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Ärzteschaft

Montgomery: Privatpatienten bei Transplantation nicht bevorzugt

Mittwoch, 5. September 2012

dpa

Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat Vorwürfe über einen möglichen Einfluss des Versichertenstatus bei der Organvergabe zurückgewiesen. „Die Patientinnen und Patienten erhalten Organe unabhängig von ihrem Versicherungsstatus ausschließlich nach Dringlichkeit und Erfolgsaussicht“, sagte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery am Mittwoch in Berlin. Der Anteil an privatversicherten Patienten, die in den letzten Jahren ein neues Organ erhalten hätten, entspreche nahezu dem Anteil an Privatver­sicherten in der Gesamtbevölkerung.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Harald Terpe hatte zuvor vorgerechnet, dass der Anteil der Privatversicherten auf der Warteliste für eine Leber bei 9,7 Prozent, der Anteil derjenigen Privatversicherten, die 2011 eine neue Leber bekamen, aber bei 13,1 Prozent lag. Ein ähnliches Bild ergab sich den Berechnungen Terpes zufolge bei Herzen (Warteliste 9,5 Prozent, Transplantationen 11 Prozent), bei Lungen (6,9 im Vergleich zu 9,5 Prozent) und bei Bauchspeicheldrüsen (2,6 im Vergleich zu 4 Prozent). Ähnliche Auffälligkeiten entdeckte Terpe auch beim Anteil der Privatversicherten am sogenannten beschleunigten Verfahren, bei dem die Transplantationszentren unabhängig von der Warteliste selbst Patienten auswählen dürfen.

Montgomery warf Terpe unseriöse Berechnungen und Verunsicherung der Bevölkerung vor. Für die Nierentransplantation liege der Anteil an Privatversicherten mit 7 Prozent niedriger als in der Gesamtbevölkerung. „Dies lässt Terpe unerwähnt, wenn er nur ausgesuchte Zahlen heranzieht und diese problematisiert.“ Der Ärztepräsident verwies zudem darauf, dass Privatversicherte die gleiche oder sogar eine höhere Sterblichkeit auf der Warteliste aufwiesen als gesetzlich versicherte Patienten.

Zuvor hatte auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) die Vorwürfe zurück­gewiesen, Privatversicherte würden begünstigt. Die Bundesregierung könne keinen Trend feststellen, der für ihre Bevorzugung spreche, sagte Bahr im NDR. Ein genereller Unterschied zwischen gesetzlich und privat Krankenversicherten werde nicht gemacht. „Das weiß ich auch aus den Transplantationszentren“, sagte der Minister.

Deutschland sei nach Angaben der für die Organverteilung zuständigen Stiftung Eurotransplant im Übrigen das einzige Land im Organspendeverbund, in dem der Versichertenstatus nachträglich erhoben werde, fügte er hinzu. Die Entscheidung zur Organzuteilung finde „daher ohne Berücksichtigung des Versichertenstatus statt.“

Die Vorsitzende der Grünenfraktion im Bundestag, Renate Künast, forderte Bahr auf, die Vorwürfe aufzuklären. „Herr Bahr sollte seine Hausaufgaben im Bereich der Organ­spende machen.“ Die Linkspartei nahm den Verdacht der Bevorzugung von Privatpatienten zum Anlass, ihre Forderung nach Abschaffung der Privatversicherung zu bekräftigen.

„Bei der Organspende zeigen sich die zynischen Folgen der Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland“, erklärte die Linken-Gesundheitsexpertin Martina Bunge. © kna/dapd/aerzteblatt.de

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Senbuddy
am Donnerstag, 6. September 2012, 22:07

Der Wasserstand im Rhein und der deutsche Bananenverbrauch... (@stundenbuch)

... zeigen über Jahre hinweg eine deutliche statistische Korrelation.

Wenn man so skurrile Fakten ohne weitere Erläuterung und mit entsprechenden, ideologisch gefärbten Kommentaren oft genug veröffentlicht, glauben auch sicher bald viele an ökotrophologisch-meteorologische oder andere esotherische Zusammenhänge (nach dem Motto "...das kann doch kein Zufall sein...").

Aber gerade solche "Schlußfolgerungen" möchte der Herr Terpe in der Bevölkerung erzeugen. Und es gelingt ja ihm auch: Sofort springen Politkerinnen wie Künast oder Bunge drauf an, um ihr Kapital draus zu schlagen und "große Politik" daraus zu machen.

Deswegen ein Danke für die Hinweise an "stundenbuch". Ich gebe zu, zumindest an die Prävalenz der Gruppe hätte man selbst denken können. Ob man Dialyse dauerhaft als Alternative ansieht, lasse ich jetzt mal dahin gestellt. Aber es ist schon richtig, der "Überlebensdruck" ist akut nicht so hoch.

Aber wenn man von einer grundsätzlich günstigeren Prävalenz bei Privatpatienten ausgeht und wenn man bei anderen Organen mangels Behandlungsalternativen eine höhere "Schummelrate" vermutet, erklärt das nicht die o.g. "geringere" Zahl von Nierentransplantationen bei Privatpatienten oder auch nicht deren insgesamt eher höhere Sterblichkeit. Insofern hat Herr Montgomery also durchaus recht, wenn er dem Herrn Terpe eine einseitige Auswahl bei seinen Veröffentlichungen vorwirft. Und nicht nach den tatsächlichen Ursachen der einzelnen Fälle forscht.

Der Vorwurf politischer Einseitigkeit bei den wiederkehrenden Angriffen aller Art gegen Ärzte und Kliniken bleiben damit also auch weiterhin durchaus berechtigt. Denn um die Diskussion verschiedener "medizinischer" Strategien, wer in welchem Zustand mit welchem Ziel welches Organ bekommt, ging es dem Herrn Terpe ja sicher bei seinen Veröffentlichungen bestimmt nicht.

Übrigens: Wasserstand im Rhein und Bananenverbrauch sind lediglich beide von der Jahreszeit abhängig. Aber weder das eine ist ursächlich für das andere noch umgekehrt. So wird es hier auch sein.

Viele Grüße
S.
stundenbuch
am Donnerstag, 6. September 2012, 19:42

falsch 2x

@senbuddy: die Zahl der Tx empfänger und die Zahl der PPs allein reicht nicht, man muss auch die Prävalenz des Krankheitsbildes in der Gruppe kennen (vulgo: saufen PP oder AOKler mehr?). Stichwort Lebensstilanalyse. Und bei extrarenalen Organen ist der Anreiz, zu schummeln, größer als bei der Niere, wo z.B. mit PD und HF durchaus machbare Alternativen zur verfügung stehen.

@muemaus: Bei FJS stand nie eine Tx im Raume. Und JvTuT hat das zweite Herz völlig zu recht erhalten.

Ob C2 induzierte Organschäden eine Tx rechtfertigen, kann und will ich hier in Postings nicht darstellen. Die Frage, wann der beste Tx Zeitpunkt (frühzeitig, um Sekundärversagen zu verhindern) oder spät (damit man nicht jemanden mit der Chance der Spontanheilung tx) ist, unterleigt Wandel (aktuelle Diskussion um assists: bridge überhaupt, bridge to recovery, bridge to tx. bridge to destiny) Wenn allerdings manche in deutlich besserem Zustand als ander ein Organ bekommen, soll und muss man nachfragen.....
Senbuddy
am Donnerstag, 6. September 2012, 14:29

Das hat nun wirklich nichts mit privat oder gesetzlich...

...zu tun, wie es von Herrn Terpe polemisiert wird. So etwas ist übler Populismus aus der "ideologisch ganz einseitigen Ecke".

Der Grund ist aber klar: Es geht darum, Stimmung in der Bevölkerung gegen die bösen Feindbilder "geldgeile Ärzte", gegen "Privatversicherte" und gegen das PKV-System insgesamt zu machen. Und am besten alle zusammen als Betrüger hinzustellen. Und zwar, um damit längerfristig die heißgeliebte grüne Bürgerversicherung durchzusetzen. Dazu scheint so manchem mittlerweile "jedes Mittel recht" zu sein.

Allerdings kann sich auch jeder überlegen, dass sich Ärzte oder Kliniken wegen der geringen Beträge, die ein Privatpatient mehr einbringt, wohl kaum auf die gefährlichen "Schummeleien" bei Transplantationen einlassen würden. Herr Terpe weiß als ehemaliger Oberarzt mit Sicherheit, dass dafür keiner so etwas tun würde.

Wenn aber tatsächlich irgendwo "geschummelt" werden sollte, wenn also Organe "wundersam" auftauchen oder Wartelisten verändert werden sollten - dann fließen sicher ganz andere Summen in ganz anderen Größenordnungen. Und dabei ist es dann völlig egal, ob Kassen- oder Privatpatient...

Die aus seinen "Untersuchungen" gezogenen "Schlüsse" sind also sehr einseitig politisch motiviert. Und zwar entweder bösartig gegen seine eigenen Kollegen oder schlicht naiv. Wie allerdings so vieles, was er als "Gesundheitsexperte" sonst so von sich gibt (zum Beispiel bei seinen Ideen zum Fördern des Marihuana-Konsums).

Man fragt sich, was so manchen Leuten noch so für "Untersuchungen" einfallen, um ihre schrägen politischen Ziele auf noch schrägeren Wegen zu erreichen. Vielleicht untersucht Herr Dr. Terpe ja als nächstes mal die Doktorarbeiten von privat abrechnenden Medizinern (ähnliches hat bei Guttenberg ja auch was gebracht...). Oder noch besser von promovierten Privatpatienten im Vergleich zu promovierten Grünen-Polikern.

Er würde auch da sicher irgendwelche skurrilen und für seine Ideen nutzbaren Zusammenhänge finden.

Viele Grüße
S.
muemaus
am Mittwoch, 5. September 2012, 23:46

Organverteilung

Und genau da habe ich meine Zweifel... ich habe seit 20 Jahren einen Spenderausweis. Aber ich bekomme die Fälle F. J. Strauß und Fürst von Turn und Taxis nicht aus dem Hinterkopf - in beiden Fällen waren auf wundersame Weise gleich zwei Organe in Rekordzeit vorhanden. Das gibt mir angesichts der neuen Berichterstattung schon zu denken...
Es gibt leider käufliche Menschen - in allen Lebensbereichen und allen Gehaltsklassen, da wird man niemals Sicherheit haben.

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