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Medizin

Griechenland: Sporadische Erkrankungen an Malaria, Dengue und West-Nil-Fieber

Montag, 10. September 2012

Athen – In Griechenland kommt es in den Sommermonaten vereinzelt zur Übertragung von „Tropenerkrankungen“ durch einheimische Mücken. Neben der Malaria und dem West-Nil-Fieber (seit 2010) wurde in diesem Jahr erstmals eine autochthone Dengue-Infektion nachgewiesen. Das Risiko für Touristen wird als gering eingestuft.

Griechenland ist erst 1974 für malariafrei erklärt worden. Vorausgegangen war in den Jahren 1946 bis 1960 ein intensives Eradikationsprogramm. Das Potenzial einer einheimischen Ausbreitung besteht weiterhin, wie vereinzelte Erkrankungen mit negativer Reiseanamnese aus den Jahren 1991, 1999, 2000, 2009, 2010 und zuletzt im Sommer 2012 zeigen.

Wie die griechische Seuchenbehörde KEELPNO kürzlich mitteilte, konnte für acht von bisher 50 Malaria-Erkrankungen dieses Sommers (alle durch P. vivax, dem Erreger der relativ milden Malaria tertiana) eine Ansteckung im Ausland ausgeschlossen werden: Vier Erkrankungen traten in Lakonien im südlichen Peloponnes auf. Die anderen Patienten stammten aus dem Osten der Halbinsel Attika (Region Marathon und Markopoulo). Lakonien ist eine landwirtschaftliche Region, die auch viele Arbeiter aus Ländern beschäftigt, in denen die Malaria endemisch ist.

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Die Übertragung der Malaria erfolgt über Anopheles-Mücken, von denen einige auch in Griechenland verbreitet sind. Das Übertragungsrisiko ist bekannt. KEELPNO führt nach jeder Erkrankung eine aktive Fallsuche im Umkreis von 100 Metern der Wohnung durch. Einheimischen Bewohner werden zu Erkrankungen mit Fieber befragt, bei den Migranten werden auch Blutproben entnommen. Da die Erkrankungen in ländlichen Regionen abseits der touristischen Pfade auftreten, sieht das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in Stockholm keinen Grund für Reisewarnungen. Das Ansteckungsrisiko für Touristen wird als gering angesehen.

Dengue-Infektion
Das trifft auch auf die Dengue-Infektion zu. Wie jetzt bekannt wurde, ist am 30. August in Agrino, einer Stadt in Westgriechenland, ein 84 Jahre alter Mann mit einer aktiven Dengue-Infektion gestorben. Der Patient hatte weitere schwere Grunderkrankungen. Nach Einschätzung der Behörden ist nicht klar, ob die Dengue-Infektion für den Tod verantwortlich war. Der Nachweis von IgM-Antikörpern zeigte aber, dass die Infektion erst jüngst erworben worden war.

Im Blut des Patienten wurde auch das NS1-Antigen des Erregers nachgewiesen. Ein PCR-Nachweis auf Gene des Erregers gelang nicht. Die Reiseanamnese des Patienten war negativ. Die ECDC geht deshalb davon aus, dass sich der Patient in Griechenland angesteckt hat. Einheimische Dengue-Infektionen hat es dort seit dem letzten Ausbruch 1927/28 nicht mehr gegeben.

Den wichtigsten Vektor der Dengue-Infektion, die Aedes aegypti-Mücke, gibt es in Griechenland nicht. Seit 2003 wird in Westgriechenland jedoch Aedes albopictus nachgewiesen, laut ECDC ein effektiver sekundärer Vektor von Ausbrüchen des Dengue-Fiebers. Wie bei der Malaria dürften die Erreger durch Reisende eingeschleppt und dann über lokale Mücken ausgebreitet worden sein. Ähnliche Fälle hatte es 2010 in Frankreich und Kroatien gegeben. Die griechischen Behörden haben eine aktive Suche nach weiteren Infektionen im Umkreis von 200 Metern der Wohnung des Patienten begonnen.

West-Nil-Fieber
Die dritte durch Mücken übertragene „Tropenerkrankung“ in Griechenland ist das West-Nil-Fieber. Bis zum 6. September zählte KEELPNO insgesamt 122 nachgewiesene Fälle in verschiedenen Teilen des Landes. 83 Patienten entwickelten eine neuroinvasive Erkrankung mit Enzephalitis, Meningitis und/oder einer schlaffen Lähmung. Insgesamt 8 Todesfälle waren bisher zu beklagen. Alle Erkrankungen wurden in Griechenland erworben.

Das West-Nil-Fieber wurde in Griechenland erstmals 2010 (vor allem in Zentralmakedonien) festgestellt. Die diesjährige Epidemie klingt bereits wieder ab. Nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre könnte es bis in den Oktober hinein zu Infektionen kommen. Außer in Griechenland sind West-Nil-Fieber in diesem Jahr auch in Italien, Rumänien, Serbien und in Russland aufgetreten. © rme/aerzteblatt.de

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