insgesamt 31.198 Patienten (48,5 Prozent) konnten die Ärzte die Blutzirkulation wieder herstellen, aber nur 9.912 Patienten (15,4 Prozent) überlebten, wie das Team um Zachary Goldberger von der Universität von Michigan in Ann Arbor berichtet. Die kardiale Reanimation ist auch in Krankenhäusern nur bei einer Minderheit von Patienten erfolgreich. Ein möglicher Grund ist, dass die Bemühungen zu früh aufgegeben werden.

Im Mittel benötigten die Mediziner 12 Minuten, um die spontane Blutzirkulation wieder herzustellen, die erfolglosen Reanimationen dauerten im Durchschnitt 20 Minuten. Dies bedeutet allerdings nicht, dass 12 Minuten ein sinnvolles Zeitlimit sind. Der kumulative Anteil der Patienten, die schließlich doch eine spontane Zirkulation erreichte, stieg auch nach 30 Minuten noch an, wie Abbildung 1 der Studie zeigt. Eine feste Regel für die maximale Dauer einer Reanimation lasse sich aufgrund der Untersuchung nicht aufstellen, betonen Goldberger und Mitarbeiter.

Für ihre Analyse haben die Kardiologen zunächst die mittlere Dauer der Reanimation jeder einzelnen Klinik berechnet und diese dann mit der Erfolgsrate der Reanimation in Beziehung gesetzt. Dabei ergab sich, dass im Quartil mit der längsten Reanimationsdauer von im Mittel 25 Minuten zu 12 Prozent häufiger ein spontaner Kreislauf erreicht wurde als im Quartil der Kliniken mit der kürzesten Reanimationsdauer von 16 Minuten (adjustierte Risk Ratio RR 1,12; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,06-1,18).

Auch die Zahl der Patienten, die lebend aus der Klinik entlassen werden konnten, war um 12 Prozent höher (RR 1,12; 1,02-1,23). Der Unterschied war am größten bei den Patienten, bei denen initial eine Asystolie (Klinik oder EKG) festgestellt wurde. Interessanterweise stieg mit der Dauer der Reanimation nicht der Anteil der Patienten mit neurologischen Folgeschäden, so dass gelegentlich geäußerte Bedenken gegen eine Fortsetzung der Reanimation entfallen.

Der Editorialist Jerry Nolan vom Royal United Hospital in Bath, England, weist auf einige Einschränkungen hin, die sich zwangsläufig aus dem retrospektiven Design der Studie ergeben. Dass Kliniken mit längeren Reanimationszeiten bessere Ergebnisse erzielen, müsse nicht unbedingt eine Folge der Reanimationsdauer sein, meint er. Es sei nicht auszuschließen, dass diese Kliniken auch auf anderem Gebiet überlegen seien, weil ein besser organisiertes Team früher beim Patienten eintreffe (die Dauer vom Herzstillstand bis zum Beginn der Reanimation wurde nicht registriert. Wenn kein Zeuge vorhanden ist, ist dies nicht möglich).

Auch die Ausbildung der Ärzte und ihre Erfahrung in der Technik der Wiederbelebung lassen sich nur schwer in einem Register erfassen. Die längere Reanimation könnte auch ein Zeichen für eine sorgfältige Diagnose und damit die bessere Auswahl der Patienten sein, und schließlich könnte es auch Unterschiede in den Anschlussbehandlungen wie der perkutanen koronaren Intervention oder einer therapeutischen Hypothermie geben, die die Ergebnisse günstig beeinflussen.

Alle diese Faktoren könnten nur in einer randomisierten klinischen Studie berücksichtigt werden, die allerdings derzeit nicht in Sicht ist. Register-Analysen sind dennoch sinnvoll, da sie den Ärzten zeigen, wie sich ihre Praxis von der an anderen Kliniken unterscheidet. Für Nolan sind sie ein wichtiges Werkzeug für die Qualitätskontrolle und das Benchmarking der einzelnen Kliniken. © rme/aerzteblatt.de

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