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Medizin

BRCA1/2: Mammographie vor dem 30. Lebensjahr erhöht Brustkrebsrisiko

Freitag, 7. September 2012

dapd

Amsterdam – Eine Mammographie kann in Einzelfällen den gleichen Tumor auslösen, den sie frühzeitig erkennen soll. Ein erhöhtes Risiko besteht einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 345: e5660) zufolge bei Trägerinnen der „Brustkrebsgene“ BRCA 1 oder 2, wenn vor dem 30. Lebensjahr mit dem Mammographie-Screening begonnen wird.

BRCA 1/2-Trägerinnen haben ein hohes Lebenszeitrisiko auf Mamma- und Ovarialkarzinome, weil DNA-Reparaturenzyme defekt sind. Die Aufgabe dieser Enzyme besteht darin, Brüche in den DNA-Doppelsträngen zu beheben, die unter anderem durch ionisierende Strahlen ausgelöst werden. Die konventionelle Röntgenmammographie exponiert das Gewebe mit derartigen Strahlen. Die Dosis ist zwar gering. Die Brust von BRCA1/2-Trägerinnen gilt jedoch als besonders strahlensensibel. Aus strahlenbiologischen Gründen ist dies vor allem im jüngeren Lebensalter der Fall. BRCA1/2-Trägerinnen wird heute zu einer besonders intensiven Früherkennung mit jährlichen Mammographien geraten.

Von den 1993 BRCA1/2-Trägerinnen aus den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien, die das Team um Flora van Leeuwen vom Niederländischen Krebsforschungsinstitut in Amsterdam befragte, hatte jede dritte an der Mammographie teilgenommen. Das mittlere Alter bei der ersten Untersuchung lag bei 29 Jahren. Diese jungen Frauen erkrankten häufiger an einem Brustkrebs als gleichaltrige Frauen, die nicht an einer Mammographie teilgenommen hatten.

Ein Beginn des Mammographie-Screenings vor dem 30. Lebensjahr erhöhte das Brustkrebsrisiko um 43 Prozent. Bei einem Beginn vor dem 20. Lebensjahr traten sogar 62 Prozent mehr Brustkrebserkrankungen auf, berichtet van Leeuwen. Wurden andere diagnostische Röntgenuntersuchungen einbezogen, stieg das Risiko weiter an.

Nach den Berechnungen von van Leeuwen steigt das Risiko mit der kumulativen Strahlenexposition (die aus den Angaben der Frauen zu den Untersuchungen geschätzt wurde) an: Das Quartil mit der höchsten Exposition hatte ein 3,84-fach erhöhtes Brustkrebsrisiko. Aufgrund der geringen Fallzahlen sind die 95-Prozent-Konfidenzintervalle zwar weit. Alters- und Dosisabhängigkeit legen jedoch einen kausalen Zusammenhang nahe. Nach dem 30. Lebensjahr war kein erhöhtes Risiko mehr nachweisbar.

Laut van Leeuwen erkranken 9 von 100 BRCA1/2-Trägerinnen vor dem 40. Lebensjahr am Brustkrebs. Die Zahl könnte sich um 5 erhöhen, wenn die Frauen vor dem 30. Lebensjahr am Mammographie-Screening teilnehmen. Dies sei jedoch eine grobe Schätzung, die auf wenigen Erkrankungen basiert, räumt van Leeuwen ein. Vorsichtshalber rät sie, bei BRCA1/2-Trägerinnen, wenn möglich, andere Screeninguntersuchungen zu bevorzugen wie die Kernspintomographie, die die Frauen nicht mit ionisierenden Strahlen belasten.

Die aktuelle interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms rät BRCA1/2-Trägerinnen ab dem 30. Lebensjahr (bei hoher Brustdrüsendichte ab dem 35. Lebensjahr) zur jährlichen Mammographie. Als Alternative wird die Kernspintomographie genannt, die bereits ab dem 25. Lebensjahr empfohlen wird. © rme/aerzteblatt.de

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