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Medizin

Erster Dengue-Impfstoff weist Lücken auf

Dienstag, 11. September 2012

© CDC

Bangkok – Der erste Impfstoff gegen die Tropenerkrankung Dengue hat sich in einer Phase IIb-Studie im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-6736(12)61428-7) als sicher erwiesen. Er schützte die Schulkinder in einer Endemieregion jedoch nur gegen 3 der 4 Virustypen, was bei der üblichen Mischinfektion zu wenig sein könnte.

Infektionen mit dem Dengue-Virus haben seit den 1970er Jahren stark zugenommen. Das Dengue-Fieber ist heute in mehr als 100 Ländern endemisch und nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation sind 40 Prozent der Weltbevölkerung gefährdet. Jährlich sollen 2,2 Millionen Menschen erkranken. Das Dengue-Fieber verläuft in der Regel mild.

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Jährlich müssen aber etwa 500.000 Menschen wegen einer schweren Erkrankung hospitalisiert werden. Besonders gefürchtet ist ein hämorrhagisches Dengue-Fieber, das zu einem tödlichen Dengue-Schock-Syndrom fortschreiten kann. Es ist allerdings selten. Die Dengue Vaccine Initiative, dem neben der WHO noch drei gemeinnützige Organisationen angehören, schätzt, dass jedes Jahr 12.500 Menschen an einer Dengue-Infektion sterben, für die es keine kausale Therapie gibt. Exakte Zahlen gibt es allerdings nicht.

Das Dengue-Virus ist ein Flaviviridae. Zu dieser Familie gehören auch das Gelbfieber-Virus und der Erreger der Japanischen Enzephalitis. Gegen beide Tropenerkrankungen gibt es effektive Impfstoffe. Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Dengue-Virus hat sich dagegen als schwierig erwiesen, da ein einfaches Tiermodell fehlt und vier unterschiedliche Serotypen (DENV-1 bis DENV-4) häufig in Mischinfektionen beim gleichen Patienten auftreten. Ein erfolgreicher Impfstoff sollte gegen alle vier Viren schützen.

Ursprünglich schien dies bei dem tetravalenten Impfstoff CYD-TDV des Herstellers Sanofi auch der Fall zu sein. Es handelt sich um ein gentechnisch hergestelltes Lebendimpfstoff, das auf dem Gerüst eines Gelbfieberimpfstoffs jeweils Antigene der vier Dengue-Viren exprimiert. In den Phase-I-Studien wurde ein Schutz gegen alle vier Serotypen erzielt. Sanofi schien unter den verschiedenen Herstellern, die derzeit an der Entwicklung eines Impfstoffes arbeiten, die Nase vorn zu haben. Doch die Ergebnisse der jetzt veröffentlichten Phase-IIb-Studie bleiben hinter den Erwartungen zurück.

In Thailand, einer Endemieregion des Dengue-Fiebers, waren 4.002 Kinder im Alter von 4 bis 11 Jahren, die am meisten gefährdete Altersgruppe, im Verlauf von 12 Monaten dreimal mit dem experimentellen Impfstoff oder mit einem Placebo geimpft worden. Wie Arunee Sabchareon von der Mahidol Universität in Bangkok und Mitarbeiter des Herstellers berichten, kam es in den folgenden zwei Jahren bei 134 Kindern zum Dengue-Fieber. Darunter waren 45 Kinder, die alle drei Impfungen erhalten hatten.

Die Inzidenz des Dengue-Fiebers betrug bei den geimpften Kindern 1,8 Prozent gegenüber 2,6 Prozent in der Kontrollgruppe. Dies ergibt eine Reduktion um 30 Prozent, die weit hinter dem selbstgesetzten Ziel einer 70-prozentigen Reduktion zurückblieb. Sabchareon führt dies vor allem auf den fehlenden Schutz gegen DENV-2 zurück, während DNEV-3 und DENV-4 mit einer Schutzwirkung von 82 und 90 Prozent das Ziel erreichten und DENV-1 mit einer Schutzwirkung von 61 Prozent ein akzeptables Ergebnis erzielte.

Trotz des etwas enttäuschenden Ergebnisses, spricht der Hersteller von einem Meilenstein in der Entwicklung eines effektiven Impfstoffes. Dem stimmte auch die Dengue Vaccine Initiative zu. Immerhin war seit Jahrzehnten vergeblich nach einem auch nur halbwegs effektiven Impfstoff gesucht worden.

Sanofi hofft jetzt auf einen günstigeren Ausgang der laufenden Phase-III-Studie mit 31.000 Teilnehmern in Asien und Lateinamerika. Die Ergebnisse werden für 2014 erwartet. Sanofi errichtet dem Vernehmen nach in Frankreich bereits für 350 Millionen Euro eine Produktionsstätte. Neben der Vakzine von Sanofi befinden sich derzeit mindestens drei weitere Impfstoffe anderer Hersteller in der klinischen Prüfung. © rme/aerzteblatt.de

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