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Medizin

Tuberkulose: Vitamin D beschleunigt Antibiotikawirkung

Mittwoch, 5. September 2012

dapd

London – Vitamin D kann die entzündliche Reaktion auf eine Infektion mit Mykobakterien hemmen und dadurch möglicherweise die Ausheilung fördern. Dies geht aus einer Untersuchung in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2012; doi: 10.1073/pnas.1200072109) hervor. In der randomisierten Studie beschleunigte eine hochdosierte Vitamin-D-Therapie bei Patienten mit Lungentuberkulose sogar die mikroskopische Sputumkonversion.

Vor Einführung der Antibiotika war die Heliotherapie ein Standard bei der Tuberkulose. Eine Ausheilung der Schwindsucht wurde indes erst nach sehr langen Behandlungszeiten erzielt (oder auch nicht, wie im Zauberberg von Thomas Mann nachzulesen ist). Die Wirkungsweise der Höhensonne war bislang nicht bekannt.

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Nach Ansicht von Adrian Martineau von der Queen Mary Universität in London bietet die vermehrte Produktion von Vitamin D in der Haut jedoch eine plausible Erklärung. Calcidiol, der wichtigste Metabolit von Vitamin D, zeige in vitro eine vielfältige antimikrobielle Wirkung. Ihr potenzieller Nutzen wurde jetzt erstmals in einer randomisierten klinischen Studie des britischen Medical Research Councils untersucht.

An mehreren Londoner Kliniken – die britische Metropole erlebt derzeit einen Anstieg der Tuberkulose-Erkrankungen – erhielten 95 Patienten mit pulmonaler Erkrankung zusätzlich zu ihrer tuberkulostatischen Standardtherapie eine hochdosierte Therapie mit Vitamin D oder Placebo. Wie Martineau berichtet, verkürzte die zusätzliche Vitamin D-Gabe die mikroskopische Sputumkonversion von 36 auf 23 Tage. Das garantiert zwar noch nicht den Erfolg der Tuberkulosetherapie, die über mehrere Monate fortgesetzt werden muss. Vitamin D dürfte aber die Zeitdauer, in der die Patienten ansteckend sind, verkürzt haben.

Die Wirkung erklärt Martineau mit immunmodulatorischen Eigenschaften von Vitamin D. Die Entzündungsantwort auf die Infektion werde abgeschwächt, was bei der Tuberkulose von Vorteil sein kann. Da das Immunsystem die Erreger nicht besiegen kann, isoliert es sie in Granulomen. Deren Wände behindern jedoch die Wirkung der Tuberkulostatika, die die mit verminderter Stoffwechselaktivität überlebenden Bakterien nur langsam erreichen, was die lange Dauer der Therapie erklärt. Martineau kann zeigen, dass Vitamin D die Konzentration verschiedener entzündlicher Zytokine und Chemokine im Blut vermindert. Auch im Blutbild (Lymphopenie und Monozytose) kam es schneller zu einer Verbesserung. © rme/aerzteblatt.de

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