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Medizin

Prostatakarzinom: Pausen in der Hormontherapie möglich

Donnerstag, 6. September 2012

Vancouver – Die Androgendeprivation ist eine Standardtherapie des Prostatakarzinoms, wenn es nach einer Radiotherapie zum Wiederanstieg des PSA-Werts gekommen ist. Üblich ist eine lebenslange kontinuierliche Therapie. Eine Studie im New England Journal of Medicine (2012; 367: 895-903) zeigt jetzt aber, dass auch eine intermittierende Therapie ohne Kompromisse in der Lebenserwartung möglich ist.

Die Studie war 1999 vom kanadischen Krebsforschungsinstitut begonnen worden. Später schlossen sich auch US-amerikanische und britische Zentren dem Projekt an. Am Ende wurden 1.386 Patienten in die Studie eingeschlossen. Bei den im Mittel 74 Jahre alten Männern war zunächst eine definitive Radiotherapie versucht worden. Ein erneuter Anstieg des PSA-Wertes (nach mehr als 12 Monaten) zeigte jedoch an, dass der Tumor erneut aktiv war.

Alle Patienten hatten ein lokal fortgeschrittenes Karzinom (Patienten mit Fernmetastasen waren von der Teilnahme ausgeschlossen worden). In diesem Stadium haben die Patienten unter einer kontinuierlichen Androgendeprivation häufig noch eine Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren. Die „chemische Kastration“ führt jedoch zu Einschnitten in der Lebensqualität. Da sie den Tumor nicht kurieren kann, stellte sich für Juanita Crook von der BC Cancer Foundation in Vancouver und Mitarbeitern die Frage, ob den Patienten zeitweilige Therapiepausen erlaubt werden könnten.

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Bei der Hälfte der Patienten wurde die Androgendeprivation nach 8 Monaten abgebrochen, sofern die PSA-Werte dies zuließen (in der Regel bei einem PSA-Abfall auf unter 4 ng/ml). Die Therapie wurde solange ausgesetzt, bis ein Anstieg des PSA auf 10 ng/ml oder andere Zeichen einer Krankheitsprogression vorlagen. In diesem Fall schloss sich eine erneute 8-monatige Androgendeprivation an.

Während einer Nachbeobachtungszeit von 6,9 Jahre sind 524 der 1.386 Patienten (37,8 Prozent) gestorben, davon allerdings nur 197 (14,2 Prozent) am Prostatakarzinom. Crook errechnet eine mediane Überlebenszeit von 8,8 Jahren unter der intermittierenden und von 9,1 Jahren unter der kontinuierlichen Androgendeprivation. Die Hazard Ratio von 1,02 für einen Tod unter der intermittierenden Therapie war bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,86 bis 1,21 nicht signifikant erhöht.

Auch bei den Todesfällen am Prostatakarzinom (18 versus 15 Prozent) gab es keine wesentlichen Unterschiede. Dafür blieben den Patienten unter der intermittierenden Therapie wenigstens zeitweise die Auswirkungen der Androgendeprivation erspart, die zu Abgeschlagenheit, Hitzewallungen, Libidoverlust und erektiler Dysfunktion führt und die Lebensqualität empfindlich herabsetzen kann.

Mit dem Editorialisten Oliver Sartor von der Tulane University School of Medicine in New Orleans kann außerdem darüber spekuliert werden, ob der leichte Anstieg der nicht prostatakrebsbedingten Todesfälle (162 vs. 148 Männer) eine mögliche Folge der Androgendeprivation war. Andererseits ist nicht ausgeschlossen, dass die Beobachtungszeit noch zu kurz war, um einen Überlebensvorteil der kontinuierlichen Androgendeprivation aufzuzeigen. Dies könnte bei jüngeren Patienten durchaus von Bedeutung sein. © rme/aerzteblatt.de

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